DOSB-Mitglieder beschließen Spitzensportreform

DOSB-Präsident Alfons Hörmann auf der Mitgliederversammlung

Mitgliederversammlung in Magdeburg

DOSB-Mitglieder beschließen Spitzensportreform

Mehr Geld für erfolgreiche Verbände: Die Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes hat der umstrittenen Spitzensportreform in Deutschland zugestimmt. Es gab nur eine Gegenstimme.

Die Spitzensportreform wurde bei der 13. DOSB-Vollversammlung in Magdeburg mit überwältigender Mehrheit angenommen. Unter den 439 Stimmberechtigten gab es nur eine Gegenstimme und fünf Enthaltungen. Durch die Reform soll das System künftig deutlicher auf Erfolg ausgerichtet werden. Durch das sogenannte Potenzialanalysesystem (PotAs) werden Sportler und Disziplinen zukünftig in drei Cluster eingeteilt und nach ihren Erfolgsaussichten in den nächsten vier bis acht Jahren bewertet.

Kritiker: Randsportarten werden weiter abgedrängt

Das Konzept sieht im Grundsatz vor, dass aussichtsreiche Verbände und Disziplinen mehr, eher perspektivlose weniger Geld erhalten. Kritiker befürchten, das Sportarten mit weniger Aussichten auf Medaillen weiter an den Rand gedrängt werden und weniger Chancen auf finanzielle Förderung haben. Der Förderverein Deutsche Olympische Gesellschaft (DOG), dessen Aufgabe es ist, sich "für die Verbreitung des Olmypischen Gedankens in Sport und Gesellschaft" einzusetzen, lieferte die Gegenstimme in Magdeburg.

Die Reform war von DOSB und Bundesinnenministerium in jahrelanger Vorarbeit entwickelt worden. Da viele Punkte der Reform im Detail noch ebenso unklar sind wie deren Finanzierung, enthält der Beschlussvorschlag Einschränkungen: Das Konzept mache "zugleich deutlich, dass es einer Fortschreibung der Inhalte sowie einer Weiterentwicklung und Spezifizierung der Maßnahmen bedarf", heißt es in dem Beschluss. 2017 und 2018 sollen "Übergangsjahre" zur Einführung der Reform sein. Die Reform soll "Sportdeutschland" auf lange Sicht wieder mehr Medaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften bringen.

Wenig Begeisterung für Hörmanns Auftritt

DOSB-Präsident Alfons Hörmann hatte am Freitag nach den zahlreichen Unstimmigkeiten in den vergangenen Wochen ein persönliches Wort des Bedauerns oder eine Bitte um Entschuldigung in seiner Rede vermieden. Im Gegenteil forderte Hörmann die Delegierten auf, "eine Fehlerkultur zuzulassen". "Ich sage Ihnen zu, dass wir uns des Themas annehmen und uns allen gemeinsam selbstkritisch die Frage stellen: Wie schaffen wir es, Fehler zuzulassen und zu akzeptieren?", sagte Hörmann. Für seine Rede erhielt er nur spärlichen Applaus. Unter anderem für missverständliche Äußerungen bei der Vorstellung der Spitzensportreform war Hörmann zuletzt ebenso scharf kritisiert worden wie für seine unglückliche Kommunikation mit Thomas Weikert, dem Präsidenten des Tischtennis-Weltverbandes ITTF.

Zur Spitzensportreform sagte Hörmann in Magdeburg: "Wir sind an einem Punkt, an dem die Konturen des Konzepts ganz klar sind. Die Leitplanken sind gesetzt. Die Details werden wir im Einzelfall festlegen. Wichtig ist: Wir sind nicht am Ziel angekommen, sondern erst am Start. Jetzt zählt's! Die eigentliche Arbeit, die Umsetzung, geht jetzt los." Hörmann prognostizierte "viele weitere, spannende Diskussionen" sowie "Widerstand und Gegenwind". Vor einem Jahr war er in Hannover im Anschluss an das gescheiterte Olympiareferendum in Hamburg für seinen kämpferischen Vortrag noch stürmisch gefeiert worden.

Bundesinnenminister de Maizière verspricht mehr Geld

Bundesinnenminister Thomas de Maizière stellte dem deutschen Sport im Zuge der Reform mehr Geld in Aussicht gestellt. "Wenn das Konzept fertig ist, werde ich mich dafür einsetzen, dass der Sportetat substanziell und dauerhaft erhöht wird, damit die Reform erfolgreich sein wird", sagte de Maizière in einer Videobotschaft an die Mitgliederversammlung. Der für den Sport zuständige Innenminister ließ sich in Magdeburg von seinem Staatssekretär Hans-Georg Engelke vertreten, weil er bei der Beerdigung des ehemaligen Bundestags-Vizepräsidenten Peter Hintze in Bad Honnef weilte.

"Diese Reform war ein hartes Stück Arbeit. Es hat manchmal geknirscht, aber ich denke, das Ergebnis kann sich sehen lassen. Dass eine Reform notwendig ist, bestreitet niemand", sagte de Maiziere. Der CDU-Politiker betonte: "Es geht darum, erfolgreich zu sein, aber fair und sauber." In der Umsetzung kündigte er "Transparenz, keine Willkür" an. Er hob hervor, dass bei aller Erfolgsorientierung auch Verbände mit wenig Potenzial nicht leer ausgehen sollen: "Wir sind in Gesprächen über eine Basisförderung." Konkrete Zuschusszusagen machten weder de Maizière noch Engelke.

nch/sid/dpa | Stand: 03.12.2016, 12:03

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