Einzelkritik - Schweinsteiger souverän, Müller glücklos

Einzelkritik - Schweinsteiger souverän, Müller glücklos

Von Jens Mickler

Herausragend war niemand, richtig schwach spielte auch kein deutscher Spieler gegen Italien. Bastian Schweinsteiger fügte sich gut ein ins deutsche Spiel, Thomas Müller agierte einmal mehr glücklos.

Italien - Deutschland: Neuer

Manuel Neuer (Tor)
Die deutsche Nummer eins bekam zunächst nicht wirklich viel zu tun. Er erlaubte sich den einen oder anderen Ausflug aus dem Strafraum, was er zuvor im Turnier nicht machte. Neuer hatte Glück in der 44. Minute, als ein Ball von Sturaro - von Boateng noch abgefälscht - knapp sein Ziel verfehlte. Beim Elfmeter von Bonucci war er chancenlos. Sein erstes Gegentor nach 566 Länderspielminuten. Dann überragend beim Elfmeterschießen.

Manuel Neuer (Tor)
Die deutsche Nummer eins bekam zunächst nicht wirklich viel zu tun. Er erlaubte sich den einen oder anderen Ausflug aus dem Strafraum, was er zuvor im Turnier nicht machte. Neuer hatte Glück in der 44. Minute, als ein Ball von Sturaro - von Boateng noch abgefälscht - knapp sein Ziel verfehlte. Beim Elfmeter von Bonucci war er chancenlos. Sein erstes Gegentor nach 566 Länderspielminuten. Dann überragend beim Elfmeterschießen.

Benedikt Höwedes (Abwehr)
Im fünften EM-Spiel kam der Schalker zu seinem fünften Einsatz, diesmal wieder von Beginn an, weil Bundestrainer Löw auf einen engen Dreierverbund baute. Höwedes bekam den Auftrag, sich besonders um die beiden italienischen Angreifer Pelle und Giaccherini zu kümmern. Er erledigte den Job zur Zufriedenheit des Bundestrainers.

Jerome Boateng (Abwehr)
Der Abwehrchef spielte fehlerlos - bis zur 78. Minute, als ihm das Handspiel unterlief, das zum Strafstoß für die Italiener führte. Bitter für Boateng, denn bis dahin präsentierte er sich sehr konzentriert in der Abwehrzentrale mit überragender Zweikampfquote.

Mats Hummels (Abwehr)
In seinem 50. Länderspiel stabil wie in den Partien zuvor. Der Neu-Münchner hatte neben Boateng die meisten Ballbesitzphasen. Allerdings war er vornehmlich mit der Deckungsarbeit beschäftigt und konnte sich nicht wie erhofft ins Spiel nach vorne einbringen.

Joshua Kimmich (Abwehr)
Sehr quirlig auf der rechten Seite, spielte aufgrund der Hereinnahme von Höwedes auch offensiver. Doch der junge Münchner hatte auch mehr Unsauberkeiten in seinen Aktionen als noch bei seinen ersten beiden EM-Einsätzen, vor allem in der Defensive. In der zweiten Halbzeit agierte er ruhiger und nicht mehr so aufgedreht. Das tat seinem Spiel gut.

Jonas Hector (Abwehr)
Wieder eine Top-Laufleistung des Kölners, der immer anspielbereit an seiner linken Außenlinie klebte. In der ersten Halbzeit noch ohne Fortune und ohne Flankenertrag. Dann aber sein großer Moment in der 65. Minute, als er der italienischen Abwehr entwischte und perfekt für Özil vorlegte. Und sein noch größerer, als er den entscheidenden Elfmeter für Deutschland versenkte.

Toni Kroos (Mittelfeld)
Kroos aus dem Spiel nehmen - das war offenbar eine der Vorgaben von Trainer Conte für seine Mannen. Den Job übernahm der für de Rossi ins Team gekommene Sturaro. Immer wieder war der Turnier damit beschäftigt, die Kreise von Kroos einzuengen. Das gelang dem Italiener über weite Strecken. Die deutsche Passmaschine war nicht so effektiv wie in den Partien zuvor.

Sami Khedira (Mittelfeld, bis 16.)
Frühes Aus für den Mann von Juventus Turin. Wegen einer Adduktorenverletzung musste Khedira, bis dato eine der Säulen im Turnierverlauf, nach einer Viertelstunde das Feld verlassen und für Schweinsteiger Platz machen.

Thomas Müller (Mittelfeld)
Nach wie vor nicht der Müller, den wir von den vorherigen Großturnieren kennen. Der Münchner fand auch gegen die Italiener nicht ins Spiel und hatte kaum gute Szenen. Symptomatisch sein Abschluss in der 42. Minute, als er nach einem verunglückten Querpass haasträubend verzog. Pech hatte Müller mit seinem Direktschuss in der 54. Minute, den Florenzi noch ins Aus lenkte. Verhaspelte sich oft in seinen Aktionen, auf der anderen Seite stimmte seine Laufleistung- 15,2 Kilometer war der deutsche Top-Wert.

Mesut Özil (Mittelfeld)
Der Mittelfeld-Stratege hielt sich zunächst bedeckt und konnte das deutsche Spiel in der Zentrale nicht wie erhofft ankurbeln, aber er rackerte unermüdlich und wurde dafür belohnt - mit dem Treffer in der 65. Minute, seinem ersten Tor bei diesem Turnier und seinem 20. Länderspieltor insgesamt.

Mario Gomez (Angriff, bis 72.)
Wieder eine ansehnliche Vorstellung des Mittelstürmers aus Istanbul. Gomez hatte schon vor der Pause die beste Aktion, als er nach Kimmich-Flanke per Kopf knapp scheiterte. Fast wäre ihm sein drittes Turnier-Tor gelungen, als er per Hacke nach Özil-Flanke spektakulär abschloss, doch Buffon wehrte per Weltklasseparade ab. Viel wichtiger: seine erstklassige Vorarbeit in dre 65. Minute, die über Hector und Özil zur deutschen Führung führte.

Bastian Schweinsteiger (Mittelfeld, ab 16.)
Der Kapitän kam nach einer Viertelstunde für den verletzten Khedira aufs Feld und erhöhte damit seine Einsatzahl bei EM-Endturnieren auf 17 - Platz zwei in der ewigen Turnier-Rangliste. Schweinsteiger fügte sich wie erwartet gut ins deutsche Spiel ein, konzentrierte sich dabei, Ordnung und Rhythmus vorzugeben. Das machte er souverän. An Offensivaktionen war "Schweini" weniger beteiligt.

Julian Draxler (Mittelfeld, ab 72.)
Der Wolfsburger ersetzte den verletzten Gomez und konnte zunächst nicht, Tempo ins deutsche Spiel bringen und war weniger auffällig als gegen die Slowakei. Hatte zu Beginn der zweiten Halbzeit eine gute Aktion, als sein Fallrückzieher knapp über dem Tor landete.

Stand: 02.07.2016, 22:45 Uhr

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