Portugals defensiver Plan geht auf

Die Portugiesen (v.l.) Andres Gomes, Raphael Guerreiro und Nani im Duell mit dem Waliser Jonathan Williams (2.v.r.)

Portugiesischer Sieg im EM-Halbfinale gegen Wales

Portugals defensiver Plan geht auf

Von Chaled Nahar (Lyon)

Portugal steht dank einer durchdachten Defensivstrategie im EM-Finale. Auf Frankreich oder Deutschland wartet eine unangenehme Aufgabe, denn die Tendenz geht nach dem Sieg gegen Wales wieder zu mehr Defensive.

Fernando Santos möchte sich nicht schämen. "Mir ist egal, ob es schön ist", sagt Portugals Trainer, "das Wichtigste ist, dass wir im Finale stehen." Das 2:0 gegen Wales im Halbfinale der EM war über weite Strecken erneut kein spielerisches Glanzlicht, aber die Mannschaft spielt am Sonntag (10.07.2016) im Endspiel gegen Frankreich oder Deutschland (21 Uhr, live im Ersten). Und das ist kein Zufall, sagt Santos: "Portugal hat immer einen Plan - immer."

Seine Pläne sind für die Mannschaft bislang alle aufgegangen. Portugal kam zwar nur als Gruppendritter weiter, brauchte Verlängerungen und Elfmeterschießen, um das Halbfinale zu erreichen. Dort bekam die Mannschaft mit Wales einen teils nervösen, teils unkonzentrierten Gegner vorgesetzt. Doch die Finalteilnahme ist das Ergebnis einer durchdachten defensiven Strategie.

Taktisch variabel

In den Partien gegen spielerisch vermeintlich unterlegene Mannschaften - also Island, Ungarn und nun Wales - wählte Trainer Fernando Santos stets ein zumindest verhalten offensives 4-1-3-2. Hinter Cristiano Ronaldo bildeten gegen Wales Renato Sanches, Adrien Silva und Joao Mario eine offensive Dreierreihe, hinter der Danilo absicherte. So kam Portugal häufig zum Abschluss, der Druck wirkte.

Dass Portugal in dieser Formation das Endspiel gegen Frankreich oder Deutschland am Sonntag in Saint-Denis angehen wird, ist allerdings nicht zu erwarten. Denn die Stärke Portugals liegt vor allem in seiner geordneten Defensive, die Santos gegen die als spielstark vermuteten Gegner verstärkte. Gegen Polen und Österreich ließ er ein 4-3-2-1 spielen, gegen Kroatien ein 4-4-2.

Das Mittelfeld ist taktisch also variabel. In jeder Formation wechseln die Spieler zudem häufig ihre Positionen, um Cristiano Ronaldo, Nani oder den immer stärker werdenden Renato Sanches in Position zu bringen. Diese Spieler können im Zusammenspiel und mit Einzelaktionen jederzeit eine Partie entscheiden. Doch in welcher Formation treten sie im Finale an?

Defensiv wird es Umstellungen geben

"Jeder Gegner ist anders", meint Santos vielsagend und kündigt damit praktisch an, dass die Mannschaft im Endspiel anders aussehen wird. Einige Wechsel drängen sich ohnehin auf. William Carvalho wird seinen Platz im defensiven Mittelfeld von Danilo wohl zurückbekommen. Bruno Alves war zudem nur ein Platzhalter für Pepe, dessen Einsatz im Halbfinale wegen muskulärer Probleme nicht möglich war. Eliseu, im Viertelfinale gegen Polen die Schwachstelle links in der Viererkette, hat seinen Platz derweil an Raphael Guerreiro verloren.

Santos' Ideen funktionierten bislang, offensiv wie defensiv. "Wir spielen nicht immer schönen Fußball", sagt er und erinnert wohlwollend an das so glanzlose 1:0 nach Verlängerung im Achtelfinale: "Aber unser Spiel gegen Kroatien war großartig. Ein strategisches Spiel!"

Gewinnen ist wichtig, nicht spielen

Nun steht Portugal dank Santos' Strategie erstmals seit der EM 2004 wieder in einem großen Finale. Santos erfüllt damit seine eigenen Vorgaben. Am 11. Oktober 2014 bestritt er sein erstes Spiel als Trainer Portugals - in Saint-Denis verlor die Selecao gegen Frankreich mit 1:2. "Vor zwei Jahren haben wir uns das Ziel gesetzt, zum Finale wieder hierhin zu kommen." Das haben sie nun geschafft, auf rauschende Fußballabende legt Santos es allerdings weiterhin nicht an: "Im Finale geht es nicht ums Spielen. Es geht ums Gewinnen."

Stand: 07.07.2016, 08:18

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