Heyder vor neuer Herausforderung in Gotha

Wolfgang Heyder

Ex-Bamberger beim Aufsteiger

Heyder vor neuer Herausforderung in Gotha

Von Frank van der Velden

Wolfgang Heyder hat als Manager Bamberg zur Basketball-Hochburg gemacht. Nun leitet er die Geschicke des Aufsteigers Gotha. Mit ähnlichem Erfolg? Es gibt Parallelen.

Wolfgang Heyder ist das, was man einen "Macher" nennt. Als er 1999 die Bamberger Basketballer als Geschäftsführer übernahm, stand es nicht gut um den Klub, weder sportlich noch finanziell. Doch in den folgenden Jahren machte Heyder Bamberg zu Deutschlands Basketball-Hochburg. In seine Ära fallen sechs Meisterschaften und fünf Pokalsiege, darunter dreimal das "Double". Als ehemaliger Spieler und Trainer hatte er sportliche Erfahrung und dazu noch wirtschaftliche Kompetenz. Ohne Heyder, der den Verein 2014 verließ, wäre die Bamberger Erfolgsgeschichte wohl nicht möglich gewesen,.

Seine Macher-Qualitäten stellt Heyder jetzt bei den Rockets aus Gotha unter Beweis. Im Sommer 2016 kam er als Berater zum damaligen Zweitligisten. Und zwar auf Wunsch der Klub-Präsidentin Astrid Kollmar. Deren Familie besitzt die Bierbrauerei Oettinger, den Hauptsponsor der Rockets. Den tragen die auch in ihrem Vereinsnamen. Heyder und Kollmar kennen sich aus Bamberg, denn Oettinger war auch lange Zeit dort Sponsor.

"Das hat mich gereizt"

Im Mai feierten die Rockets den Aufstieg in die Bundesliga

Im Mai feierten die Rockets den Aufstieg.

Als Heyder kam, hatte der Klub gerade den Umzug nach Erfurt beschlossen. Eine größere Halle sollte es in Zukunft sein, für mehr Fans und mehr Aufmerksamkeit. Ein ambitionierter Verein, der neue Wege geht - das fand Heyder spannend. "Etwas Neues aufzubauen, das ist interessant. Das hat mich gereizt", sagt er.

Seine neue Aufgabe ging er gewohnt ambitioniert an und erklärte den Aufstieg innerhalb von zwei Jahren zum Ziel. Die Thüringer waren von Heyder offenbar beflügelt, sie brauchten nur ein Jahr. Jetzt stehen sie vor ihrer ersten Saison in der Basketball-Bundesliga. Los geht es am Samstag (30.09.2017) mit einem Auswärtsspiel beim Mitteldeutschen BC.

"Unglaublich anstrengend"

Heyder ist inzwischen Leiter für Sport und Geschäftsentwicklung. Seinen Job hat er sich wohl ein wenig leichter vorgestellt. "Das war unglaublich anstrengend", sagt der 60-Jährige über das erste Jahr bei den Rockets.

Zunächst lief es sportlich nicht rund, und Heyder musste Trainer Chris Ensminger entlassen. Was nicht leicht für ihn war, denn der Coach spielte zu Heyders Zeiten in Bamberg und war dort einer der Erfolgsgaranten. "Das ist mir sehr, sehr schwer gefallen", sagt Heyder: "Doch am Ende war es richtig." Gotha stieg unter dem neuen Trainer Ivan Pavic auf.

Fanszene gespalten, Klub zerrissen

Fans der Rockets aus Gotha in der Erfurter Messehalle

Fans der Rockets in Erfurt

Noch schwieriger gestaltete sich aber der Umzug in die Messehalle Erfurt, wo die Rockets ihre Heimspiele austragen. Denn das kam in Gotha teils gar nicht gut an. "Viele Fans waren damit nicht einverstanden. Es gab sehr viel Kritik, teilweise auch unter der Gürtellinie", sagt Heyder. Doch er stellt klar: "Der Umzug war alternativlos. Es gab in Gotha keine bundesligataugliche Halle."

So sind die Rockets ein zerrissener Klub - mit einer gespaltenen Fangemeinde, einer Geschäftsstelle in Gotha und einer Halle im rund 30 Kilometer entfernten Erfurt. "Wir wollen die Menschen aus Gotha mitnehmen und in Erfurt neue Zuschauer gewinnen", erklärt Heyder den Spagat.

"Große Herausforderung"

Wolfgang Heyder

Mit Bamberg feierte Heyder große Erfolge.

Er hat alle Hände voll zu tun. Er muss sich um die Fans in beiden Städten kümmern, neue Sponsoren gewinnen und die Marke Rockets in Erfurt bekannt machen. Dort fing der Klub vor einem Jahr praktisch bei Null an. "Erfurt ist kein etablierter Basketballstandort", sagt Heyder: "Das ist alles eine große Herausforderung."

In Erfurt interessieren sich die Sportfans vornehmlich für den Fußball-Drittligisten Rot-Weiß. Doch jetzt gibt es dort erstmals Basketball-Bundesliga zu sehen, und die Rockets erwarten einen Schub. "Wir hoffen auf einen Zuschauerschnitt von 2.600. In der vergangenen Saison waren es 2.200", sagt Heyder. Statt gegen Crailsheim und Chemnitz wie zu Zweitligazeiten kämpfen die Rockets jetzt gegen Berlin, München und Bamberg um Punkte.

Ziel: Klassenerhalt

Ziel im ersten Jahr sei der Klassenerhalt. Den gehen die Blau-Weißen mit einem Etat von drei Millionen Euro an und setzen vor allem auf Talente. "Wir haben acht junge deutsche Spieler im Kader, die wollen wir entwickeln und weiter bringen", sagt Heyder. Der bleibt seiner Philosophie damit treu. Sein Name zählt viel im deutschen Basketball. So wechselte Jung-Nationalspieler Andreas Obst wohl auch wegen Heyder von Bamberg nach Gotha.

In Franken traf Heyder zu Beginn übrigens ähnliche Bedingungen an. Auch dort fehlte es zum Beispiel 1999 noch an einer geeigneten Halle. Erst als Bamberg eine neue Arena hatte, ging es bergauf. Es kamen mehr Zuschauer und mehr Sponsoren, und dann gab es auch sportlichen Erfolg. Ob Heyder den auch in Gotha hat, wird sich zeigen. Der "Macher" ist jedenfalls in seinem Element.

Stand: 26.09.2017, 08:30

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