Wales - Große Zukunft nach geplatztem Traum

Die walisischen Spieler um Gareth Bale (vorne) verabschieden sich applaudierend von ihren Anhängern

Nach Wales' Aus im EM-Halbfinale gegen Portugal

Wales - Große Zukunft nach geplatztem Traum

Von Chaled Nahar (Lyon)

Der Schmerz über die verpasste Überraschung ist groß bei Wales. Trainer Chris Coleman fallen die tröstenden Worte schwer - doch er sieht sein Team schon vor neuen großen Taten.

Das Stadion war an allen anderen Stellen schon fast leer, während im Block der walisischen Fans noch niemand gegangen zu sein schien. Die Spieler standen vor ihren Anhängern und klatschten. "Don't take me home, please don't take me home" - die Fans aus Wales sangen immer wieder eine der Hymnen dieses Turniers. Doch jetzt geht es nach Hause, und es tut weh. "Alle in Wales sind stolz auf die Spieler, ich bin stolz auf die Spieler. Und wenn sie in ein paar Tagen zurückblicken, werden sie auch stolz auf sich sein", sagt Trainer Chris Coleman. Dennoch ist die Enttäuschung groß. Auch er gibt zu, wie schmerzhaft diese Niederlage war: "Wir haben nicht bekommen, was wir wollten."

Die Hoffnung zerbricht

Ein merkwürdiger Turnierverlauf hatte Wales in dieses Halbfinale gespült. Die "Dragons" hatten nicht die schwerste Gruppe, kamen mit guten Leistungen weiter. Gegen Nordirland überstand die Mannschaft nur mit etwas Glück das Achtelfinale - und mit dem Sieg gegen Belgien keimte die Hoffnung auf, dass sie tatsächlich das ganz große Ding drehen könnten: Wales im Finale.

Doch Portugal zeigte den vor allem in der zweiten Hälfte chancenlosen Walisern teils brutal die Grenzen auf - und bewies nebenbei, wie schwach Belgien im Viertelfinale wirklich gewesen war. Die Hoffnung zerbrach innerhalb weniger Minuten. Der walisische Verband twitterte Liedzeilen von John Lennons "God" mit dem Schluss: "Der Traum ist vorbei."

Ohne Ramsey vorne nur die Hälfte wert

"Das erste Tor war entscheidend", sagt Coleman, "es war ein enges Spiel bis dahin." Dann aber kamen die 50. und die 53. Minute, in denen Portugal mit zwei Toren alle Hoffnungen der Waliser zerbrechen ließ. "Wir haben die Konzentration für fünf Minuten verloren", sagt Coleman zur entscheidenden Phase. Und bei dieser Qualität werde man bestraft.

Eine Qualität, mit der Wales zu kaum einer Phase des Spiels wirklich mithalten konnte. Einzelaktionen von Gareth Bale blieben die einzigen echten Versuche nach vorne. Ansonsten war die Offensive der Waliser ohne den gelbgesperrten Aaron Ramsey nur die Hälfte wert. "Jede Mannschaft hätte Ramsey vermisst", sagt Coleman. Ein Spieler wie Ramsey ist schwer zu ersetzen, erst Recht für Wales.

Coleman zeichnet große Zukunft

Doch der Auftritt der Mannschaft bei diesem Turnier stellt laut Coleman neue Großtaten seiner Spieler in Aussicht. Er, der selbst schon fast als Trainer gescheitert war, sorgte mit Wales für eine der größten Überraschungen im europäischen Fußball seit Griechenlands EM-Sieg 2004. "Wir haben heute den Kürzeren gezogen, und das wird nicht zum letzten Mal passiert sein", sagt er und zeichnet zugleich eine hoffnungsvolle Zukunft. "Aber wir werden hungrig in die WM-Qualifikation gehen. Diese Spieler werden noch lange für die Mannschaft spielen, wenn ich mal weg bin."

Stand: 07.07.2016, 09:00

Darstellung: