Nikias Arndt liefert Matthews für den Sieg ab

Als Anfahrer des Australiers

Nikias Arndt liefert Matthews für den Sieg ab

Von Michael Ostermann

Dank einer starken Teamleistung gewinnt der Australier Michael Matthews die 14. Etappe der Tour de France. Vor allem Nikias Arndt aus Köln hat seinen Anteil daran.

Die Geschichte eines Etappensiegs beginnt nicht immer erst im Laufe des Tages. In diesem Fall liegt der Anfang der Geschichte lange vorher: Sie begann vor zwei Monaten in Livigno. Dort haben Nikias Arndt und Michael Matthews die Grundlage dafür gelegt, dass der Australier am Samstag (15.07.2017) die 14. Etappe der Tour de France in Rodez gewinnen konnte.

An der Rampe abgeliefert

Die beiden Radprofis absolvierten dort in Italien ein Höhentrainingslager, um Form für den Juli aufzubauen. Aber vor allem auch, um sich besser kennenzulernen. Seitdem sind sie fast ständig gemeinsam unterwegs. Matthews schätzt die ruhige Art seines deutschen Kollegen. "Er wirkt viel älter, als er tatsächlich ist."

Arndt, 25, ist der entscheidende Mann für den Sprinter Matthews, sein Anfahrer. Seine Aufgabe ist es, den Australier im Finale an der richtigen Stelle abzusetzen. Meist ist das 200 Meter vor dem Ziel. Aber nicht immer. In Rodez war Arndts Arbeit am Fuße jener kurzen, aber fast zehn Prozent steilen Rampe 500 Meter vor dem Ziel beendet. Dort lieferte er seinen Kapitän wunschgemäß ab. "Danach war es an mir allein, es zu Ende zu bringen", erklärte Matthews.

Inniglich geherzt

Er tat das überzeugend, in dem er den Olympiasieger Greg Van Avermaet und den Norweger Edvald Boasson Hagen hinter sich ließ. Es war der Tag, den sie sich ausgeguckt hatten beim Team Sunweb. Matthews liegen solche Finals, aber ohne Arndt und den Rest seiner Mannschaft hätte er es kaum schaffen können. Den ganzen Tag lang waren die Trikots der Equipe vorne im Feld zu sehen gewesen.

Von dort kontrollierten sie den Abstand der Spitzengruppe, bis schließlich auch der letzte Ausreißer in Person von Thomas de Gendt eingesammelt war. Und Arndt anschließend seinen Teil des Jobs erledigen musste. "Er hat mir schon das Gefühl gegeben, dass ich meinen Anteil daran habe, dass er heute gewonnen hat", sagte Arndt hinterher, nachdem ihn Matthews im Gedränge hinter der Ziellinie inniglich geherzt hatte.

Eine Frage des Vertrauens

Michael Mathews (r.) fällt Nikias Arndt um den Hals

Michael Mathews (r.) fällt Nikias Arndt um den Hals.

Jeder Sieg ist im Verhältnis zwischen einem Sprinter und seinem Anfahrer auch immer eine Vertrauen bildende Maßnahme. Denn das ist der entscheidende Faktor. Wer bei Tempo 70 seinem Vordermann hinterherfährt, in der Hoffnung, dass der keinen Fehler macht und den Job erledigt, muss Vertrauen haben. Und er muss sicher sein, dass der da vorne nicht sein eigenes Süppchen kocht. Denn auch Anfahrer sind Sprinter.

"Es ist wichtig, dass man sich darauf verlassen kann, dass der Anfahrer nicht darauf spekuliert, dass der Sprinter hinter ihm das Hinterrad verliert und er dann selbst lossprinten kann", sagt Matthews. "Es muss klar sein, dass die 200-Meter-Marke seine Ziellinie ist." Arndt und Matthews sind seit zwei Monaten dabei, diese Vertrauensbasis aufzubauen. Viele Rennen sind sie vor ihrem gemeinsamen Trainingslager im Mai nicht gefahren. Aber gleich beim ersten gemeinsamen Sprint, bei der Tour de Suisse im Juni, sprang für Matthews ein Sieg heraus. "Das war ein guter Start", sagt der Australier.

Giro-Etappensieg in den Palmàres

Arndt, der in Köln lebt, war in den Jahren zuvor selbst ein passabler Sprinter. Ein Giro-Etappensieg steht in seinen Palmarès. Und im Januar noch hat er ein Rennen in Australien gewonnen. Auch für ihn ist die Ziellinie bisher immer der Fokus seiner Anstrengungen gewesen. Aber er hat geahnt, dass er in den Duellen mit den Topsprintern wie Marcel Kittel oder André Greipel meistens das Nachsehen haben würde und hat sich deshalb in die neue Rolle gefügt, die das Team für ihn vorgesehen hat.

Sein Teamchef Iwan Spekenbrink ist überzeugt davon, dass Arndt der weltbeste Anfahrer werden kann. Und auch Matthews, der seit Anfang der Saison für Sunweb fährt, hat das am Ruhetag der Tour schon zu Protokoll gegeben. "In den Sprints hat er ein kaltes Herz, er weiß immer, was das Richtige ist", sagt Matthews. Aber der Australier weiß auch, dass es lange dauert, bis ein nahezu blindes Verständnis zwischen Anfahrer und Sprinter besteht. So, wie es der Brite Mark Cavendish zu seinem Leadout-Fahrer Mark Renshaw hat. "So etwas entsteht nicht über Nacht."

Grün im Blick

Mit dem Tour-Etappensieg ist die Basis für weitere Erfolge gelegt. Matthews hofft mit Arndts Hilfe nun auch in den flachen Sprints weiter vorne zu landen als bisher und den Rückstand auf Kittel im Kampf um das Grüne Trikot des Punktbesten noch weiter verringern zu können. Platz zwei, drei und vier hat er schon belegt in diesem Jahr.

Kleinere Fehler im Leadout hat Matthews als Ursache dafür ausgemacht. Auch er habe nicht alles richtig gemacht. "Aber jetzt ist der Druck weg, das macht es einfacher", glaubt Matthews. Gut möglich, dass die Geschichte des nächsten Etappensiegs in Rodez ihren Anfang genommen hat.

Stand: 15.07.2017, 21:14

Wertung 21. Etappe

Name h
1. Dylan Groenewegen 2:25:39
2. André Greipel + 0
3. Edvald Boasson Hagen + 0
4. Nacer Bouhanni + 0
5. Alexander Kristoff + 0
6. Borut Bozic + 0
7. Davide Cimolai + 0
8. Pierre-Luc Périchon + 0
9. Rüdiger Selig + 0
10. Daniele Bennati + 0

Gesamtwertung

Name h
1. Christopher Froome 86:20:55
2. Rigoberto Urán + 54
3. Romain Bardet + 2:20
4. Mikel Landa Meana + 2:21
5. Fabio Aru + 3:05
6. Daniel Martin + 4:42
7. Simon Yates + 6:14
8. Louis Meintjes + 8:20
9. Alberto Contador + 8:49
10. Warren Barguil + 9:25
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