Auf der 8. Etappe

Buchmanns kurzer Flirt mit dem Gelben Trikot

Auf der 8. Etappe der Tour de France fährt Emanuel Buchmann für kurze Zeit im virtuellen Gelben Trikot. Doch sein Plan, um den Etappensieg mitzufahren, geht genau aus diesem Grund nicht auf.

Mit einem Plastikbecher voller Gummibärchen in der Hand ließ Emanuel Buchmann den Tag Revue passieren. Ein Tag, der ganz anders verlaufen war, als von den meisten Beobachtern vorhergesehen. "Es war ein harter Tag, härter als die meisten erwartet haben", musste selbst Christopher Froome, der Gesamtführende, eingestehen. Ein bisschen hatte das auch mit Buchmann zu tun gehabt.

Viele widerstrebende Interessen

Der 24-Jährige war bei dieser 8. Etappe durch das Jura-Gebirge mit drei kategorisierten Anstiegen am Samstag (08.07.2017) zweimal für kurze Zeit im virtuellen Gelben Trikot gefahren, weil er in der Spitzengruppe der bestplatzierte Fahrer war. "Das wusste ich schon, aber da war es ja noch ein sehr weiter Weg ins Ziel", sagte Buchmann, bevor er mit den Gummibärchen seine Glukosespeicher auffüllte.

Das Maillot Jaune war aber ohnehin nicht das primäre Ziel, mit dem sein Team Bora-hansgrohe Buchmann in die Spitzengruppe geschickt hatte. Es ging darum, die Gruppe zu besetzen, um vertreten zu sein, eventuell um den Etappensieg mitzufahren und Buchmanns Ausgangsposition im Kampf um das Weiße Trikot des besten Jungprofis zu verbessern. "Das war der Plan", sagte er.

Doch diesen Plan verfolgten offenbar auch viele andere Teams, wodurch sich plötzlich 46 Fahrer mit widerstrebenden Interessen an der Spitze wiederfanden. Eine funktionierende Allianz konnte sich so nicht bilden. "Es gab dadurch viel Springerei", berichtete Buchmann im Ziel und meinte damit eine Vielzahl von Attacken mit dem Ziel, die Gruppe zu verkleinern, was schließlich gelang. Aber ohne Buchmann.

Buchmann auf der Rechnung

Emanuel Buchmann | Bildquelle: dpa

Selbst das Team Sky von Titelverteidiger Froome hatte zu Beginn drei Fahrer in der Gruppe, darunter Christian Knees. Sie sollten als Aufpasser fungieren für jene Fahrer, die in der Gesamtwertung derzeit noch recht nahe am Gelben Trikot sind. "Es waren drei, vier Leute dabei, denen wir nicht zu viel Zeit geben durften", erläuterte Skys sportlicher Leiter Nicholas Portal.

Auch Buchmann zählte neben dem Franzosen Pierre Latour zu dieser Gruppe von Fahrern, die Sky nicht einfach ziehen lassen konnte. Sein Rückstand auf Froome, mit dem er schließlich zeitgleich das Ziel in Station des Rousses erreichte, beträgt derzeit 1’33 Minuten. Und auch wenn der deutsche Kletterspezialist in erster Linie als Helfer für den Polen Rafael Majka vorgesehen ist, hat ihn die britische Equipe seit seinem guten Auftritt beim Critérium du Dauphiné durchaus auf der Rechnung.

"Wir würden unser Team sicher nicht killen, um ihn zurückzuholen", sagte Portal, "aber wir dürfen ihm auch nicht zu viel Raum lassen." Als sich die Dinge schließlich vorne zu ihrer Zufriedenheit geordnet hatten, zog Sky seine Fahrer aus der Spitze zurück und kontrollierte anschließend den Abstand des Feldes auf die Ausreißer. Im Ziel waren es dann nur noch 50 Sekunden auf den überraschenden Sieger Lilian Calmejane.

Königsetappe am Sonntag

Das alles hatte aber mehr als die Hälfte der Distanz von 187,5 Kilometern gedauert. Schwüle Hitze und ein Schnitt von 41,5 Stundenkilometern bedeuteten zusätzlich, dass dieser Tag an den Kräften zehrte. Was vor allem mit Blick auf die Königsetappe am Sonntag (09.07.2017) von Bedeutung sein dürfte. "Es ist unmöglich, dass dieser Tag nicht seine Opfer fordert", erklärte Froome. Der Titelverteidiger musste selbst eine Schrecksekunde überstehen, als er in einer scharfen Rechtskurve kurzzeitig von der Straße abkam, aber anders als sein Teamkollege Geraint Thomas auf dem Rad blieb.

Die 9. Etappe dürfte mit ihren insgesamt sieben Anstiegen, von denen drei der höchsten Kategorie zugeordnet sind, einer der entscheidenden Abschnitte für den Kampf um den Gesamtsieg werden. "Ich erwarte, dass die Gesamtwertung ordentlich durcheinander gewirbelt wird“, sagte Froome. Das Ziel liegt nicht auf einem dieser Gipfel, sondern folgt auf eine technisch sehr anspruchsvolle Abfahrt vom Mont du Chat und einem kurzen Flachstück hinein nach Chambery.

Zehn Prozent im Schnitt

Schon im vergangenen Jahr legte Froome den Grundstein für seinen dritten Toursieg auf einer Abfahrt in den Pyrenäen. Doch diesmal geht es wohl eher um die Anstiege. Der Mont Du Chat steht am Ende der Kletterei mit einer Länge von 8,7 Kilometern und durchschnittlich 10,3 Prozent Steigung.

Emanuel Buchmann kennt den Berg von der Dauphiné im Juni. Auch deswegen versuchte er auf dem Weg nach Station des Rousses mit seinen Kräften hauszuhalten, als klar war, dass der angepeilte Etappensieg außer Reichweite war. "Natürlich hatte ich im Hinterkopf, dass das morgen eine sauschwere Etappe wird", sagte er. Dann wird sich zeigen, wie viel Kraft ihn der kurze Flirt mit dem Gelben Trikot tatsächlich gekostet hat.