Die unerwartete Stärke der Mavericks

Dallas Mavericks

Basketball-Team aus Dallas überrascht die NBA

Die unerwartete Stärke der Mavericks

Von Lovis Binder

Als die Dallas Mavericks Ende Oktober in die neue Saison starteten, gab es kaum jemanden, der an sie geglaubt hat. Mit den Playoffs habe der Klub aus Texas in diesem Jahr nichts zu tun, hieß es. Dreieinhalb Monate später sieht das ganz anders aus. Dass das Team aus Texas trotz schwieriger Bedingungen erfolgreich ist, liegt zum großen Teil am Trainer.

Wer die Reaktionen von Rick Carlisle am Spielfeldrand beobachtet, erkennt immer wieder die gleichen Muster. Er kratzt sich am Kopf, runzelt die Stirn oder stemmt die Arme in die Hüften. Wenn er das macht, sieht er so aus, als ob er gerade nicht versteht, warum sein Team seinen Anweisungen nicht folgt. Manchmal entsteht das Gefühl, dass der 56-jährige Trainer der Dallas Mavericks zu schlau für seine Mannschaft ist.

Aber darüber können sich alle Fans der Mavs nur freuen. Mit seiner Spielintelligenz hat Rick Carlisle es geschafft, aus einem Kader, den viele als Resterampe bezeichnet haben, ein Überraschungsteam zu formen. Für die Chefetage des Vereins war das offenbar schon vorher klar. Nur ein paar Tage nach Saisonstart verlängerte sie Carlisles Vertrag um fünf weitere Jahre bis 2022. Für das schnelllebige Business der NBA ist das sehr untypisch, es zeigt, wie wichtig Rick Carlisle den Mavericks ist.

Desaster in der Sommerpause

Rick Carlisle, Trainer Dallas Mavericks

Rick Carlisle, Trainer Dallas Mavericks

Die Mavericks brauchten eine Konstante, die das Chaos der Sommerpause reparieren konnte. Vier Jahre lang schaffte es das Team aus Texas nicht über die erste Runde der Playoffs hinaus. Deswegen versuchte der Verein vor der Saison, einen neuen Premiumkader rund um Dirk Nowitzki zu bauen. Ein letzter Versuch, nochmal mit Nowitzki die Meisterschaft zu gewinnen. Aber der Plan ging nach hinten los. Dallas ließ viele wichtige Akteure ziehen, um sich einen Starspieler zu angeln. Der sagte aber ab und Dallas stand vor einem Scherbenhaufen. So gut wie keiner traute den Mavs zu, eine Rolle im Westen der NBA zu spielen.

Die Liga geht jetzt in eine kleine Pause. Rund um das Allstar-Game am Wochenende gibt es eine Woche lang keine regulären Spiele. Für die Vereine heißt es Bilanz ziehen. Viele werden noch vor Ende der Transferperiode Spieler holen oder abgeben, um entweder richtig anzugreifen oder die Saison abzuhaken. Bei den Mavericks wird wahrscheinlich nicht viel passieren. Sie können mehr als zufrieden sein. Sie kämpfen um Platz 5 im Westen und haben viele starke Konkurrenten hinter sich stehen.

NBA-Experten total überrascht

Dirk Nowitzki und Zaza Pachulia

Dirk Nowitzki und Zaza Pachulia

Für viele Experten wie zum Beispiel Steve Aschburner von NBA.com ist das eine riesengroße Überraschung. "Niemals hätte ich gedacht, dass sich die Mavericks im Westen mitmischen. Ich habe unterschätzt, wie viel Wesley Matthews, Deron Williams, Zaza Pachulia und Dwight Powell leisten können." Gerade Center Pachulia ist ein guter Grund, warum die Mavericks so gut dastehen.

Pachulia etabliert sich als Top-10-Center

Pachulia kommt aus Georgien, ist 2,11 Meter groß und 32 Jahre alt. Bei seinen bisherigen Teams konnte er sich fast nie als Stammspieler behaupten. Rick Carlisle hat es aber geschafft, ihn so einzusetzen, dass er eine feste Säule im System der Mavs ist. Pachulia positioniert sich bei Wurfversuchen so geschickt, dass er sich sowohl in der Defensive als auch Offensive immer wieder Rebounds greift. Außerdem kann er für einen Big Man sehr gut den Ball fangen und verwertet die Pässe seiner Mitspieler effektiv.  Mit zehn Rebounds und elf Punkten pro Spiel gehört er in beiden Kategorien zu den Top-10-Center der NBA.

Pachulia hätte sogar fast für eine Sensation gesorgt. Der so unauffällige und schnörkellose Center hätte um ein Haar am prestigeträchtigen Alltstar-Game teilgenommen. Beim Fan-Voting landete er ganz knapp auf Platz 4 der Frontcourt-Spieler und ließ Stars wie Draymond Green und Blake Griffin hinter sich.

Nowitzki weiterhin extrem effektiv

Wer über den unerwarteten Erfolg der Dallas Mavericks spricht, muss aber auch den 37-jährigen Dirk Nowitzki erwähnen. Neben Tim Duncan ist er der einzige NBA-Senior, der immer noch extrem effektiv spielt. 45 Prozent Trefferquote aus dem Feld, 39 Prozent von der Dreierlinie: das sind absolute Topwerte. Nowitzki weiß, wie er seinen alt und müde gewordenen Körper perfekt einsetzt. Kobe Bryant, auch 37 Jahre alt, hat damit zum Beispiel viel größere Probleme. Seine Werte sind im Vergleich zum Karrieredurchschnitt stark gesunken.

Die Mavericks haben es geschafft, nicht in die Bedeutungslosigkeit abzurutschen. Mit ein bisschen Glück überstehen sie die erste Runde der Playoffs. Danach wird aber Schluss sein, die oberen Teams des Westens spielen aktuell einfach eine Liga höher als Dallas.

Stand: 12.02.2016, 08:00

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