150 organisierte russische Hooligans in Marseille beteiligt

Neue Erkenntnisse nach den EM-Randalen

150 organisierte russische Hooligans in Marseille beteiligt

Sie waren vorbereitet und gewaltbereit: Rund 150 russische Hooligans wollten in Marseille gezielt Randale stiften. Kein Einziger von ihnen konnte verhaftet werden. Rund um das Spiel England-Russland wurden mindestens 35 Menschen verletzt.

Etwa 150 russische Hooligans waren an den Ausschreitungen zwischen Fangruppen in Marseille beteiligt. "Sie sind gekommen, um sich zu schlagen", sagte Staatsanwalt Brice Robin über die "extrem trainierten" Fußballanhänger. Die Polizei konnte keinen von ihnen festnehmen. Sie hätten extrem schnell gehandelt und seien dann wieder verschwunden, sagte Robin. Nun werden Videoaufnahmen ausgewertet, um die Gewalttäter doch noch zu identifizieren.

Die Ausschreitungen hatten sich rund um das EM-Spiel zwischen England und Russland ereignet. Noch am Montag (13.06.16) sollten zehn Verdächtige vor Gericht kommen - sechs Briten, drei Franzosen und ein Österreicher. Insgesamt waren 20 mutmaßliche Randalierer festgenommen worden - auch ein Deutscher.

Vor allem Engländer verletzt

Bei den gewalttätigen Auseinandersetzungen wurden mindestens 35 Menschen verletzt, vier davon schwer, ein weiterer Mensch schwebte am Montagnachmittag noch in Lebensgefahr. Beim überwiegenden Teil der Verletzten handelt es sich Robin zufolge um Engländer. Die Szenen aus Marseille hatten Sorgen vor weiteren Ausschreitungen bei der Europameisterschaft und auch Kritik an der Arbeit der französischen Sicherheitsbehörden ausgelöst.

"Überfall eines paramilitärischen Kommandos"

Der Historiker Sébastien Louis, ein französischer Experte für Gewaltfans, der die Vorfälle in Marseille beobachtete, beschrieb das Vorgehen russischer Hooligans als "Überfall eines paramilitärischen Kommandos".

Organisiert und aggressiv

Der Chef der britischen Polizeidelegation bei der EM, Mark Roberts, sagte, die russischen Hooligans seien hoch organisiert und aggressiv. "Unsere Spotter in Marseille haben gesehen, wie sie Mundschutze, Kampfsport-Handschuhe und Tücher anlegten, bevor sie englische Fans im Hafen angriffen", erzählte Roberts dem "Guardian". Es sei allerdings auch eine kleine Minderheit englischer Fans nach Marseille gekommen, um Ärger zu machen. Spotter sind Beamte, die nach Gewalttätern Ausschau halten.

Verhöre, Ausweisungen, Einreiseverbote

Nach Angaben des Pariser Innenministeriums wurden von Freitag bis Sonntagabend in Frankreich 116 Menschen im Zusammhang mit Fußball-Randalen vorläufig festgenommen. 63 von ihnen mussten für Verhöre in Polizeigewahrsam bleiben. Drei gewalttätige Fans seien ausgewiesen worden, fünf weiteren seien Einreiseverbote ausgesprochen worden.

Alkoholverkauf eingeschränkt

Um weitere Krawalle zu vermeiden setzen die Städte Lyon und Toulouse nun auf Einschränkungen beim Verkauf von Alkohol. Die jeweils zuständigen Präfekten verboten es, Fans Alkohol zum Mitnehmen zu verkaufen. Innenminister Bernard Cazeneuve hatte die örtlichen Behörden nach den Gewaltszenen von Marseille aufgefordert, in "sensiblen Bereichen" Alkoholverbote zu verhängen.

dpa | Stand: 13.06.2016, 16:19

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