Andres Iniesta - Der Bonbonverteiler liefert noch

Spanien - Türkei

Andres Iniesta - Der Bonbonverteiler liefert noch

Von Christian Steigels

Beim spanischen WM-Desaster in Brasilien galt Spaniens Spielmacher Andres Iniesta als Symbol für das Ende einer Ära. Zwei Jahre später ist er der große Hoffnungsträger auf dem Weg zum EM-Hattrick.

Nach dem Auftaktspiel waren sie ein wenig verwundert im spanischen Lager. In der Elf des Spieltags standen nach dem 1:0 gegen die Tschechen die Verteidiger Jordi Alba, Juanfran undGerard Piqué. Der überragende Stratege, Andrés Iniesta, fehlte dagegen. "Für mich müsste er dabei sein. Aber unabhängig davon ist er sehr wichtig für uns", sagte Kollege Alba dazu wenige Tage später im Trainingslager.

Iniesta selbst dürfte die fehlende Nominierung herzlich egal gewesen sein. Wo andere durch ihre Sprüche und ihr extrovertiertes Äußeres auffallen, ist er fast unsichtbar. Auf dem Platz ist der Spielmacher ein Riese. Noch immer. "Er ist fundamental für uns. Seine Möglichkeiten, den Gegner zu destabilisieren, sind unglaublich", sagt Sergio Busquets. Und fügt dann noch fast schon ungläubig hinzu: "Die Jahre ziehen ins Land und er wird einfach immer besser."

Fixpunkt des spanischen Spiels

Die kleine Passmaschine vom FC Barcelona ist in der Tat ein Phänomen. Noch beim WM-Desaster in Brasilien galt Spaniens Spielmacher als Symbol für das Ende einer Goldenen Ära. Nun, zwei Jahre später, ist er nach einer überragenden Saison beim FC Barcelona der große Hoffnungsträger auf dem Weg zum ersehnten EM-Hattrick.

Der blasse Mann mit den deutlich angegrauten Haarstoppeln ist der Fixpunkt des spanischen Spiels. Schon beim mühsamen WM-Auftakt gegen Tschechien (1:0) war es die Magie des schüchternen Dirigenten, die den Unterschied ausmachte. Iniesta war Motor und Taktgeber zugleich, spielte eine nahezu fehlerfreie Partie. 86 von 95 Zuspielen Iniestas kamen an, 91 Prozent. Iniesta machte seinem Spitznamen "Bonbonverteiler" alle Ehre.

"Es ist ein Privileg, mit ihm zusammenzuspielen"

Fast zwangsläufig war es seine Flanke, die Gerard Pique zum Tor des Tages nutzte. "Er ist einer der größten Fußballer der Geschichte", sagte Tschechiens Keeper Petr Cech fast ehrfürchtig. Und Mitspieler David Silva schwärmte von einem "Spektakel. Es ist ein Privileg, mit ihm zusammenzuspielen." Iniesta selbst sagt:  "Ich versuche immer, Verantwortung zu übernehmen. Das ist meine Art, Fußball zu spielen", sagte der 32-Jährige.

Im Alter von zwölf Jahren kam Iniesta, nach dem in seinem Heimatdorf Fuentealbilla eine Straße benannt ist, auf die legendäre Jugendakademie "La Masia" des FC Barcelona. Nur sechs Jahre später debütierte er 2002 unter Trainer Louis van Gaal in der ersten Mannschaft der Katalanen. Mittlerweile hat Iniesta vier Mal die Champions League gewonnen, er wurde acht Mal spanischer Meister und holte vier Mal den nationalen Pokal.

Selbst Real-Fans haben Respekt

In der Nationalmannschaft gehört er zur Goldenen Generation, die 2008 die Vorherrschaft über den europäischen Fußball übernommen hat. Die Wertschätzung für den 32-Jährigen zeigt sich auch in einem ganz besonderen Umstand: Der Spielmacher vom FC Barcelona ist der einzige, dem die Real-Fans bei Liga-Spielen im Bernabeu-Stadion von Madrid applaudieren.

Mit dem dritten EM-Titel in Serie könnte sich auch Iniesta endgültig unsterblich machen. Erst einmal geht es aber im zweiten Gruppenspiel gegen die Türkei. Vielleicht reicht es diesmal ja zur Nominierung für die Elf des Spieltags.

Stand: 17.06.2016, 07:48

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