Reglement und Wertungen bei der Tour de France

Wertungstrikots der Tour de France

Reglement und Wertungen bei der Tour de France

Welche Bedeutung haben die Trikotfarben bei der Tour? Was sind die Neuerungen in der Bergwertung? Wir erklären die wichtigsten Regeln bei der Tour de France.

Insgesamt 21 Etappen stehen bei der Tour der France 2017 auf dem Programm. Ein Etappensieg beim größten Radrennen der Welt gehört zu den prestigeträchtigsten Erfolgen im Radsport. Und er wird auch gut entlohnt: Neben dem Ruhm gibt es für den Etappensieger 11.000 Euro für die Mannschaftskasse.

Gelbes Trikot: Das Gesamtklassement nach Zeit
Das große Ziel bei der Tour ist natürlich, nicht nur eine Etappe, sondern die gesamte Rundfahrt zu gewinnen. Für das Gesamtklassement werden die Zeiten der einzelnen Etappen addiert. Zeitstrafen werden zur Gesamtzeit hinzugerechnet, Bonus-Sekunden, die es bei einem Etappensieg gibt, abgezogen. Für den seltenen Fall der Zeitgleichheit werden die Hundertstelsekunden aus der Messung der beiden Einzelzeitfahren zur Ermittlung des Führenden hinzugenommen. Der jeweils Führende in der Gesamtwertung ist im Gelben Trikot durch Frankreich unterwegs.

Grünes Trikot: Die Wertung der besten Sprinter
Der Führende des Punkteklassements trägt das Grüne Trikot. Die Punkte werden bei Zwischensprints und Etappenankünften vergeben. Auf den Flachetappen gibt es bis zu 50 Sprintpunkte für den Tagessieger, auf schweren Bergetappen nur noch 20. Die erreichbaren Punkte bei den Zwischensprints sind auf allen Etappen mit maximal 20 Punkten gleich.

Es gilt folgender Schlüssel:

Flachetappen (2., 4., 6., 7., 10., 11., 19. und 21. Etappe): 50, 30, 20, 18, 16, 14, 12, 10, 8, 7 ... bis 2 Punkte für die ersten 15 Fahrer
Mittlere Schwierigkeit (3., 5., 8., 14., 15. und 16. Etappe): 30, 25, 22, 19, 17, 15, 13, 11, 9, 7, 6 ... bis 2 Punkte für die ersten 15 Fahrer
Schwere Etappen (9., 12., 13., 17. und 18. Etappe): 20, 17, 15, 13, 11, 10, 9 ... bis 1 Punkt für die ersten 15 Fahrer
Einzelzeitfahren (1. und 20. Etappe): 20, 17, 15, 13, 11, 10, 9 ... bis 1 Punkt für die ersten 15 Fahrer
Zwischensprints: 20, 17, 15, 13, 11, 10, 9 ... bis 1 Punkt für die ersten 15 Fahrer

Haben zwei oder mehrere Fahrer die gleiche Punktzahl, wird bei der Platzierung zunächst auf die Zahl der Etappensiege, dann auf die Zahl der gewonnenen Zwischensprints geschaut. Gibt es dann immer noch einen Gleichstand, entscheidet die Platzierung im Gesamtklassement.

Gepunktetes Trikot: Die Bergwertung
Mit dem rot-weiß gepunkteten Trikot wird der beste Kletterer der Tour geehrt. Je nach Schwierigkeitsgrad des Anstiegs sammeln die Fahrer unterschiedlich viele Punkte. Bei Punktgleichheit entscheidet, wer mehr höherwertige Wertungen gewonnen hat. Im Vergleich zu den Vorjahren wurde die Punktevergabe für die Tour 2017 verändert: Gab es zuletzt für die schwersten Anstiege der Hors Catégorie („Ehrenkategorie“) noch bis zu 25 Punkte, sind es in diesem Jahr nur noch 20 Punkte. Außerdem werden nur noch bei Bergankünften der HC-Kategorie die Punkte verdoppelt – in diesem Jahr trifft das nur für die Ankunft auf dem 2360 Meter hohen Col d’Izoard auf der 18. Etappe zu.

Anstieg zum Col du Galibier

Anstieg zum Col du Galibier

Die Bergpunkte in der Übersicht:

"Ehrenkategorie" (HC) : 20, 15, 12, 10, 8, 6, 4 und 2 Punkte für die ersten acht Fahrer
1. Kategorie: 10, 8, 6, 4, 2 und 1 Punkt für die ersten sechs Fahrer
2. Kategorie: 5, 3, 2 und 1 Punkt für die ersten vier Fahrer
3. Kategorie: 2 und 1 Punkt für die ersten zwei Fahrer
4. Kategorie: 1 Punkt für den ersten Fahrer

Weißes Trikot: Das Klassement des besten Jungprofis
Um das Weiße Trikot fahren Jungprofis, die nach dem 1. Januar 1992 geboren sind – also nicht älter als 25 Jahre sind. In Weiß fährt der im Gesamtklassement am weitesten vorne platzierte Jungprofi. 2013 und 2015 holte sich Nairo Quintana das weiße Leibchen, dazwischen Thibaut Pinot, im vergangenen Jahr der Brite Adam Yates.

Mannschaftswertung
In die Mannschaftswertung fließen täglich die Zeiten der drei besten Fahrer eines Teams ein. Sie werden pro Etappe zusammengerechnet und ergeben so das Mannschaftsklassement. Bei Zeitgleichheit entscheidet die Zahl der Etappensiege – oder wenn auch die gleich sind, die Zahl der zweiten Plätze, dann dritten Plätze und so weiter. Als Auszeichnung tragen die Fahrer des besten Teams eine gelbe Rückennummer und gelbe Helme.

Wertung für den kämpferischsten Fahrer
Diese Wertung ehrt den „kämpferischsten“ Fahrer, der sich durch seine Angriffslust und aktive Fahrweise hervorgetan hat. Sie wird bei allen Etappen – ausgenommen den Einzelzeitfahren und der Schlussetappe – von einer Jury vergeben. Feste Punktzahlen und ein spezielles Trikot gibt es in dieser Wertung nicht. Der Fahrer wird mit einer roten Rückennummer gekennzeichnet. Täglich winken dem jeweils kämpferischsten Fahrer einer Etappe 2.000 Euro. Und wer nach der letzten Etappe zum kämpferischsten Fahrer der gesamten Tour gekürt wird, darf gar 20.000 Euro mit nach Hause nehmen.

Zeitgutschriften / Bonussekunden
Mehrere Jahre waren Zeitgutschriften bei der Tour de France abgeschafft, 2015 wurden sie wieder eingeführt und haben insbesondere in den ersten Tour-Tagen für zusätzliche Dramatik gesorgt. Auch in diesem Jahr wird die Regelung beibehalten. Auf allen Etappen – abgesehen von den beiden Einzelzeitfahren – gibt es wieder Zeitgutschriften. Jeweils die drei Erstplatzierten der Etappe erhalten 10, 6 und 4 Sekunden im Gesamtklassement gutgeschrieben.

Sturz beim Zielsprint

Sturz beim Zielsprint

Wertung bei Stürzen / Drei-Kilometer-Regel
Seit 2005 werden bei einem Sturz oder einem Defekt auf den letzten drei Kilometern die darin verwickelten Fahrer mit der gleichen Zeit gewertet wie die Gruppe, der sie zum Zeitpunkt des Sturzes angehörten. Diese Regelung gilt jedoch nicht bei Einzelzeitfahren (1. und 20. Etappe) und bei Etappen mit leichten und schwierigen Bergankünften (3., 5., 12., 14. und 18. Etappe).

Karenzzeit/Zeitlimit
198 Fahrer gehen in Düsseldorf an den Start der Tour de France – doch längst nicht alle schaffen es bis nach Paris. Einige müssen verletzungs- oder krankheitsbedingt aufgeben, andere schaffen es bei einer Etappe nicht innerhalb der jeweiligen Karenzzeit ins Ziel. Die Karenzzeit richtet sich nach dem Schwierigkeitsgrad der Etappe (insgesamt sechs verschiedene Koeffizienten) und der Durchschnittsgeschwindigkeit. Je höher die Schwierigkeit und das Tempo, desto mehr Zeit dürfen sich Nachzügler lassen. Bei einer kurzen und schweren Etappe etwa wie der 13. Etappe von Saint-Girons nach Foix dürfen Nachzügler bei einem Etappenschnitt von 30 km/h zehn Prozent über der Siegerzeit liegen, bei einem Schnitt von mehr als 37 km/h sogar 18 Prozent über der Siegerzeit. Bei der Flachetappe von Düsseldorf nach Lüttich dürfen abgehängte Fahrer allerdings bei einem 36er Schnitt nur drei Prozent auf die Siegerzeit verlieren.

Alle Koeffizienten im Überblick

Etappe ohne besondere Schwierigkeit (Koeffizient 1)
Bei der Tour 2017 folgende Etappen: 2, 4, 6, 7, 10, 11, 19, 21

Der Rückstand auf die Siegerzeit darf nicht größer sein als:

  • 3 % bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit kleiner oder gleich 36 km/h
  • 4 % von 36 km/h bis 38 km/h
  • 5 % von 38 km/h bis 40 km/h
  • 6 % von 40 km/h bis 42 km/h
  • 7 % von 42 km/h bis 44 km/h
  • 8 % von 44 km/h bis 46 km/h
  • 9 % von 46 km/h bis 48 km/h
  • 10 % von 48 km/h bis 50 km/h
  • 11 % bei mehr als 50 km/h

Etappen mit leichten Schwierigkeiten (Koeffizient 2)
Bei der Tour 2017 folgende Etappen: 3, 5, 14, 16

Der Rückstand auf die Siegerzeit darf nicht größer sein als:

  • 6 % bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit kleiner oder gleich 35 km/h
  • 7 % von 35 km/h bis 36 km/h
  • 8 % von 36 km/h bis 37 km/h
  • 9 % von 37 km/h bis 38 km/h
  • 10 % von 38 km/h bis 39 km/h
  • 11 % von 39 km/h bis 40 km/h
  • 12 % von 40 km/h bis 41 km/h
  • 13 % von 41 km/h bis 42 km/h
  • 14 % von 42 km/h bis 43 km/h
  • 15 % von 43 km/h bis 44 km/h
  • 16 % von 44 km/h bis 45 km/h
  • 17 % von 45 km/h bis 46 km/h
  • 18 % bei mehr als 46 km/h

Kurze Etappen auf welligem Terrain (Koeffizient 3)
Bei der Tour 2017 folgende Etappen: 8, 15

Der Rückstand auf die Siegerzeit darf nicht größer sein als:

  • 10 % bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit kleiner oder gleich 35 km/h
  • 11 % von 35 km/h bis 36 km/h
  • 12 % von 36 km/h bis 37 km/h
  • 13 % von 37 km/h bis 38 km/h
  • 14 % von 38 km/h bis 39 km/h
  • 15 % von 39 km/h bis 40 km/h
  • 16 % von 40 km/h bis 41 km/h
  • 17 % von 41 km/h bis 42 km/h
  • 18 % von 42 km/h bis 43 km/h
  • 19 % von 43 km/h bis 44 km/h
  • 20 % von 44 km/h bis 45 km/h
  • 21 % von 45 km/h bis 46 km/h
  • 22 % bei mehr als 46 km/h
Besenwagen der Tour de Suisse

Besenwagen der Tour de Suisse

Sehr schwere Etappen (Koeffizient 4)
Bei der Tour 2017 folgende Etappen: 9, 12, 17, 18

Der Rückstand auf die Siegerzeit darf nicht größer sein als:

  • 7 % bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit kleiner oder gleich 30 km/h
  • 8 % von 30 km/h bis 31 km/h
  • 9 % von 31 km/h bis 32 km/h
  • 10 % von 32 km/h bis 33 km/h
  • 11 % von 33 km/h bis 34 km/h
  • 12 % von 34 km/h bis 35 km/h
  • 13 % von 35 km/h bis 36 km/h
  • 14 % von 36 km/h bis 37 km/h
  • 15 % von 37 km/h bis 38 km/h
  • 16 % von 38 km/h bis 39 km/h
  • 17 % von 39 km/h bis 40 km/h
  • 18 % bei mehr als 40 km/h

Sehr schwere, kurze Etappen (Koeffizient 5)
Bei der Tour 2017 folgende Etappe: 13

Der Rückstand auf die Siegerzeit darf nicht größer sein als:

  • 10 % bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit kleiner oder gleich 30 km/h
  • 11 % von 30 km/h bis 31 km/h
  • 12 % von 31 km/h bis 32 km/h
  • 13 % von 32 km/h bis 33 km/h
  • 14 % von 33 km/h bis 34 km/h
  • 15 % von 34 km/h bis 35 km/h
  • 16 % von 35 km/h bis 36 km/h
  • 17 % von 36 km/h bis 37 km/h
  • 18 % bei mehr als 37 km/h

Einzelzeitfahren:

  • 25 % auf die Siegerzeit

Die Rennleitung kann die Karenzzeit ausweiten, etwa nach Stürzen, bei schwierigen Wetterbedingungen oder wenn besonders viele Fahrer außerhalb des Zeitlimits liegen. Darauf hoffen oft die Sprinter, wenn sie sich im Hochgebirge zu einer großen Gruppe zusammenschließen und sich gemeinsam über die Gipfel quälen.

Klare Vorgaben für die Räder

Welche Räder bei der Tour - oder generell bei Straßenrennen - zugelassen sind, richtet sich nach den Vorgaben des Weltradsportverbandes UCI. Dort ist zum Beispiel festgelegt, dass die Räder so konstruiert sein müssen, dass sie auch im Handel verkauft und von jedem Radsportler genutzt werden können. Auch die Form des Rahmens ist festgelegt - ebenso gibt es für die Maße klar begrenzte Spielräume. Eine Einschränkung gibt es auch beim Gewicht: Eine Rennmaschine darf nicht weniger als 6,8 Kilogramm wiegen. Technische Neuerung müssen vorher von der UCI genehmigt werden, bevor sie im Rennbetrieb eingesetzt werden dürfen.

Helmpflicht auf allen Etappen

Seit 2004 gilt bei der Tour de France eine Helmpflicht. Der Weltradsportverband UCI führte die Pflicht als Reaktion auf den tödlichen Unfall des kasachischen Fahrers Andrei Kivilev ein. Kivilev war 2003 beim Klassiker Paris - Nizza schwer auf den Kopf gestürzt und später seinen Verletzungen erlegen.

Hilfe von anderen Teams

Radsport ist ein Teamsport – gegenseitig unterstützen dürfen sich die Fahrer allerdings nur im eigenen Team. So können Fahrer zwar einem Kollegen aus einer anderen Mannschaft mal mit einer Trinkflasche aushelfen, aber ein kompletter Radtausch etwa bei einem Defekt ist ausgeschlossen und nur zwischen Mitgliedern ein und desselben Teams erlaubt.

Ein Fahrer am Teamwagen des Teams Bora-hansgrohe

Ein Fahrer am Teamwagen des Teams Bora-hansgrohe

Windschatten regelkonform nutzen

Windschattenfahren ist eines der zentralen Elemente beim Radsport – immerhin sparen die Fahrer so bis zu 30 Prozent Energie. Aber auch hier gibt es klare Vorgaben: Andere Fahrer dürfen Windschatten spenden, Begleitfahrzeuge oder Motorräder nicht. Auch das Festhalten an Fahrzeugen ist nicht erlaubt. Die Rennkommissäre drücken allerdings auch mal ein Auge zu, wenn ein Fahrer sich nach einem Sturz oder Defekt wieder durch die Reihen der Begleitfahrzeuge ins Feld zurückkämpft und dabei kurze Zeit den Windschatten der Autos nutzt.

Besondere Regeln gibt es beim Einzelzeitfahren. Dort ist beispielsweise auch der Windschatten von Fahrern, die überholt werden, tabu.

Verpflegungszeiten per Reglement geregelt

Was die Profis während eines Radrennens an Nahrung und Getränken zu sich nehmen, ist zwar nicht vom Reglement vorgeschrieben - sehr wohl aber, wann sie sich versorgen dürfen. Frühestens 50 Kilometer nach dem Start und bis maximal 20 Kilometer vor dem Ziel dürfen die Fahrer aus dem Teamfahrzeug oder von offiziellen Begleitfahrzeugen aus versorgt werden. Bei außergewöhnlichen klimatischen Bedingungen gibt die Rennleitung die Verpflegung auch früher frei. Daneben gibt es natürlich die festen Verpflegungszonen, die meist in der Mitte einer Etappe liegen.

Klare Regeln gibt es auch zur Entsorgung von Trinkflaschen und Verpackungen: Die dürfen nur in den dafür vorgesehen Müllzonen weggeworfen worden.

Neue Regel zur Zeitnahme

Bei Sprintetappen der Tour de France wird in diesem Jahr testweise eine neue Regel zur Zeitmessung eingeführt. Wurde bislang bei einem Abstand von mehr als einer Sekunde zwischen zwei Fahrern eine neue Zeit genommen, müssen nun mindestens drei Sekunden zwischen zwei Fahrern oder Gruppen liegen. Das hat der Weltradsportverband UCI in Absprache mit dem Tourveranstalter und Fahrer- und Teamvertretern beschlossen. Bei einer Geschwindigkeit von 60 km/h können nun bis zu 50 Meter zwischen zwei Fahrern liegen - statt wie bisher 17 Meter. Diese Regel gilt nur bei Etappen, bei den ein Massensprint erwartet wird - bei der Tour 2017 also auf der 2., 6., 7., 10., 16., 19., und 21. Etappe.

Mit dieser neuen Zeitnahmeregel soll das Gedränge auf den letzten Metern einer Etappe entschärft werden. Mittlerweile formieren immer mehr Sprinterteams ihre Züge und auch die Favoritenteams versuchen, ihre Kapitäne möglichst weit vorne zu platzieren, um keine Stürze oder unnötigen Zeitverluste zu riskieren.

Stand: 28.06.2017, 18:13

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