Basketballer im Weihnachtsstress
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Kapitän der Fraport Skyliners im Interview
Basketballer im Weihnachtsstress
Marius Nolte steht stellvertretend für viele Profis aus den Sportarten Basketball, Handball und Eishockey. Der Kapitän von Basketball-Bundesligist Fraport Skylinbers muss auch über die Feiertage ran. Am 23. Dezember traten die Frankfurter in Tübingen an. Am 2. Weihnachtstag geht es gegen Bayreuth und am 29. steht die Partie gegen Bayern München an. Kaum Zeit zum Durchschnaufen - und das an Weihnachten.
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sportschau.de: Herr Nolte, wie viel Zeit bleibt Ihnen überhaupt für das Weihnachtsfest?
Marius Nolte: Ich musste in den vergangenen Jahren davon Abstand nehmen, viel Zeit mit der Familie zu verbringen, weil es der Sport nicht erlaubt. Ich hoffe aber, dass ich in die paar Stunden, die ich mir freischaufeln kann, all die Weihnachtsemotionen packen und zumindest Weihnacht light feiern kann.
Wie oft wird an den Festtagen trainiert?
Nolte: Wir müssen die Tage komplett durchtrainieren, anders geht es gar nicht. Wir haben am 24.12. noch um 12 Uhr trainiert und treffen uns dann heute, am ersten Feiertag, wieder um 16 Uhr. Dann ist Videovorbereitung und das nächste Training. Es sind dann etwas mehr als 24 Stunden, die mir zum Feiern bleiben. Ich muss dann noch zweieinhalb Stunden zu meinen Eltern in die Nähe von Paderborn fahren. Ich versuche, in der Zeit alles zu erledigen, also die Freunde kurz zu treffen, die ich sonst nicht oft sehe, und meine Familie, meine Schwiegereltern zu besuchen.
Und der Trainer erlaubt es, dass Sie den Weg nach Hause auf sich nehmen?
Nolte: Das ist etwas, was ich mir nicht verbieten lassen würde, nicht aus Rebellion, sondern weil es mir sehr wichtig ist. Ich erwähne das auch zu einem recht frühen Zeitpunkt bei der Trainingsplanung. Das ist für uns schließlich die letzte Bastion, die uns bleibt an diesen Tagen. Dass wir spielen, ist okay. Da muss man Profi genug sein, das anzuerkennen. Aber zu sagen, ihr dürft nicht nach Hause fahren, das würde ich mir ungern verbieten lassen. Ich glaube, ich bin dann in Training und Spiel auch etwas besser, weil man die Akkus zumindest ein wenig auflädt.
Holen Sie denn auch Ihre Gitarre an Weihnachten raus?
Nolte: Wir sind eine musikalische Familie. Aus Tradition singen wir Weihnachtslieder. Ich begleite dann meinen Vater mit meiner Gitarre am Klavier. Für uns ist es eher eine witzige Geschichte.
Schauen Sie neidisch zu den Fußballern, die drei Wochen pausieren?
Nolte: Man muss natürlich immer überdenken, ob es Sinn macht, so oft zu spielen. Auch die Liga muss das tun. Da bitte ich auch die Liga, jedes Jahr aufs Neue zu überprüfen: Stimmen die Zahlen, wollen wir uns über eine Liga definieren, die über Weihnachten spielt? Wenn die Liga sagt, ja, das ist so, dann stehe ich dahinter. Wir haben schließlich im Januar eine Woche frei. Da werden wir uns ein bisschen erholen.
Ist eine besondere Atmosphäre während der Spiele an und um Weihnachten in den Hallen zu spüren?
Nolte: Schwer zu sagen. Man sieht mal eine Weihnachtsmütze. Und dann finde ich auch schön, wenn die Halle ein wenig in Rot-Weiß gekleidet ist. Aber dass die Fans euphorischer sind oder etwas ruhiger, weil sie mehr gegessen haben, kann ich nicht sagen. Ein Karnevalsspiel in Bonn bleibt viel mehr in Erinnerung, weil wirklich fast alle verkleidet sind. So habe ich das an Weihnachten noch nicht erlebt.
In der Liga steht Ihr Verein unten drin. Trübt der Abstiegskampf die Weihnachtsfreude?
Nolte: Ja. Die Situation ist nicht einfach und schlägt schon aufs Gemüt. Ich versuche, das Sportliche vom Privatleben fernzuhalten. Aber das kann man nicht ganz ausschalten, man darf es auch nicht. Man sollte ja schon darüber nachdenken und motiviert bleiben. Die Spiele, die jetzt noch kommen, sind alle extrem wichtig für uns. Insofern: Weihnachten wird genossen, aber der Fokus liegt auf den Spielen, die wir unbedingt gewinnen müssen.
Der Pressesprecher Ihres Teams gab uns den Tipp, Sie nach einem besonderen Geschenk zu fragen, das Sie mal Ihrer Frau gemacht hätten ...
Nolte (lacht): Das ist ein kleiner Insider in der Skyliner-Familie. Ich bin nicht besonders gut im Geschenke aussuchen und hatte schon immer Probleme mit emotionalen Geschenken. Vor ein paar Jahren habe ich meiner Frau einen elektrischen Papierhefter geschenkt. Im Nachhinein weiß ich, dass es kein gutes Geschenk war, aber es hat im Freundeskreis und bei meiner Frau für viele Lacher gesorgt. Schließlich habe ich den Tacker bei einer Fan-Weihnachtsfeier verwichtelt. Eine der Damen aus dem FanKlub hat ihn geschenkt bekommen und hat sich sehr gefreut.
Wie feiern eigentlich die amerikanischen Spieler in Ihrem Team?
Nolte: Um sie kümmert sich der Verein. Es ist für einige von ihnen keine ganz leichte Situation, und ich bin ehrlich gesagt froh, nicht in deren Haut zu stecken. Aber auch das bringt der Sport mit sich. Man weiß es lange genug im voraus. Sie werden das beste draus machen und treffen sich untereinander. Einige haben Freunde da oder Teile der Familie. Insofern sind sie versorgt.
Wie lauten Ihre sportlichen Wünsche für 2013?
Nolte: Abgesehen von Gesundheit für alle im Team wünsche ich mir, dass es so läuft wie im vergangenen Jahr. Wir haben einen ähnlichen Saisonverlauf gehabt wie jetzt und lange gebraucht, bis wir uns als Team gefunden haben. Das würde ich mir für 2013 und auch schon jetzt für das Ende des Jahres wünschen. Dass wir das Gute aus den Spielen mitnehmen und daraus eine Siegermentalität entwickeln. Ich hoffe, wir können das umsetzen.
Das Gespräch führte Jens Mickler.
Stand: 25.12.2012, 10:31