Joachim Löw ist die beste Mischung

 Joachim Löw

Kommentar zum Bundestrainer

Joachim Löw ist die beste Mischung

Von Marcus Bark (Marseille)

Joachim Löw hat sich im Vergleich zur Weltmeisterschaft gesteigert, auch wenn ihm bei der EM der Titel versagt blieb. Er sollte Bundestrainer bleiben, weil er fachlich gut ist und seinen Job mit einer Gelassenheit moderiert, die in dem aufgeregten Geschäft wohltuend ist. Der Kommentar.

Joachim Löw lässt seine Zukunft offen. Ja, das ist aus seiner Antwort auf die Frage zu schließen, was denn nun aus ihm wird nach dem Ausscheiden gegen Frankreich. Der Vertrag ist noch bis nach der Weltmeisterschaft 2018 in Russland gültig. Aber die Antwort könnte auch geheißen haben: "Ich habe einfach heute keine Lust darüber zu sprechen. Es ist jetzt gerade auch egal, was mit mit mir ist."

Diese Gelassenheit zeichnet den Bundestrainer seit Monaten aus, mit dem Titel von Rio hat Löw das Vertrauen gewonnen, dass er auf sich und seinen Stab hören sollte. Es wird schon richtig sein.

Löws Leistung war in Frankreich besser als in Brasilien

Löw ist Weltmeister geworden, obwohl er fast schon bockig die Viererkette mit vier Innenverteidigern durchzog, bis ihn eine Verletzung von Shkodran Mustafi nötigte, eine sehr nützliche Korrektur vorzunehmen und Philipp Lahm wieder Außenverteidiger spielen zu lassen.

Jahrelang imitierte Löw immer mal wieder den FC Bayern, ging so ein geringes Risiko ein, verrissen zu werden. Erst jetzt bei der EM emanzipierte er sich vollständig. Die Leistung des Bundestrainers war in Frankreich besser als in Brasilien, auch wenn die Ergebnisse das nicht zeigen. Die Anpassungen an den Gegner und die Erläuterungen machten Sinn, dank der erneuten Systemumstellung gegen Frankreich und einer guten personellen Wahl (Schweinsteiger als alleiniger "Sechser", Turnierneuling Emre Can als "Achter") spielte Deutschland eine herausragende erste Halbzeit im Halbfinale.

Dass ihm ein abschlussstarker Spieler fehlte, um diese Überlegenheit auf die Anzeigetafel zu bringen, darf Löw nicht angekreidet werden. Jede Nationalmannschaft hat die sogenannten Baustellen, bei Deutschland sind es der zentrale Stürmer (nach Mario Gomez kommt lange nichts) und die Außenverteidiger.

Richtung der deutschen Nationalmannschaft stimmt weiterhin

Löw malte das Spiel zu rosarot, denn es wurden gegen Frankreich Fehler gemacht, die auch deutlich hätten angesprochen werden können, aber ihn dafür nun zu verdammen, wäre weder gerecht noch zielführend.

Die Richtung der deutschen Nationalmannschaft stimmt weiterhin. Schwächen sind erkannt. Löw sprach sie sogar während des Turniers an, als er anmahnte, dass die Ausbildung in den Duellen eins gegen eins intensiviert werden müsse.

Es ist bemerkenswert, wie entspannt Löw einen der am heftigsten diskutierten und kritisierten Jobs in Deutschland moderiert, auch intern. Daher sollte er bei einem Glas Rotwein und einem Espresso entscheiden, weiterzumachen. Zumal eine Option fehlt, die sich als Nachfolger aufdrängt.

Stand: 08.07.2016, 12:29

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