UEFA feiert hohen Gewinn - und denkt an Platini

Französische Fans

Pressekonferenz zum Abschluss des Turniers

UEFA feiert hohen Gewinn - und denkt an Platini

Von Chaled Nahar (Paris)

Die UEFA zieht ein positives Fazit zur EM in Frankreich, vor allem finanziell. Über die Kritik am Format und an den Ausschreitungen wolle man nachdenken. Die Verantwortlichen leiden bei einem offiziellen Termin vor allem mit einem Mann: Michel Platini.

Ángel María Villar Llona dankte vielen Menschen: Freiwilligen, Organisatoren, Spielern - und einem Mann. "Vielen Dank an Michel Platini", sagte der UEFA-Vizepräsidenten über den bisherigen Präsidenten des Kontinentalverbandes. "Er kann stolz sein, wir sind in Gedanken bei ihm." Das klingt, als ob Platini etwas Schlimmes zugestoßen wäre.

Platini blieb den Spielen bislang fern

Doch Platini ist nicht mehr Präsident der UEFA und bei dieser EM in seiner Heimat nicht anwesend, weil er von der Ethikkommission des Weltverbandes FIFA ebenso wie der frühere FIFA-Präsident Joseph Blatter im Dezember vergangenen Jahres gesperrt worden war. Hintergrund ist eine dubiose Zahlung in Höhe von zwei Millionen Franken von Blatter an Platini im Jahr 2011, die mit einem mündlichen Vertrag legitimiert worden war. Villar Llona, der selbst häufig im Dunstkreis von Korruptionsverdächtigungen genannt wird, schien bei der Abschlusspressekonferenz der UEFA zur EM 2016 den Tränen nah.

Platini dürfte trotz seiner Sperre die Stadien betreten, auf Einladung sei das möglich, so die Ethikkommission. Er dürfe nur keine offiziellen Funktionen ausüben. "Er hat bisher kein Interesse gezeigt" sagte UEFA-Generalsekretär Theodore Theodoridis, der Platinis Platz interimsweise eingenommen hat. "Ich hoffe, er entscheidet sich um. Ohne seine Vision und seine Unterstützung wäre dieses Turnier nicht möglich gewesen."

Platinis Erbe: 830 Millionen Gewinn

Die Dankbarkeit kommt nicht von ungefähr. Denn die EM 2016 war zumindest finanziell ein Riesenerfolg. Nach bisherigen Schätzungen der UEFA vor dem Finale beliefen sich die Einnahmen auf 1,93 Milliarden Euro (v.a. TV-Rechte, Sponsoring und Eintrittskarten), das ist nach Angaben des Verbands eine Steigerung von 34 Prozent im Vergleich zum Turnier 2012.

Nach dem Abzug von 1,1 Milliarden Kosten (v.a. Veranstaltungskosten sowie Verteilung von Geld an Verbände und Klubs) bleibt ein hoher Gewinn von 830 Millionen. Davon sollen 600 Millionen an alle 55 UEFA-Verbände fließen.

In der Kritik: Das Format

Eine schlechte Erinnerung an das Turnier bleiben die Ausschreitungen zu Beginn bei denen russische, deutsche, ungarische oder kroatische Fans für viel Ärger sorgten. UEFA-Wettbewerbsdirektor Giorgio Marchetti stellte in Aussicht, über einen flexibleren Umgang mit den Anstoßzeiten nachzudenken. Bis 21 Uhr hätten viele Fans zu viel Alkohol zu sich nehmen können. Ansonsten habe man darauf aber wenig Einfluss als UEFA.

Die meisten Fragen drehten sich bei der Pressekonferenz zum Abschluss des Turniers aber um das Format. 24 Mannschaften bereiteten in vielfacher Hinsicht Schwierigkeiten: Der Modus mit den besten Gruppendritten war kompliziert, es gab für einige Teams sehr lange Spielpausen und eine Runde mehr bedeutete für viele Spitzenspieler eine zusätzliche Belastung.

Das Turnier 2020, das auf dem gesamten UEFA-Gebiet verstreut stattfinden wird, sei derzeit für 24 Mannschaften geplant. Man wolle die Kritik am Format "genau analysieren", sagt Generalsekretär Theodoridis. Denn ein zu großer Wettbewerb würde den Qualifikationswettbewerb unattraktiv machen. "Wir müssen abwägen." Wettbewerbsdirektor Marchetti fügte an, dass die Niederlande es auch im Format mit 24 Teams nicht geschafft hätten, was ein Zeichen für einen funktionierenden Wettbewerb sei. Aussagen, die auf denselben Modus auch im Jahr 2020 schließen lassen.

Stand: 08.07.2016, 19:00

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