Santos' Meisterleistung mit Co-Trainer Ronaldo

Cristiano Ronaldo mit Portugals Trainer Fernando Santos

Portugals Titelgewinn bei der EM

Santos' Meisterleistung mit Co-Trainer Ronaldo

Von Chaled Nahar (Saint-Denis)

Der coachende Cristiano Ronaldo wird als das Bild dieser EM in Erinnerung bleiben. Doch es war Trainer Fernando Santos, der Portugal mit einer taktischen Meisterleistung im Finale gegen Frankreich den Titel sicherte.

Und plötzlich hatten sie zwei Trainer. Cristiano Ronaldo, der das Spielfeld in der Mitte der ersten Hälfte weinend verlassen hatte, war am Ende der zweiten Hälfte wieder da. Er sortierte die Spieler bei den Ecken, stoppte ihre Lust auf allzu wagemutige Konter und feuerte sie an. "Er wollte auf dem Platz bleiben, aber es ging nicht", sagte Trainer Fernando Santos, dem seine Arbeit spätestens in der Schlussphase der Verlängerung fast komplett von Ronaldo abgenommen worden war. "Es waren unglaubliche Emotionen. Ronaldo hat einen großen Mannschaftsgeist."

Ronaldos Verletzung ist die Herausforderung für Santos

Cristiano Ronaldo nach seiner Verletzung

Cristiano Ronaldo nach seiner Verletzung

Als nach 24 Minuten klar gewesen war, dass Ronaldo nach dem Tritt von Dimitri Payet nicht weiterspielen konnte, flossen bei dem Superstar Tränen. Fernando Santos brauchte dringend eine Idee, denn er musste den Verlust seines wichtigsten Spielers ausgleichen. Und er hatte den richtigen Einfall: Santos brachte zunächst Ricardo Quaresma für Ronaldo, später Joao Moutinho für Adrien Silva und stellte das bisherige 4-1-3-2 auf ein 4-3-3 um, Nani rückte ins Sturmzentrum. Und Frankreich hatte mit der portugiesischen Neuausrichtung Probleme.

Abwehrchef Pepe schwärmte später von den Eingriffen des Trainers in das Spiel: "Der Trainer hat uns überrascht, er hatte einen Plan B. Und die Auswechselungen kamen zur richtigen Zeit." Die Einwechselung von Éder, der bis dahin erst 13 Minuten im Turnier gespielt hatte, war nicht nur wegen dessen Tor in der Verlängerung eine wichtige Entscheidung Santos'. Die Kopfballstärke im Angriff, die Portugal mit Ronaldos Auswechselung verloren hatte, kam mit Éder zurück. "Ich wollte ihn deshalb eigentlich schon früher bringen", sagte Santos.

Doch alle Entscheidungen saßen, das Team profitierte zudem von seinem stark aufgelegten Torwart Rui Patricio - Portugal und Ronaldo feierten durch Éders Tor in der 109. Minute den ersten internationalen Titel des Landes und damit auch den ersten des großen Stars. "Ich hatte Pech mit der Verletzung", sagte Ronaldo. "Ich habe aber trotzdem geglaubt, dass die anderen Spieler mit Santos' Strategie gewinnen können. Ich wollte ein Teil davon sein und ich habe es geschafft."

Portugal - ein logischer Europameister

Cristiano Ronaldo

Cristiano Ronaldo

Portugal wurde häufig kritisiert für seine defensive Spielweise und die Tatsache, dass die Mannschaft nur als einer der besten Gruppendritten in der K.o.-Runde gelandet war. Doch die Kritik hat erst die Spieler enger zusammengebracht und dann auch die Fans. "Ich will gewinnen und dass diese Leute dann sagen, wir hätten es nicht verdient. Dann wäre ich glücklich", hatte Trainer Santos vor dem Spiel süffisant gesagt.

Doch in einem Turnier, in dem Fünferketten ein Trend und Spieler wie Giorgio Chiellini, Jerome Boateng oder Pepe die prägenden Figuren seiner Partien waren, ist Portugal kein unverdienter Turniersieger, sondern ein logischer. Santos hat strategisch alles aus dieser Mannschaft herausgeholt und so am Ende den Titel geholt. Innenverteidiger Pepe wurde beim Endspiel zum "Spieler des Spiels" bestimmt - was durchaus als eine sinnvolle Pointe dieses über weite Teile so defensiv geprägten Turniers gesehen werden darf.

Die nächsten Strategen wachsen heran

Ob Portugal 2018 Weltmeister werden wird war eine der Fragen, die an Pepe ging. Der lächelte und antwortete unkonkret mit Sätzen, in denen der Begriff "große Zukunft" vorkam. Was er meint: Portugal war 2015 Vize-Europameister der U21 und 2016 Europameister der U17. Die nächsten portugiesischen Strategen wachsen also schon heran. Auch für die Zeit, wenn Cristiano Ronaldo nicht mehr als Spieler oder halber Trainer bereitsteht.

Fußball · Europameisterschaft 2016

Sonntag, 10.07.2016 | 21.00 Uhr

Portugal

Patricio – Soares, Pepe, Fonte, Guerreiro – W. Carvalho – Sanches (79. Éder), A. Silva (66. Moutinho), Mário – Nani, Cristiano Ronaldo (25. Ricardo Quaresma)

1

Frankreich

Lloris – Sagna, Koscielny, Umtiti, Evra – Pogba, Matuidi – Sissoko (110. Martial), Griezmann, Payet (58. Coman) – Giroud (78. Gignac)

0

Fakten und Zahlen zum Spiel

Tore:

  • 1:0 Éder (109.)

Strafen:

  • gelbe Karte Soares (1 )
  • gelbe Karte Mário (1 )
  • gelbe Karte Umtiti (2 )
  • gelbe Karte Guerreiro (1 )
  • gelbe Karte Matuidi (1 )
  • gelbe Karte W. Carvalho (3 )
  • gelbe Karte Koscielny (2 )
  • gelbe Karte Pogba (1 )
  • gelbe Karte Fonte (1 )
  • gelbe Karte Patricio (1 )

Zuschauer:

  • 75868

Schiedsrichter:

  • Mark Clattenburg (England)

Stand: Sonntag, 10.07.2016, 23:39 Uhr

Wappen Portugal

Portugal

Wappen Frankreich

Frankreich

Tore 1 0
Schüsse aufs Tor 3 7
Ecken 5 9
Abseits 1 2
gewonnene Zweikämpfe 91 109
verlorene Zweikämpfe 109 91
gewonnene Zweikämpfe 45,5 % 54,5 %
Fouls 12 12
Ballkontakte 764 919
Ballbesitz 45,4 % 54,6 %
Laufdistanz 0 km 0 km
Sprints 0 0
Fehlpässe 65 60
Passquote 86,95 % 90,65 %
Flanken 11 26
Alter im Durchschnitt 27,7 Jahre 27,6 Jahre

Stand: 11.07.2016, 08:00

Darstellung: