Die Liste der Doping-Sünder wird immer länger

Anti-Doping-Labor

Proben der Olympischen Spiele in Peking und London untersucht

Die Liste der Doping-Sünder wird immer länger

Von Frank van der Velden

Eine fast schon täglich wiederkehrende Nachricht lautet: Prominente Sportler müssen ihre Olympia-Medaillen abgeben, weil sie bei Nachprüfungen positiv getestet wurden. Eine kleine Übersicht über große Zahlen, die wohl noch größer werden.

Jetzt hat es auch die russische 4x400-Meter-Staffel der Frauen erwischt. Weil Antonina Kriwoschapka 2012 in London gedopt war, muss das gesamte Quartett seine Silbermedaille zurückgeben. Mitgehangen, mitgefangen - das galt zuletzt auch für Usain Bolt. Der Sprintstar aus Jamaika musste eine seiner neun olympischen Goldmedaillen wieder abliefern. Er wurde zwar nicht selbst des Dopings überführt, doch sein Kollege Nesta Carter wurde auffällig. Er war 2008 in Peking gedopt - und jetzt ist auch Bolts Staffel-Gold über 4x100-Meter futsch.

Die Liste der Namen wird wohl noch wachsen. Das IOC untersucht insgesamt 1.545 Urin- und Blutproben der Spiele von Peking und London neu. Möglich ist das durch modernere und verfeinerte Analysemethoden. Bei der Auswahl der Proben arbeitet das IOC mit der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, den Nationalen Anti-Doping-Agenturen und den Weltverbänden zusammen.

Russland führt die Liste an, Gewichtheben verseucht

Tatyana Lysenko (Mi.)

Tatyana Lysenko (Mi.)

Laut der eigenen Statistik hat das IOC bisher 101 Dopingfälle aufgedeckt, 61 aus Peking und 40 aus London. Betroffen waren Sportler aus 20 Nationen. Russland führt die Liste mit 30 Vergehen an, danach folgen Weißrussland mit 16 und Kasachstan mit zwölf Fällen.

Am meisten vom Doping verseucht ist das Gewichtheben. 47 Sportler wurden dort auffällig, danach folgt die Leichthletik mit 43 Dopingfällen. Ringer (6), Radsportler (3), Schwimmer und Boxer (je 1) kommen da noch harmlos daher. Auch ein Deutscher ist dabei: Radrennfahrer Stefan Schumacher war in Peking gedopt. 56 Medaillen mussten zurück gegeben werden - 13 goldene, 23 silberne und 20 bronzene. Erwischt hat es neben Nesta Carter unter anderem die Russin Tatyana Lysenko (Gold im Hammerwerfen in London) und 1500-Meter-Spezialist Rashid Ramzu aus Bahrain (Gold in Peking).

"Wir erwarten noch mehr"

Richard Budgett

Richard Budgett

Die Verjährungsfrist beträgt acht Jahre. Die Nachtests für Peking sind also abgeschlossen, die London-Proben darf das IOC noch bis 2020 nachträglich testen. "Wir erwarten aus London in den kommenden Wochen und Monaten noch weitere positive Tests", sagt Richard Budgett, Direktor der Medizinischen und Wissenschaftlichen Kommission des IOC: "Es könnten fünf sein, aber vielleicht auch zehn. Ich weiß es nicht."

Dopingtests führt das IOC seit den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko-Stadt durch. Der erste, den es erwischte, war der Schwede Hans-Gunnar Liljenwall. Seinetwegen mussten alle Mitglieder des Teams im Modernen Fünfkampf ihre Bronzemedaille wieder hergeben. Liljenwall hatte 0,81 Promille Alkohol im Blut.

Skandal durch Johnson, Rekordhalterin Jones

Ben Johnson (l.) läuft vor Carl Lewis ins Ziel

Ben Johnson (l.) läuft vor Carl Lewis ins Ziel

Den ersten großen Skandal gab es 1988 in Seoul. Der kanadische Sprinter Ben Johnson gewann Gold über 100 Meter und besiegte seinen großen Widersacher Carl Lewis in Weltrekordzeit von 9,79 Sekunden. Umso enttäuschter waren Fans in aller Welt, als Johnson kurz nach dem "Jahrhundertlauf" des Dopings überführt wurde.

Rekordhalterin in Sachen Medaillenverlust ist die amerikanische Leichtathletin Marion Jones. Sie musste sieben Jahre nach den Spielen 2000 in Sydney alle ihre fünf Medaillen abgeben, darunter waren auch drei goldene.

Auch Deutsche auf der langen Liste

Auf der langen Liste der Dopingsünder tauchen auch zwei deutsche Edelmetallsieger auf. Genau wie Jones erwischte es in Sydney den Ringer Alexander Leipold, der Gold gewonnen hatte. 2004 in Athen mussten sich die deutschen Springreiter von Platz eins verabschieden. Damals fand man im Blut des Pferdes von Ludger Beerbaum verbotene Medikamente.

Gäbe es einen Doping-Medaillenspiegel seit 1968, würden die USA diesen anführen. Sieben Goldmedaillen musste das Team über die Jahre abgeben. Wer Silber und Bronze dazu rechnet, sieht allerdings Russland weit vorne.

Rio-Proben noch nicht nachgetestet

Doping-Kontrollstation in Rio de Janeiro

Doping-Kontrollstation in Rio de Janeiro

Was die jüngsten Spiele in Rio de Janeiro angeht, sind "erst" vier Medaillengewinner überführt. Ein kirgisischer Gewichtheber, ein moldawischer Kanute, ein russischer Boxer und ein rumänischer Gewichtheber hatten nicht lange Freude an ihrem Erfolg.

Weitere Sportler werden wohl folgen. Rund 3.200 Proben wurden in Brasilien genommen. "Die Qualität der Tests war höher als jemals zuvor", sagt Richard Budgett: "Athleten, die betrügen, sollten Angst haben, selbst wenn sie glauben, eine Doping-Methode gefunden zu haben, die derzeit noch nicht nachgewiesen werden kann." Zur Sicherheit und vor allem zur Abschreckung hat das IOC für Rio de Janeiro und alle folgenden Spiele die Verjährungsfrist erhöht - auf jetzt zehn Jahre.

Stand: 01.02.2017, 14:25

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