Portugal ist zum ersten Mal Europameister

UEFA Euro 2016, Finale: Portugal - Frankreich 1:0 n.V.

Portugal ist zum ersten Mal Europameister

Von Jörg Strohschein

Portugal hat erstmals in der Geschichte den EM-Titel gewonnen. Angreifer Éder erzielte den entscheidenden Treffer des Abends, der ganz Portugal jubeln und die Franzosen trauern lässt.

Schon einige Minuten vor dem Abpfiff saß Portugals Superstar Cristiano Ronaldo auf der Auswechselbank im Stade de France in Paris und schämte sich seiner Tränen nicht. Er, der eigentlich das portugiesische Versprechen auf diesen EM-Titel war, konnte nur von der Außenlinie aus mitansehen, wie seine Kollegen diese Partie für sich entschieden und erstmals den EM-Titel nach Portugal holten. Am Ende der Verlängerung stand es 1:0 für Portugal gegen Frankreich.

Cristiano Ronaldo feiert den EM-Gewinn

Und der portugiesische Held des Abends war Stürmer Éder, der nach 109 Minuten mit einem Distanzschuss den entscheidenden Treffer erzielte. An diesem besonderen Abend dürfte aber selbst Ronaldo, der noch während der ersten Hälfte verletzt ausgewechselt werden musste, damit leben können, dass ausnahmsweise nicht ausschließlich er im Rampenlicht steht. "Das war wahnsinnnig beeindruckend, was uns da gelungen ist. Wir haben unglaublich viel Kraft in dieses Spiel gesteckt. Wir waren der glückliche, aber am Ende auch der verdiente Gewinner", sagte der glückliche Torschütze.

Traurige Franzosen

Und während die Portugiesen ihr Glück nicht fassen konnten, konnten es die Franzosen nicht glauben, dass sie diese Partie trotz langer Zeit großer Überlegenheit verloren hatten. "Es hat ein wenig an der Frische gefehlt. Am Ende liegt es an den Kleinigkeiten. Wir hatten die besseren Chancen, aber sie haben getroffen. Es war eine einmalige, große Chance, Europameister zu werden. die Enttäuschung ist riesig", sagte Frankreich-Trainer Didier Deschamps.

Allerdings sagen die Packing-Daten aus, dass die Partie trotz optischer Überlegenheit der Franzosen nahezu ausgeglichen war. Während die Portugiesen 348 Gegner und 43 Verteidiger überspielten, waren es bei den Franzosen 375 überspielte Gegner und 44 überspielte Verteidiger.

Nani hat die erste Torchance

Beide Mannschaften standen von Beginn an unter enorm großer Anspannung. Die Spieler beider Teams leisteten sich in den ersten Minuten enorm viele Abspielfehler, vor allem die Portugiesen hatten ihre Nerven scheinbar kaum im Griff. Die jeweiligen Konzepte der Teams waren aufgrund der Nervosität in dieser frühen Anfangsphase nicht erkennbar.

Der Nutznießer dieser gegenseitigen Konfusion hätten nach vier Minuten dennoch Portugals Nani sein können: Nach einem langen Ball aus dem Mittelfeld tauchte der Angreifer plötzlich frei vor dem französischen Tor auf, sein Schuss aus zwölf Metern war allerdings viel zu ungenau.

Harte Gangart der Franzosen

Die Franzosen wirkten nach diesem Fehlschuss des Gegners aber plötzlich wacher und konzentrierter - und sie setzten ihren Gegner dauerhaft unter Druck.

Vor allem gingen sie von nun an (zu) aggressiv zu Werke: Dimitri Payet zeigte bei einem Zweikampf mit Ronaldo nach acht Minuten keinerlei Rücksicht, zog voll durch und verletzte den portugiesischen Superstar am linken Knie - was sich einige Minuten später als folgenschwer erweisen sollte.

Als Ronaldo nach einer ersten Behandlung auf den Feld wieder aufgestanden war, aber noch stark humpelte, hatte Frankreichs Antoine Griezmann die Chance zur Führung. Nach einem Ballverlust von Abwehrchef Pepe in der eigenen Hälfte flankte Dimitri Payet auf den Angreifer, dessen Kopfball Torhüter Rui Patrício aber über die Querlatte lenkte.

Ronaldo muss verletzt ausgewechselt werden

In der Folge bestimmte die Mannschaft von Didier Deschamps die Partie, auch weil Ronaldo kaum noch in der Lage war, daran teilzunehmen. Der 31-Jährige versuchte irgendwie in diesem Spiel zu bleiben, aber sein Knie war zu lädiert, so dass die Portugiesen nach 26 Minuten auswechseln und ohne ihren besten Spieler auskommen mussten. Für Ronaldo kam Ricardo Quaresma.

Im Anschluss zogen sich die Portugiesen weiter zurück und überließen den Franzosen das Feld. Vor allem Moussa Sissoko trieb das Spiel der "Equipe Tricolore" mehrfach dynamisch an, der Mittelfeldspieler kam auch zweimal zum Abschluss, konnte den Ball aber nicht an Torhüter Patrício vorbeibringen. Die wenigen Angriffsversuche der Portugiesen in der ersten Hälfte wirkten dagegen wenig zielstrebig.

Kaum noch Risiko

Mit Beginn der zweiten Hälfte flachte die Partie deutlich ab. Die Portugiesen, die von einem 4-4-2-System auf ein defensiveres 4-1-4-1 umgestellt hatten, versuchten, das Tempo der Partie möglichst gering zu halten. Und die Franzosen? Die scheuten ebenfalls das Risiko. Und so neutralisierten sich die Teams über weite Strecken. Bis auf ein paar ungefährliche Torannäherungen auf beiden Seiten wurden die 75.868 Zuschauer nur unzureichend unterhalten.

Bis zur nächsten Tormöglichkeit dauerte es bis zur 65. Minute. Die hatte es allerdings in sich. Der kurz zuvor eingewechselte Kingsley Coman flankte von der linken Seite, Griezmanns Kopfball aus sieben Metern Entfernung strich nur hauchzart über die Querlatte des portugiesischen Tores.

Gignac trifft nur den Pfosten

Zehn Minuten später war es erneut der quirlige Coman, der die nächste Möglichkeit der Franzosen mit einem geschickten Pass in die Tiefe vorbereitete. Olivier Giroud scheiterte aber an Torhüter Patrício.

Auch die Portugiesen versuchten es noch einmal mit einem Torschuss: Ronaldo-Ersatz Quaresma versuchte es nach 79 Minuten mit einem Fallrückzieher, aber Torhüter Hugo Lloris konnte den Ball fangen. Bei Teams zeichneten sich in den letzten Minuten der regulären Spielzeit erneut durch Risikovermeidung aus, ehe der für Giroud eingewechselte André-Pierre Gignac die Entscheidung doch noch auf dem Fuß hatte. Aber der Angreifer schoss den Ball aus kurzer Distanz, in der zweiten Minute der Nachspielzeit, lediglich gegen den Torpfosten. Beide Teams mussten in die Verlängerung.

Éder mit der Entscheidung

Das Tempo in der ersten Hälfte der Verlängerung passte sich nahtlos den vorangegangenen beiden Halbzeiten an. Die Franzosen hatten zwar mehr Ballbesitz, strahlten aber keinerlei Torgefahr aus. Die Portugiesen konzentrierten sich weiterhin in erster Linie darauf, das eigene Tor zu verteidigen. Allerdings hatte der eingewechselte Angreifer Éder nach einem Eckball nach 104 Minuten eine gute Kopfballmöglichkeit, aber Lloris konnte gerade noch parieren.

Glück hatten die Franzosen noch, dass Portugals Verteidiger Raphael Guerreiro zu Beginn der zweiten Hälfte einen Freistoß aus 20 Metern nur gegen die Querlatte schoss. Aber: Nur eine Minute später war es dann Éder, der aus rund 25 Metern den Ball nach einer Energieleistung zur Entscheidung ins Tor der Franzosen wuchtete.

Fußball · Europameisterschaft 2016

Sonntag, 10.07.2016 | 21.00 Uhr

Portugal

Patricio – Soares, Pepe, Fonte, Guerreiro – W. Carvalho – Sanches (79. Éder), A. Silva (66. Moutinho), Mário – Nani, Cristiano Ronaldo (25. Ricardo Quaresma)

1

Frankreich

Lloris – Sagna, Koscielny, Umtiti, Evra – Pogba, Matuidi – Sissoko (110. Martial), Griezmann, Payet (58. Coman) – Giroud (78. Gignac)

0

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 Éder (109.)

Strafen:

  • gelbe Karte Soares (1 )
  • gelbe Karte Mário (1 )
  • gelbe Karte Umtiti (2 )
  • gelbe Karte Guerreiro (1 )
  • gelbe Karte Matuidi (1 )
  • gelbe Karte W. Carvalho (3 )
  • gelbe Karte Koscielny (2 )
  • gelbe Karte Pogba (1 )
  • gelbe Karte Fonte (1 )
  • gelbe Karte Patricio (1 )

Zuschauer:

  • 75868

Schiedsrichter:

  • Mark Clattenburg (England)

Stand: Sonntag, 10.07.2016, 23:39 Uhr

Wappen Portugal

Portugal

Wappen Frankreich

Frankreich

Tore 1 0
Schüsse aufs Tor 3 7
Ecken 5 9
Abseits 1 2
gewonnene Zweikämpfe 91 109
verlorene Zweikämpfe 109 91
gewonnene Zweikämpfe 45,5 % 54,5 %
Fouls 12 12
Ballkontakte 764 919
Ballbesitz 45,4 % 54,6 %
Laufdistanz 0 km 0 km
Sprints 0 0
Fehlpässe 65 60
Passquote 86,95 % 90,65 %
Flanken 11 26
Alter im Durchschnitt 27,7 Jahre 27,6 Jahre

Stand: 10.07.2016, 23:30

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