Depression und Sport: Ein Verein will aufklären

Patrick Pilz (schwarze Mütze) mit aktiven und ehemaligen Ruderern der Nationalmannschaft sowie Unterstützern von Wirfueryannic e.V.

Wirfueryannic e.V. will enttabuisieren

Depression und Sport: Ein Verein will aufklären

Von Kim Martin Heeß

Der Verein "Wirfueryannic" hat sich zur Aufgabe gemacht, das Thema Depression im Sport zu enttabuisieren. Mit aktiven und ehemaligen Spitzensportlern wollen sie aufklären.

Max Planer sitzt im Leistungszentrum in Dortmund auf dem Ruder-Ergometer. Der 1,98-Meter-Hüne ist Mitglied des Deutschland-Achters und wurde im Sommer mit dem Team Weltmeister. Ein Modellathlet, ein Kraftpaket. Als Leistungssportler kennt er das Business: Leistung erbringen, Erfolge feiern. Ein Druck, mit dem der 26-Jährige umgehen kann.

Yannic Corinth konnte das nicht. Auch er war im Rudern zuhause, aufgrund von Depressionen nahm er sich 2016 das Leben. Er war ein ambitionierter Ruderer, der gute Chancen auf eine Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen hatte.

Freunde und Freude durch Sport

Yannic hatte viele Freunde im Ruder- und Radsport, die sich seitdem mit dem Thema Depression intensiv beschäftigen. Sie gründeten Anfang des Jahres den Verein Wirfueryannic e.V und bringen damit die Krankheit an die Öffentlichkeit.

Yannic war auch für das Cape Epic gemeldet, die "Tour de France des Mountainbikes". In Südafrika geht es dort über sieben Etappen und knapp 700 Kilometer querfeldein über Stock und Stein. Nach seinem Tod nahmen zwei Freunde den Startplatz ein - unter dem Namen "Wirfueryannic". Der Start für die Vereinsarbeit war damit Anfang 2017 gegeben.

Das Wissen verbreiten

Patrick Pilz ist Mitinitiator des Vereins und wurde mit Yannic gemeinsam im Boot Junioren-Europameister. "Es sind auch immer Aktivitäten, die mit Yannic in Verbindung stehen. Er ist Rad gefahren und war Mitglied der Ruder-Nationalmannschaft. Bei vielen Events, an denen wir teilnehmen, war auch er früher mit von der Partie.“ Die Vereinsmitglieder verbindet der Spaß am (Leistungs-)Sport, bei Rad- und Ruderevents nehmen sie als Verein teil.

Als Trauerverein sehen sie sich aber nicht, vielmehr soll über die gemeinsame Leidenschaft am Sport die Nachricht nach außen getragen werden. Der Verein führt Sportler und Unterstützer zusammen, um gemeinsam Aktivitäten unter der Prämisse von Gesundheit und Spaß auszuüben.  

Laut Studien leiden in Deutschland über 4 Millionen Menschen an Depression, laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit etwa 350 Millionen. Dennoch steht die Krankheit unter einem gesellschaftlichen Stigma, wird oft verharmlost.

"Offen und ohne Angst über die Krankheit sprechen"

Über die sozialen Medien wie auch die vereinseigene Homepage wollen Patrick und seine Kollegen eine Plattform zur Aufklärung schaffen. Über die Teilnahme an verschiedenen Wettkämpfen machen sie auf ihren Verein und die Krankheit aufmerksam. Ziel ist es, den Austausch über Erlebnisse und Erfahrungen mit Lebenskrisen zu fördern und Hilfsangebote zu vermitteln.

Max Planer hat große Hoffnungen in den Verein: "Ich erhoffe mir, dass jeder Leistungssportler, der in irgendeiner Weise merkt, dass er Probleme hat, diese sich traut, anzusprechen." Und auch Patrick hofft: "Ich würde mir wünschen, dass zunächst einmal unser Kreis, der schon sehr im Ruder- und Radsport verankert ist, viel offener mit dem Thema umgeht. Wir wollen eine Plattform sein, wo man offen und ohne Angst über die Krankheit sprechen und sich auch informieren kann." Im kommenden Jahr wird er persönlich nach Südafrika reisen und als Teilnehmer für Wirfueryannic beim Cape Epic starten.

Thema in: Sportecho, WDR5, 16.12., ab 18 Uhr

Stand: 07.12.2017, 08:00

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