Marcel Kittel ist nicht aufzuhalten

Vierter Etappensieg für deutschen Sprinter

Marcel Kittel ist nicht aufzuhalten

Von Michael Ostermann (Bergerac)

Mit seinem überlegenen Sprinterfolg in Bergerac ist Marcel Kittel nun der deutsche Rekord-Etappensieger bei der Tour de France. Die Konkurrenten reagieren mit Respekt und Frust.

Manchmal ist das Ergebnis einer Sprintetappe einfach nur eine Frage der Perspektive. Also ließ sich John Degenkolb in Bergerac, dem Zielort des zehnten Abschnitts der Tour de France, von den Kollegen feiern. Degenkolb war am Dienstag (11.07.2017) als Zweitplatzierter ins Ziel gekommen. Hinter Marcel Kittel.

Froome ist beeindruckt

"Marcel ist im Moment auf einem anderen Planeten, was Explosivität und Schnelligkeit angeht", stellte Degenkolb fest. Auf der Erde war er demnach der schnellste Sprinter gewesen. Deshalb die Freude. Zumal Degenkolb immer noch mit den Folgen seines schweren Sturzes im Finale der 4. Etappe in Vittel zu kämpfen hat, bei dem er sich schwere Prellungen an der rechten Schulter zugezogen hatte.

Drei Radlängen Vorsprung hatte Kittel in Bergerac gehabt. Sein Sieg war so deutlich, dass niemand mehr daran zweifelt, dass er diesem vierten Etappensieg bei der diesjährigen Tour noch ein paar weitere wird folgen lassen. "Sehr, sehr beeindruckend", findet auch Christopher Froome, der Mann im Gelben Trikot, die Leistungen des deutschen Sprinters. "Er war schon in den vergangenen Jahren sehr stark, aber diesmal haut er richtig einen raus."

Mit dem Taxi nach vorne

Jeder sei zu schlagen, auch er, merkte Kittel dennoch in aller Bescheidenheit an. Wie das funktionieren soll, ist unklar. Auch Kittel selbst musste zugeben, dass er in Bergerac eine "ziemliche Demonstration" seiner Stärke abgeliefert hatte. Der 29-Jährige ist derzeit nicht nur der mit Abstand schnellste Sprinter, sondern macht zudem einfach keine Fehler. Zwei 90-Grad-Kurven galt es im Finale von Bergerac auf dem letzten Kilometer zu durchfahren. "Ich wusste, dass ich davor gut positioniert sein musste. Und das hat geklappt", sagte Kittel.

Als dann auf der rechten Straßenseite um die Positionen gekämpft wurde, behielt Kittel die Nerven. "Ich musste nur auf mein Taxi warten", sagte er. Das wurde in diesem Fall vom Briten Daniel McLay vom Team Fortuneo - Oscaro gesteuert, der sehr früh in den Wind ging. Kittel setzte sich an dessen Hinterrad und zog im Windschatten an den anderen Konkurrenten vorbei. 220 Meter startete Kittel dann seinen Sprint vor dem Ziel. Da war es für die anderen Topsprinter schon zu spät. "Wenn Kittel einmal vorbei ist, kann man ihn nicht mehr überholen", sagte der Belgier Marc Sergeant.

Greipel frustriert

Sergeant ist der Teamchef des belgischen Teams Lotto-Soudal, für das der dritte deutsche Topsprinter André Greipel fährt. Greipel wirkt zunehmend frustriert angesichts von Kittels Überlegenheit und den eigenen Fehlern in den Sprintfinalen. Dabei funktioniert sein Sprintzug meist sehr gut. Auch in Bergerac hatten sie Greipel gut auf die letzten 500 Meter gebracht. Doch diesmal zögerte der Sprinter aus Hürth bei Köln zu lange. Er wurde Zwölfter.

Mit den wartenden Reportern am Teambus wollte Greipel danach nicht sprechen. Teamchef Sergeant immerhin wechselte ein paar Worte mit seinem Sprinter. "Er hat gesagt, das ganze Team habe heute alles richtig gemacht, nur er nicht", berichtete Sergeant von dem kurzen Austausch.

In Grün nach Paris?

Während Greipel vor allem damit beschäftigt ist, seinen Frust zu verarbeiten, genießt Kittel die Leichtigkeit des Seins. Der Erfolg in Bergerac war der 13. Touretappensieg seiner Karriere. Damit hat er Erik Zabels zwölf Erfolge überboten und ist neuer deutscher Rekordetappensieger. Das mache in schon stolz, sagte Kittel. "Aber ich mache das nicht, um mit Krawall in irgendwelche Geschichtsbücher zu kommen. Mir macht einfach Spaß, was ich hier mache."

Sein Vorsprung im Grünen Trikot des Punktbesten beträgt schon jetzt 102 Punkte vor dem Australier Michael Matthews. Kittel wird das Maillot Vert wohl nach Paris tragen. Davon will Kittel allerdings noch nichts wissen. "Bei der Tour kann jeden Tag etwas passieren", sagte er und kündigte an, sich vor allem weiter auf Etappensiege zu fokussieren. Schließlich ist das der beste Weg, weitere Punkte für das Grüne Trikot zu sammeln. "Ich werde jetzt nicht nachlassen und mich weiter konzentrieren." Die Konkurrenten sollten sich also darauf einstellen, zweite Plätze als Erfolge zu feiern. So wie John Degenkolb in Bergerac.

Stand: 11.07.2017, 18:32

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