13.000 Zuschauer beim LoL-Finale

League of Legends

Finale des Computer-Spiels "League of Legends" in Berlin

13.000 Zuschauer beim LoL-Finale

Von Philip Schmid

Preisgeld in Millionenhöhe, volle Livestreams und eine ausverkaufte Großarena: Das Finale des Computer-Spiels "League of Legends" in Berlin war ein Massenevent.

Beinahe 13.000 Besucher füllten die Berliner Arena beim Finale und bejubelten den Sieg des koreanischen Teams SK Telekom T1. Es war das erste Event dieser Art Groß-Halle – und für Unternehmenssprecher Moritz Hillebrand war es ein Erfolg: "Der Verkauf hatte Dimensionen von U2-Konzerten. Es war alles innerhalb eines Tages weg, auch die VIP- und Premium-Tickets." Und das, obwohl bis zu 349 Euro für eine Karte verlangt wurde.

Zunächst hatte die Anfrage des US-Unternehmens Riot Games die Arena-Verantwortlichen allerdings erst einmal vor ein Rätsel gestellt. "Wir hatten alle keine Ahnung, was das ist. Nur ein junger Kollege aus der IT-Abeilung hat mit leuchtenden Augen davon erzählt. Das war das erste Mal, dass ich mich richtig alt gefühlt habe", gibt Hillebrand zu.

Millionen Spieler weltweit

Insgesamt 27 Millionen Menschen zocken laut Hersteller täglich LoL, pro Monat seien sogar 67 Millionen weltweit aktiv - und machen das Spiel damit zum wohl erfolgreichste Online-Game der Welt. LoL zählt zum Genre der "Multiplayer Online Battle Arena" (Moba). Dabei spielen zwei Fünfer-Teams um die Vorherrschaft auf einer mit Türmen und Monstern gespickten Karte. Die Spieler entscheiden sich für einen von mehr als 125 Champions mit jeweils individuellen Fähigkeiten. Mit im Spiel verdientem Gold können Gegenstände mit unterschiedlichen Stärken gebaut werden. Die Kombination der Charaktere und Gegenstände sorgt für die taktische Tiefe.

"Das Spiel ist kostenlos, braucht keinen schnellen Computer, hat eine sehr angenehme Lernkurve und bietet trotzdem für Profis ganz viele strategische Möglichkeiten", sagt Maxim Markow über die Erfolgsgründe. Der 28-Jährige, der ursprünglich Lehrer werden wollte, ist einer der bekanntesten deutschen LoL-Youtuber. Er kommentierte den deutschen Livestream bei der seit Anfang Oktober stattfindenden WM, die in Berlin ihren Abschluss fand.

Professionelle Strukturen

Zuvor hatten sich in den Vorrunden in Paris, London und Brüssel die besten Teams der Profi-Ligen in Europa, den USA, Südkorea, China und Südostasien duelliert. Immer begleitet von tausenden Fans in den Hallen. "Jubelschreie, Laola-Wellen, Fangesänge - die Stimmung ist überwältigend", berichtet Markow.

Als Kommentator kümmert er sich um den weitaus größeren Teil des Publikums, die Nutzer vor dem Livestream. In mehr als zehn Sprachen wird die WM übertragen, allein auf der wichtigsten Streaming-Plattform Twitch schauen mehr als eine Million Menschen gleichzeitig zu. Besonders die Hauptübertragung in Englisch ist professionell und erinnert an große Sportevents. Dazu kommen Übertragungen in Kinos und Public Viewings. Beim Größten, dem "The Main" in Berlin, wurden innerhalb weniger Stunden 3.000 Tickets verkauft. Mit ihrem Jugendkanal ist auch die BBC in die Live-Berichterstattung eingestiegen.

Genaue Analyse

Mit Analyse-Gesprächen, Trailern, Statistiken und eigenen Dokumentationen über die LoL-Profis steigert Riot Games den Hype um Stars wie den Koreaner Lee "Faker" Sang-hyeok oder den Schweden Martin "Rekkles" Larsson. Mehrere hunderttausend Follower bei Twitter sind durchaus normal, die Strukturen der Teams entsprechend professionell. "Da steckt eine richtige Maschinerie dahinter. Es gibt Trainer, Analysten und Psychotherapeuten", erklärt Experte Markow.

Während der Liga-Saison wohnen die Teams in gemeinsamen Gamer-WGs, vor der Weltmeisterschaft gönnten sich alle Mannschaften ein Boot-Camp in Südkorea, dem Mutterland des eSports. Als einziger Deutscher schaffte übrigens Maurice "Amazing" Stückenschneider den Sprung zur WM, mit seinem Team "Origen" kam er überraschend bis ins Halbfinale.

Den Stars beim Training zuschauen

Bei all dem geht es natürlich auch ums Geld. Mehr als zwei Millionen US-Dollar werden bei der WM verteilt. Doch den Großteil ihres Einkommens erzielen die Profi-Zocker nicht durch Preisgelder. "Es gibt ein Festgehalt von Riot, dazu kommt Geld von den Vereinen, Sponsoren und natürlich durch Streams", sagt Markow. Genaue Zahlen werden nicht gerne verraten, in der Szene schätzt man aber, dass Stars mehrere zehntausend Euro im Monat verdienen können.

Haupteinnahmequelle sind dabei die Übertragungen von Trainingsspielen. Tausende schauen den Stars zu, lauschen ihren Erklärungen und spülen über Werbung Geld in die Kassen. "Man stelle sich vor, man könnte per Stream durch die Augen von Lionel Messi sehen und so mitkriegen, wie er agiert. Genau das ist bei den LoL-Profis möglich", sagt Markow.

Es ist diese Bindung zwischen den Stars und den Zockern vor dem heimischen PC, die das Potenzial von LoL als Live-Event mit ausmacht. Das hat man auch in Berlin erkannt. Gerade weil die großen Stadion-Acts der Musikindustrie in die Jahre kommen, setze man auf diesen neuen und jungen Markt. "Wir haben sofort Kollegen auf Messen und Conventions geschickt, um uns zu informieren, wie man sich als Arena vernünftig für eine solche Veranstaltung positioniert", erklärt Unternehmenssprecher Hillebrand. Es wird also wohl nicht das letzte Mal sein, dass die Profi-Zocker zu Gast in Berlin sein werden.

Stand: 01.11.2015, 10:29

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