Boateng, Hummels, Özil, Müller - das EM-Zeugnis

Jerome Boateng und Mats Hummels

Das EM-Zeugnis für die deutsche Mannschaft

Boateng, Hummels, Özil, Müller - das EM-Zeugnis

Von Marcus Bark (Marseille)

Mesut Özil steigert sich im Lauf des Turniers zum besten Offensivspieler, die Innenverteidiger Jérôme Boateng und Mats Hummels überzeugen durchgehend. Thomas Müller rennt und rennt, aber enttäuscht. Das EM-Zeugnis für die deutsche Mannschaft.

Im größten deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen beginnen am Freitag (08.07.16) die Ferien. Die Zeugnisse werden mit den Noten von eins (sehr gut) bis sechs (ungenügend) ausgegeben. Beim EM-Zeugnis für die deutsche Nationalmannschaft passt sich sportschau.de den Gepflogenheiten des Gastgeberlandes an. Die bedeutende Sportzeitung L'Équipe vergibt Noten von 1 (furchtbar schwach) bis 10 (perfekt). Als Maßstab sollen die Noten gelten, die L’Équipe für das Halbfinale an Thomas Müller (3) und Antoine Griezmann (9) vergab.

Manuel Neuer: War es jetzt ein Torwartfehler vor dem 0:2, als Neuer sich streckte und Griezmann den Ball vor die Füße lenkte? Ja, vielleicht, eher nicht. Wenn, dann wäre es ein Fehler in sechs Spielen gewesen, dafür viele starke Aktionen und der neuerliche Beweis, dass er der Konstanteste von denen ist, die zu den besten der Welt gezählt werden. Note: 8

Benedikt Höwedes: Solide bis gut in den Zweikämpfen, eine Rettung gegen Giroud im Halbfinale, die im Fall des Sieges gegen Frankreich zu einem Renner im Internet geworden wäre. Aber da waren auch Mängel in der Vorwärtsbewegung als Außenverteidiger, Mängel in der Spieleröffnung und ein riskanter Pass im Halbfinale, der dem 0:2 vorausging. Note: 5

Mats Hummels: Der Konjunktiv ist der Lieblingsfall im Fußball. Für Hummels gilt: Wäre er im Halbfinale dabeigewesen, hätte Deutschland aufgrund der besseren Aufteilung in der Spieleröffnung mit Boateng bessere Chancen gehabt. Nahezu fehlerfrei bei seinen Einsätzen in der Defensive. Note: 8

Jérôme Boateng: Der Boss. Ohne den verschuldeten Elfmeter gegen Italien und den krassen Fehler gegen Frankreich vor Höwedes’ Rettungstat wäre es eine 9 gewesen, so bleibt es eine außergewöhnliche Leistung. Note: 8

Jerome Boateng

Jerome Boateng

Shkodran Mustafi: Ein Fehler, ein Tor gegen die Ukraine, danach nur noch sporadisch im Einsatz und nur noch sporadisch auffällig. An die Klasse eines Boateng oder Hummels reicht er nicht heran, an die eines Höwedes schon. Note: 5

Jonas Hector: Solide ist sein zweiter Vorname. Sternstunde gegen Italien dank seiner Vorlage zum Tor von Özil und des entscheidenden Elfmeters. Als es gegen Frankreich besserer Flanken bedurft hätte, stieß Hector an seine Grenzen. Note: 5

Joshua Kimmich: Wenn es aufs höchste Niveau geht, passieren ihm Fehler. Das war gegen Italien und Frankreich zu sehen. Dennoch eine gute Lösung auf der rechten Seite, ob im Mittelfeld oder als Verteidiger. Note: 6

Toni Kroos: Taktstock mit Auge, Hirn und feinem Fuß. Es fehlte die Torgefahr, aber trotzdem kommt er auf eine Stufe mit den Besten in der deutschen Mannschaft. Note: 8

Sami Khedira: Wieder mal verletzt, als es ganz wichtig wurde. Zuvor mit stetiger Steigerung und auf dem Weg, perfekter Partner für den dominierenden Verbindungsspieler Kroos zu sein. Note: 7

Bastian Schweinsteiger: Aller Ehren wert, wie der Kapitän es gegen alle Zweifel geschafft hat, in die Startelf zu rutschen und zu einem wichtigen Faktor im deutschen Spiel zu werden. Das Handspiel gegen Frankreich muss Abzüge geben. Note: 7

Bastian Schweinsteiger

Bastian Schweinsteiger

Emre Can: Gegen Frankreich als "Achter" in der Startelf. Brachte dort seine Stärke, die Dynamik ein, aber eben nicht entscheidend. Rechtfertigte die Aufstellung und bleibt ein sicherer Kandidat für die Zukunft. Note: 6

Mesut Özil: Der Turnierspieler in einer Turniermannschaft. Als es gegen die starken Gegner in den K.o.-Spielen ging, war er da, gewann Zweikämpfe in Offensive und Defensive, suchte Dribblings und setzte die Gegner ein. Gegen Italien gelang sogar ein Tor. Note: 8

Julian Draxler: Er hat die komplette Bandbreite drauf. Gegen die Slowakei sein bestes Länderspiel, aber auch wieder Leistungen unter dem Radar. Note: 6

André Schürrle: Wurde zunächst regelmäßig eingewechselt mit wenig Wirkung. Später blieb er dann ganz auf der Bank, obwohl die Offensive einen Schub hätte gebrauchen können. Note: 4

Leroy Sané: Ein paar Minuten mehr gegen Frankreich bei aussichtsreicherer Ausgangslage wären spannend gewesen. So blieb ihm nur, nur zu versuchen, was seine Stärke ist: das Dribbling. Kaum seriös zu benoten. Note: 5

Thomas Müller: Er muss sich an den höchsten Ansprüchen messen lassen. Daher ist er die größte Enttäuschung der EM. Vermutlich steckt er doch nicht alles so locker weg, wie er selbst und die Verantwortlichen glauben machen wollten. Bemüht, aber wirkungslos, ganz besonders gegen Frankreich. Note: 4

Thomas Müller

Thomas Müller

Lukas Podolski: Hatte gegen die Slowakei seinen Spaß, als ihn die Zuschauer feierten und er mit den Zuschauern feierte. War außerhalb des Platzes ein weit wichtigerer Faktor. Lukas Podolski will weitermachen. Ob das sportlich sinnvoll ist, kann aufgrund der Turnierleistungen keiner beurteilen. Note: 5

Mario Götze: Anspruch, Können, Wirklichkeit. Es klafft einfach zu weit auseinander. Nach einer schwierigen Saison fast folgerichtig auf der ständigen Suche nach der Form. Note: 4

Mario Gomez: Da ist er wieder, der Konjunktiv. War im Halbfinale verletzt, darunter litt das Spiel enorm, was schon allein für den Stürmer spricht. Außerdem gelangen ihm zwei Tore und ein genialer Pass vor dem 1:0 gegen Italien. Note: 8

Mario Gomez

Mario Gomez

Bernd Leno, Marc-André ter Stegen, Jonathan Tah und Julian Weigl blieben stets auf der Bank und erhalten daher keine Note.

Stand: 08.07.2016, 11:47

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