EM 2020 - Aserbaidschans Imagekampagne

EURO-Spielszene Albanien - Schweiz

Das Regime und der Hochglanzsport

EM 2020 - Aserbaidschans Imagekampagne

Von Chaled Nahar (Paris)

Die EM in Frankreich geht zu Ende, die UEFA blickt voraus auf das kommende Turnier 2020 - und sieht sich unangenehmen Fragen nach Menschenrechtsverletzungen gegenüber. Denn einige Spiele werden in Aserbaidschan stattfinden - was der Europa-Verband aber offenbar für unproblematisch hält.

Der Schriftzug leuchtet bei jedem Spiel der EM auf der Bande - "Energy of Azerbaijan". Die UEFA bekommt eine Menge Geld aus Aserbaidschan, denn die "State Oil of Azerbaijan Republic" (Socar) ist einer der Sponsoren des Turniers. Socar ist ein staatliches Erdöl- und Gasunternehmen Aserbaidschans, das mit harter Hand von Machthaber Ilham Alijew geführt wird.

UEFA-Generalsekretär: "Es geht nur um Fußball"

Dass Aserbaidschan als Sponsor bei der EM 2016 auftritt, kommt nicht von ungefähr. Denn im Jahr 2020 ist das Land - zumindest teilweise - Gastgeber. Bei der europäischen EM, die über das UEFA-Gebiet verstreut stattfindet, hat auch das in Asien liegende UEFA-Mitglied Aserbaidschan Spiele erhalten, nach bisherigen Planungen ein Viertelfinale und drei Gruppenspiele.

"Aserbaidschan hat gerade ein sportliches Großereignis ausgerichtet", sagt Theodore Theodoridis, der zurzeit bis zur Findung eines neuen Präsidenten als UEFA-Generalsekretär interimsweise das Machtvakuum ausfüllt. "Alles andere kommentiere ich nicht, für uns geht es nur um Fußball."

Hochglanzsport hilft einem Regime der Unterdrückung

Das Regime von Alijew sucht mit Sport die Aufmerksamkeit. Die Europaspiele, eine neu eingeführte Sportveranstaltung des Europäischen Olympischen Komitees, fand dort statt. Zuletzt gab es ein Formel-1-Rennen in der Hauptstadt Baku, wo 2016 also auch vier EM-Spiele stattfinden wollen. Beim Champions-League-Finalisten Atletico Madrid ist das Land sogar Trikotsponsor. Mit den sportlichen Hochglanzwettbewerben will sich die umstrittene Führung des Landes im Westen salonfähiger machen.

Das hat seinen Grund. Denn immer wieder werden Menschenrechtsverletzungen aus dem Land gemeldet. Human Rights Watch (HRW) forderte erst am 7. Juni 2016, dass deutsche Politiker die Freilassung "willkürlich inhaftierter Regierungskritiker und Aktivisten" bei Alijews Besuch in Berlin einfordern sollten.

HRW berichtet weiter, dass aserbaidschanische Behörden seit März zwar 17 Menschenrechtsverteidiger, Journalisten und Aktivisten freigelassen hätten, darunter die Investigativjournalistin Khadija Ismayilova. Doch viele der Freigelassenen müssten weiter mit scharfen Restriktionen leben, einige gerieten demnach erneut in Haft. Seit 2013 sind laut HRW Dutzende Menschen aus politischen Gründen verhaftet und inhaftiert worden, andere seien aus dem Land geflohen oder hätten untertauchen müssen.

Das Thema könnte für die UEFA noch unangenehm werden

Doch Westeuropa könnte künftig von Energielieferungen aus dem Land profitieren, und Socar ist am Bau einer großen Gasleistung nach Europa beteiligt. Und die UEFA nimmt zu diesem Thema keine Stellung, der EM-Sommer in Frankreich ist auch eine große Imagekampagne für Aserbaidschan. Je näher die EM 2020 jedoch rückt, desto mehr könnte Aserbaidschan für die UEFA ein zumindest ähnlich unangenehmes Thema werden wie Katar für die FIFA.

Stand: 08.07.2016, 18:00

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