Darum steigt Schalke bei League of Legends ein

Das Schalker LoL-Team

Fußball-Club investiert in eSport

Darum steigt Schalke bei League of Legends ein

Von Philip Schmid

Das Telefon von Tim Reichert steht derzeit nicht still. Presseanfragen, interne Absprachen, Bewerbungen - der 36-Jährige ist ein gefragter Mann. Grund: Reichert ist der Leiter der neuen eSport-Abteilung von Schalke 04 und damit das Gesicht einer kleinen virtuellen Revolution. Denn mit S04 steigt erstmals ein prominenter deutscher Sport-Klub in die Welt von League of Legends (LoL) ein, dem wichtigsten Computerspiel der eSport-Welt.

"Schalke hat Ende 2015 beschlossen, neue Geschäftsfelder zu eruieren. Da war eSport schnell einer der interessanten Bereiche“, erläutert Reichert die Beweggründe. Als ehemaliger Zweitliga-Fußballprofi und Mitbegründer des berühmten Computer-Clans SK Gaming ist er ein Mittler zwischen den Welten und soll Königsblau in der neuen Welt verankern.

Als ersten Schritt haben die Gelsenkirchener vergangene Woche die Verpflichtung von "Elements" bekanntgegeben, einem Mittelklasse-Team der europäischen Liga LCS. Insgesamt zehn Mannschaften spielen dort um den Meistertitel und die Teilnahme an den jährlichen Weltmeisterschaften.

"Unerreichte Zahlen für ein Computer-Spiel"

Doch warum investiert Schalke ins Gaming und noch dazu in ein Echtzeit-Strategiespiel mit Drachen, Schwertern und Zauberern? Liegt eine Fußball-Simulation wie FIFA 2016 nicht deutlich näher?

Die Antwort wird schnell klar, wenn man die Zahlen betrachtet. LoL ist der Platzhirsch auf dem Markt der virtuellen Sportler. 27 Millionen Menschen - vom Hobby-Gamer bis zum Profi - spielen weltweit täglich online. 36 Millionen sahen sich im vergangenen Herbst übers Internet das WM-Finale in Berlin an. Die mehr als 13.000 Karten für das Event waren in wenigen Minuten verkauft.

Großes Phänomen - geringe Wahrnehmung

"LoL schafft bisher unerreichte Zahlen für ein Computer-Spiel. Daher war es nur folgerichtig, damit zu starten“, erläutert Cyrus Mobasheri, der sich als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Bayreuth mit Computerspielen und eSport beschäftigt. "Wie groß das Phänomen ist, wird von der Öffentlichkeit oft noch nicht wahrgenommen.“ Aber wer heute in eine beliebige Schulklasse geht, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit Jungs finden, die LoL spielen - und sich für Fußball interessieren.

Hier kommt Schalke ins Spiel, erklärt S04-Manager Reichert: "Was ist naheliegender, als beide Bereiche abzudecken? Das ist unser Wunschszenario: Jemand spielt gerne Computer und Fußball und feuert in beiden Bereichen denselben Verein an: Schalke 04."

Weitere eSport-Titel sollen folgen

Punkten wollen die Knappen dabei besonders mit ihrem professionelles Umfeld: Ernährung, medizinische Versorgung, Physiotherapie, Management - es sind viele Punkte, die Schalke in den eSport einbringen will. Zuerst in LoL, bald in FIFA und in Zukunft wohl auch in Spiele wie Dota2 und Overwatch. Von den gerne als Ballerspielen verschrienen Shootern wie Counter Strike will der Revierklub aber Abstand halten.

Und was sind jetzt die konkreten Pläne für LoL? "Wir sind ambitioniert, werden aber nicht als Big Player auftreten und mit dem großen Geldschein wedeln“, tritt Reichert möglichen Ängste in der Szene entgegen um dann gleich eine klare Ansage nachzuschieben: "Aber langfristig wollen wir natürlich die LCS gewinnen. Eine andere Aussage kann man nicht treffen.“

Großes wirtschaftliches Potenzial

Doch für Schalke geht es nicht nur um Erfolge, sondern natürlich auch um Geld. "Bei dem stark wachsenden Markt sind wir sehr sicher, dass sich das Engagement rentiert“, sagt Reichert und erläutert drei mögliche Geschäftsfelder. "Derzeit am wichtigsten ist das Sponsoring. Wir sprechen hier eine internationale Zielgruppe an, die über andere Werbearten extrem schwer zu erreichen ist.“ Dazu kämen die Vermarktungseinnahmen der Livestreams und zuletzt Merchandising. Deshalb rechnet Reichert auch damit, dass bald weitere Klubs Schalke in den eSport folgen werden. Der VfL Wolfsburg ist bereits seit 2015 bei FIFA aktiv.

Das wirtschaftliche Potenzial ist auch für Forscher Mobasheri eindeutig: "Der Bereich hat enorme Wachstumsraten. Im Mutterland Südkorea war Starcraft schon um die Jahrtausendwende Volkssport. Dort gibt es drei TV-Sender, die täglich nur über eSport berichten.“ Das ist das Potenzial dieses neuen Markts. Und darum setzt Schalke nun auch auf virtuelle Profis.

Stand: 25.05.2016, 13:11

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