Frakkland, Will Grigg und fehlende Moral - ein anderer Blick auf die EM

Frakkland, Will Grigg und fehlende Moral - ein anderer Blick auf die EM

Von Marcus Bark und Chaled Nahar

Zwei Reporter waren für sportschau.de in Frankreich unterwegs - sie haben ein paar Anekdoten und Beobachtungen abseits der Plätze gesammelt.

Die sportschau.de-Reporter Chaled Nahar (links) und Marcus Bark

Unsere Reporter: Marcus Bark (rechts) und Chaled Nahar sind für sportschau.de bei der EM in Frankreich gewesen. Ein Rückblick abseits des Sportlichen mit Beobachtungen und Anekdoten.

Unsere Reporter: Marcus Bark (rechts) und Chaled Nahar sind für sportschau.de bei der EM in Frankreich gewesen. Ein Rückblick abseits des Sportlichen mit Beobachtungen und Anekdoten.

Stadien: Von Marseilles atemberaubendem Stade Velodrome und der nicht weit entfernten schicken Altstadt ist viel geschwärmt worden - und zwar zurecht. Dabei ging allerdings unter, dass in Lens das wohl zweitschönste Stadion der EM steht, wenn man Nostalgiker ist. Ein Vergleich zum alten Westfalenstadion oder mancher klassischen britischen Sportstätte ist nicht weit hergeholt.

Alkohol: Nach den Ausschreitungen zu Turnierbeginn wurde der Alkoholverkauf in vielen Städten massiv eingeschränkt oder gar verboten. In den Stadien gab es vielerorts nur noch Bier mit 0,5 Prozent. Ein deutscher Fan sagte dazu: "Nach 27 davon darf ich dann kein Auto mehr fahren." In Marseille erinnerte ein Ladenbesitzer seine Kunden, rechtzeitig Vorräte anzulegen.

Sprachen: Mit Englisch kommt man nicht bei jedem Menschen in Frankreich weiter, unter den Fans ist es aber die wichtigste Sprache. Eine witzige Erinnerung bleibt manches Wort in Landessprache - vor allem "Frakkland" aus Island für Frankreich.

Streiks: Müllberge, ausgefallene Züge, blockierte Straßen; die Panik kannte vor dem Turnier keine Grenzen, während der EM sorgte der Streik für wenige Einschränkungen. Ein bisschen Wartezeit wie am Pariser "Gare de Lyon" (Foto), mal einen Zug verpassen und den nächsten nehmen müssen - das war's.

Fans: "Will Grigg's on fire" erklang an jeder Ecke, am Ende war sogar Mario Gomez für deutsche Fans "on fire", das Lied nervte nur noch. Ein rauschendes Comeback feierte es im Achtelfinale, als englische Fans den Titel mit Selbstironie umdichteten: "Hodgson's been fired, no defense is terrified!"

Handyfotos: Alles wurde fotografiert. Wenn 300 Leute ein Lied sangen, fotografierten und filmten gefühlt 299 die Gesänge. Ein Foto neben den Ronaldo-Selfies blieb aber. In Toulouse hatten drei italienische Fans nach dem Spiel ihrer Mannschaft gegen Schweden an der Straße eine besondere Begegnung - mit Dirk Nowitzki. "Sind Sie es wirklich?" Er war es.

Moral: Kommt bei der UEFA meist nach dem Fressen. In Saint-Denis, dem Ort des Eröffnungsspiels und des Finals steht der Platz der Menschenrechte. Ganz in der Nähe befindet sich das Stade de France, wo die UEFA zum Turnierende Bilanz zog. Auf die Frage, wie es um die Menschenrechte in Aserbaidschan stehe, wo einige der Spiele des Turniers 2020 ausgetragen werden, sagt UEFA-Generalsekretär Theodore Theodoridis: "Kein Kommentar, für uns geht es nur um Fußball."

Busse: Die Mannschaftsbusse haben bei Turnieren eine Bedeutung bekommen, die zu denken gibt. Hubschrauber begleiten das Gefährt an Spieltagen jeweils vom Hotel zum Stadion. Die Polizei eskortiert die Fußballer, der restliche Verkehr muss zurückstecken, falls er nicht gerade von Polizisten eskortiert in schwarzen Limousinen zum Stadion gefahren wird.

Training: "Das Training ist die ersten 15 Minuten offen." Nahezu täglich erreichte die Reporter bei der deutschen Nationalmannschaft diese Mail. So blieb dann Zeit, um Thomas Müllers Torwartspiel zu beobachten, Bastian Schweinsteigers Fahrradkilometer im Fitnesszelt, ein paar Stabilitäts- und die ersten Passübungen. Wer wie in Form ist, sich steigert oder abfällt, was für das nächste Spiel geplant ist, ob Dreier- oder Viererkette - das bleibt dann Spekulation, größtenteils beruhend auf Aussagen aus der Pressekonferenz und in Einzelinterviews, meistens mit den Spielern, die vorher in der Pressekonferenz saßen.

Wein: Sehr lecker in Frankreich, diese Erkenntnis wird niemanden überraschen. In Bordeaux wird er sogar am Flughafen angebaut. Das wird auch niemanden überraschen.

Évian: Ein Kurort mit Casino, einer Therme, die sonntags geschlossen bleibt (hä?), der Quelle, wunderbarer Luft, wunderbarem (Genfer See) und Stillem Wasser bis zum Abwinken. Es reicht damit nach fünf Wochen. Jetzt kommt der Sommer der Kohlensäure.

Stand: 11.07.2016, 03:48 Uhr

Darstellung: