Fragen und Antworten zur Tour de France

Spitzenfahrer der Tour de France 2016 am Berg

FAQ

Fragen und Antworten zur Tour de France

Bei der Tour de France erbringen die Fahrer Höchstleistungen und haben doch manchmal mit ganz alltäglichen Problemen zu kämpfen. Wir haben oft gestellte Fragen zur Tour gesammelt – und natürlich die entsprechenden Antworten.

1) Welche Leistung - in Watt ausgedrückt - können die Spitzenfahrer erbringen?

Welche Leistung ein Fahrer erbringen kann, hängt von seinem Gewicht ab. Die Tourfavoriten können über einen längeren Zeitraum – ca. 20 bis 40 Minuten – Werte von 5,8 bis ca. sechs Watt pro Kilogramm Körpergewicht treten. Chris Froome etwa ist dazu in der Lage – bei seinem Gewicht bedeutet das umgerechnet 417 Watt. Bei längerer Dauerbelastung sinkt der Durchschnittswert. Der Giro-Vierte 2016 Steven Kruijswijk etwa trat auf der 20. Etappe der diesjährigen Italienrundfahrt am Anstieg zum Col de la Bonette über eine Stunde im Schnitt 297 Watt. Den einstündigen Aufstieg zum Col de la Lombarde schaffte er mit durchschnittlich 330 Watt, was einer Leistung von 5,16 Watt pro Kilogramm Körpergewicht entspricht.

Noch mehr Kraft auf die Pedale bringen die Sprinter – meist aber nur für kurze Strecken. Bei seinem Etappensieg auf der 6. Etappe 2014 in Reims erbrachte etwa André Greipel nach Angaben des Messgeräteherstellers SRM auf den letzten 500 Metern durchschnittlich 983 Watt. In der Spitze waren es kurzzeitig sogar über 1600 Watt. Auf der ganzen, leicht hügeligen Etappe lag sein Durchschnitt bei 227 Watt.

2) Warum kann ein guter Sprinter nicht auch ein guter Bergfahrer sein?

Es sind ganz unterschiedliche Muskelgruppen, die beim Sprinten und Bergfahren beansprucht werden. Sprinter leben von ihrer Explosivität und Schnellkraft, Bergfahrer brauchen dagegen eine leichte Ausdauermuskulatur. Der entscheidende Faktor ist das Gewicht: Das Watt pro Kilogramm-Verhältnis ist für den Bergfahrer ganz entscheidend. Ein Sprinter, der vielleicht 80 Kilogramm wiegt, müsste über einen langen Zeitraum viel mehr Watt treten, um einen Berg ähnlich schnell zu erklimmen wie ein 60 Kilo leichter Kletterer.

3) Was befindet sich eigentlich in den Verpflegungsbeuteln der Fahrer?

Verpflegungssäcke beim Team Astana

Verpflegungssäcke beim Team Astana

An den offiziellen Verpflegungspunkten bekommen die Fahrer ihre Verpflegungsbeutel. Die enthalten in der Regel zwei Trinkflaschen, eine mit Wasser und eine mit einem Isodrink. Außerdem sind noch zwei Energieriegel, ein oder zwei Energiegels sowie die sogenannten Silberlinge enthalten. Das sind in Alufolie eingepackte Waffeln, Kuchen oder Brötchen mit Marmelade oder Käse.

Für die Fahrer ist es enorm wichtig, während einer Etappe genug Energie und vor allem auch Flüssigkeit aufzunehmen. In Wettkampfzeiten haben die Profis einen täglichen Energieverbrauch von 6000 bis 10.000 Kalorien. Beim Trinken gilt die Faustformel: Jede halbe Stunde eine 0,5-Liter Trinkflasche. Bei langen, heißen Bergetappen können es auch mal mehr sein – bis zu 20 Flaschen.

4) Dürfen Helfer selber auf Sieg fahren oder müssen sie immer auf ihren Kapitän Rücksicht nehmen? Und wie wichtig sind die Helfer eigentlich im Hochgebirge?

Meistens hat das Team einen Plan A, das heißt einen Kapitän, der die Rundfahrt gewinnen soll. Diesem Plan A wird die Teamtaktik zunächst untergeordnet. Sollte sich aber während der Rundfahrt herauskristallisieren, dass der Kapitän nicht mit den Besten mithalten kann – einer seiner Helfer dagegen schon – kann sich die Teamtaktik ändern. So ist beim Team Sky etwa Chris Froome der klare Kapitän, aber auch sein Helfer Thomas Geraint hat die Qualität, ganz oben auf dem Treppchen zu stehen.

Grundsätzlich kommen gerade die Teams der Topfavoriten mit unterschiedlichen Fahrertypen zur Tour: Neben den Edel-Helfern, die im Anstieg möglichst lange bei ihrem Kapitän bleiben sollen, sind meist auch einige gute Rouleure im Team, die im Flachen Löcher zufahren können.

Deren Aufgabe kann es auch sein, bei den entscheidenden Anstiegen der Tour bereits am Fuß des Bergs das Tempo hochzuhalten und so andere Fahrer direkt abzuhängen. Je näher der Gipfel kommt, umso wichtiger werden die Edelhelfer. Zu ihren Aufgaben gehört es, die Attacken der Konkurrenz zu kontern. Auch das Windschatten-Spenden kann bei Bergen wie dem Mont Ventoux eine Rolle spielen. Ebenso darf die moralische Komponente nicht unterschätzt werden.

5) Welche Preisgelder gibt es bei der Tour?

Wertungsgewinner der Tour der France 2016

Wertungsgewinner der Tour der France 2016


Insgesamt werden bei der Tour in diesem Jahr Preisgelder in Höhe von knapp 2,3 Millionen Euro ausgeschüttet. Ein Etappensieger erhält bei der Tour 2017 11.000 Euro. Der Zweitplatzierte erhält 5500 Euro. Der 20. einer Etappe erhält noch 300 Euro. Der Gewinner der Tour de France wird 2107 ein Preisgeld in Höhe von 500.000 Euro kassieren, der Zweite erhält 200.000, der Dritte 100.000 Euro. Auch in allen anderen Wertungen gibt es Tages- und Gesamtprämien.

Das komplette Geld landet allerdings in der Regel in der Mannschaftskasse, wo es nach der Tour dann unter den beteiligten Fahrern verteilt wird.

6) Viele Sättel haben in der Mitte eine Längsöffnung. Dient das der Gewichtsminimierung oder will man dadurch die Prostata entlasten?

Die Gewichtsreduktion spielt bei dem sogenannten Lochsattel nicht die Hauptrolle. Es geht vor allem darum, dass die Fahrer, die im Jahr bis zu 40.000 Kilometer auf dem Sattel sitzen, ein angenehmes Fahrgefühl haben. Lochsattel sollen dazu beitragen, den Druck auf den Dammbereich zu vermindern. Letztlich hängt aber auch viel von der Anatomie und der Sitzposition eines Fahrers ab. Durch die zahlreichen unterschiedlichen Modelle können die Fahrer den für sie am ehesten geeigneten Sattel wählen.

7) Was machen die Fahrer, wenn sie während des Rennens auf Toilette müssen?

Pinkelpause am Straßenrand

Pinkelpause am Straßenrand

Bei einem ruhigen Rennverlauf und in eher unbewohnten Streckenabschnitten halten die Fahrer durchaus am Straßenrand an. Wird es jedoch hektisch oder geht es dem Finale zu, müssen es sich die Fahrer verkneifen – oder im Notfall „laufen lassen“.

8) Was wiegen die Räder der Profis und wieviel kosten sie?

Die Räder dürfen laut Reglement nicht leichter als 6,8 Kilogramm sein. Die Gewichtsuntergrenze gilt auch für die Zeitfahrmaschinen. Die Preisspanne für ein Tourrad liegt zwischen 6500 Euro und 13.000 Euro. Sie sind normal im Fachhandel erhältlich.

9) Welche Übersetzung fahren die Fahrer in der Regel?

Die Profis fahren vorne meistens mit einer Standardrennradkurbel mit 39/53 Zähnen. Wobei es natürlich Ausnahmen gibt. Hinten werden in der Regel 11 bis 25 Zähne gefahren. Beispiel: Für die hohen Geschwindigkeiten bergab fahren die Fahrer eine Übersetzung von 53/11. Für die Bergetappen werden auch einmal andere Kettenblätter genutzt. Dann kann es sein, dass die Fahrer an den ganz steilen Rampen mit einer Übersetzung von 38/28 oder 36/30 unterwegs sind.

Je nach Etappenprofil und Streckenverlauf legen die Profis auch andere Blätter auf. So hatte beispielsweise Chris Froome bei seiner überraschenden Attacke auf der Abfahrt nach Bagnères-de-Luchon im vergangenen Jahr ausnahmsweise ein 54er-Blatt auflegen lassen. Hintergrund war nach eigener Aussage, dass ihm sein sportlicher Leiter zu einer anderen Übersetzung geraten hatte, um bei der Abfahrt vom Gipfel davor einen möglichen Rückstand auf Quintana wieder wettmachen zu können.

10) Welchem Zweck dient die Antenne, die am Sattel nach hinten ragt?

Die Antennen sind kleine Sender, die GPS-Signale senden. Dadurch ist man jederzeit im Bilde, wo sich der Fahrer gerade befindet. Es handelt sich dabei nicht um die sogenannten Transponder, die nur für die Zeitmessung verantwortlich sind.

11) Wie viel trinken die Fahrer während einer Etappe und was passiert mit den weggeworfenen Trinkflaschen?

Während einer normal langen Etappe werden pro Fahrer etwa neun Trinkflaschen à 0,5 Liter gerechnet. Bei einer langen Bergetappe verbrauchen die Fahrer bis zu 20 solcher Flaschen.

Davon ist die eine Hälfte mit Sport Drinks gefüllt, die andere Hälfte mit Wasser. Die Fahrer kippen sich aber auch viel Wasser über den Kopf. Manche Fahrer trinken einige Kilometer vor dem Ziel eine zuckerhaltige Cola, um dem Körper schnell Energie bereitzustellen.

Viele Flaschen werden von Fans aufgesammelt. Sie sind begehrte Souvenirs. Einige Flaschen kommen aber auch zu den Teams zurück. Sie werden meist nicht wiederverwendet, da die Infektionsgefahr zu hoch ist. Die Flaschen, die die Fahrer mit sich führen und wegwerfen, sollen übrigens aus biologisch abbaubarem Material bestehen, damit sie verrotten, falls sie wirklich einmal nicht gefunden und aufgesammelt werden sollten.

Stand: 28.06.2017, 18:14

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