Basketball-EM - Schröder läuft schon früh heiß

Auftaktsieg gegen die Ukraine

Basketball-EM - Schröder läuft schon früh heiß

Von Robin Tillenburg

Beim Auftaktsieg der deutschen Basketballer bei der Europameisterschaft gegen die Ukraine hat Dennis Schröder gezeigt, dass er die Rolle als Anführer anzunehmen gedenkt. Das soll er nun gegen Georgien (Samstag, 02.09.17/14.35 Uhr im Live-Ticker bei sportschau.de) erneut beweisen.

Im ersten Viertel gegen die Ukraine lief es für das Team des Deutschen Basketball Bundes zunächst so gar nicht. Die Wurfquote war miserabel, vor allem der Dreier fiel überhaupt nicht und der Gegner führte.

Irgendwann reichte es Dennis Schröder dann. Der NBA-Star von den Atlanta Hawks versenkte den ersten Dreipunktewurf seines Teams und stellte den Anschluss wieder her. Von da an lief es besser für seine Mannschaft. Vor allem, weil der Point Guard nun so richtig ins Rollen kam.

Reifer als 2015

Der unglaublich schnelle 1,88-Meter-Mann lieferte im weiteren Verlauf etliche Szenen, die nicht nur seine sportliche Extraklasse zeigten. Sie bewiesen auch, dass "DS17" inzwischen in der Lage ist, die junge Mannschaft auch mental gemeinsam mit Kapitän Robin Benzing zu führen.

Das hatte er auch 2015 bei der EM im eigenen Land schon versucht. Er spielte zwar gut, traf aber gerade in entscheidenden Szenen oft falsche Entscheidungen und wurde unter anderem für seinen Eigensinn kritisiert. Den hat er auf dem Feld auch jetzt zwei Jahre später noch nicht völlig abgelegt, das soll er aber auch gar nicht. Ein Mann mit Schröders Scoring-Qualitäten braucht das große Selbstvertrauen, braucht viele Aktionen zum Korb und hilft damit eben auch dem eigenen Team.

Gegen die Ukraine kam Schröder auf starke 32 Punkte, herausragende fünf verwandelte Dreipunktewürfe bei neun Versuchen, fünf Rebounds aber eben auch sieben Assists - bei nur drei Ballverlusten. Eine Statistik, die auch die Kritiker des gebürtigen Braunschweigers nicht ignorieren können. Immer wieder traf er die richtigen Entscheidungen zwischen Distanzwurf, Zug zum Korb oder Abspiel und verteidigte auch solide.

"DS17" geht voran

Schröder war der entscheidende Faktor beim 75:63-Erfolg gegen den mit Israel vermeintlich schwächsten Gruppengegner. Außer Benzing und Johannes Voigtmann war die Offensivleistung der restlichen deutschen Auswahl noch ausbaufähig. Bostons NBA-Neuzugang Daniel Theis ackerte zwar stark unter dem Korb, sah bei seinen Abschlüssen ab und an aber noch nicht so richtig glücklich aus. Bis auf Schröder und Benzing ging der Rest der Mannschaft bei Würfen "von draußen" bei elf Versuchen komplett leer aus.

Das machte aber nichts, denn die Mannschaft von Chris Fleming konnte sich auf Schröder verlassen. Seine Rolle als Starter, die er bei den Hawks seit der abgelaufenen Saison ausfüllt, hat ihn cleverer gemacht, während er sich gleichzeitig die ihm eigene "Wildheit" im Spiel bewahrt hat.

Als er ein Foul Mitte des zweiten Viertels nicht bekam, war Schröder wütend, nahm sich im kommenden Angriff den Ball und schickte ihn sofort aus dem Lauf jenseits der Dreipunktelinie durch die Reuse. Der starre Blick, den er danach seinem Gegenspieler zuwarf, sollte signalisieren: "Hier bin ich, mich stoppt ihr heute nicht." 32:29 für Deutschland. Ab da geriet das Team nicht mehr in Rückstand. Kurze Zeit später legte Schröder nach: Zug zum Korb, klares Foul, der Wurf saß trotzdem, der zusätzliche Freiwurf ebenfalls.

Basketball-EM: Pflichtsieg zum Auftakt

Sportschau | 30.08.2017

Harte Kritik - nicht immer gerechtfertigt

Der Schlusspunkt, den der bisherige Topscorer und zweitbeste Vorlagengeber des noch jungen Turniers mit seinem Dreipunktewurf mit der Sirene am Ende setzte, und das anschließende Wortgefecht mit einem Gegenspieler zeigen, wie motiviert der 23-Jährige ist, notfalls auch lautstark voranzugehen. Die Kritik, die 2015 auf ihn einprasselte, war nur in Teilen wirklich gerechtfertigt. Schröder war damals 21 Jahre alt, sollte eine junge Mannschaft führen, tat das sportlich auch und verzettelte sich in knappen Situationen ein wenig - normal für einen so jungen Mann.

Dass er nun mit immer noch erst 23 so dominant in das Turnier startete und gereift scheint, zeigt auch, wie lernfähig Schröder ist. Der Sprung, den er in Atlanta bereits gemacht hat, ist groß. Dort wird er in der kommenden Saison der unumstrittene Star seines Teams sein. Mit erst 23. Als Europäer. In der stärksten Liga der Welt.

Natürlich zieht Schröder mit seiner auffälligen Frisur und seinem abseits des Feldes ab und an etwas großspurigem Auftreten eher Kritik auf sich als ein stets bescheidener und lockerer Dirk Nowitzki. Doch auch diese Wesenszüge haben ihn in die NBA geführt, wo man ihm zutraut, ein Team erfolgreich anzuführen.

Jetzt gegen Georgien

Dass man das ruhig auch bei der Nationalmannschaft tun kann, hat der beste Point Guard, den Deutschland je hatte, gegen die Ukraine schon einmal angedeutet. Und auch wenn bei einem 23-Jährigen Leistungsschwankungen weiterhin zu erwarten sind, darf man sich auf Schröders weitere Entwicklung freuen - und auch ein bisschen Geduld mit ihm und dem Team haben.

Die Last, die auf Schröders Schultern ruht, ist groß - nur zehn Spieler mussten zum Aufakt mehr Minuten im Turnier absolvieren als er. Am Samstag (02.09.2017) wartet das starke Georgien, das die hoch gehandelten Litauer mit 79:77 besiegen konnte. Chancenlos ist der DBB trotzdem nicht - vor allem wegen "DS17".

Stand: 01.09.2017, 12:33

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