Tour-Aus für Martin nach Schlüsselbein-Trümmerbruch

Tony Martin im Ziel von Le Havre

Tour de France, 6. Etappe

Tour-Aus für Martin nach Schlüsselbein-Trümmerbruch

Tour-Aus in Gelb: Mit großen Schmerzen und gebrochenem Schlüsselbein lächelte Tony Martin im Maillot jaune gequält vom Siegerpodest, kurz darauf war die Tour de France für den tragischen Helden aber beendet.

Nach seinem schweren Sturz im Finale der sechsten Etappe ist die Frankreich-Rundfahrt für Martin nach zwei Tagen im Radsport-Himmel erneut zu einer bitteren Tour der Leiden geworden. Noch am Donnerstagabend (09.07.15) flog er in einem eigens für ihn organisierten Flugzeug nach Hamburg, um in der Nacht im BG-Unfallkrankenhaus operiert zu werden.

"Es ist ein offener Bruch, der es notwendig macht, sehr schnell operiert zu werden, damit sich keine Infektion einstellt", sagte Martin am Donnerstagabend im Teamhotel: "Ich brauche noch ein bisschen Zeit, um das alles zu verarbeiten. Aktuell bin ich einfach nur traurig." Auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz im Teamhotel Le Lion D'Or fügte er hinzu: "Bis zum Etappensieg war es eine Achterbahn der Gefühle. Der heutige Tag setzt dem Ganzen die Krone auf. Das ist bitter. Solche Geschichten kann nur die Tour de France schreiben. Ich hoffe, dass der Tag kommt, an dem ich darüber schmunzeln kann." Bei der Operation handelt es sich um einen längeren Routine-Eingriff. "Das Schlüsselbein ist richtig zertrümmert. Es wird ein Puzzle bei der OP", sagte Teamarzt Helge Riepenhof.

Stybar holt den Tagessieg

Der Sieger der sechsten Etappe: Zdenek Stybar

Der Sieger der sechsten Etappe: Zdenek Stybar

Martin dürfte jedoch bereits nach rund einer Woche wieder auf der Rolle trainieren können, mit einer Rückkehr ins Renngeschehen ist in rund sechs Wochen zu rechnen. Nach der Siegerehrung war Martin zur finalen Diagnose in ein Krankenhaus im Zielort Le Havre gebracht worden. Dass sein Quick-Step-Teamkollege Zdenek Stybar mit einem fulminanten Antritt Etappensieger geworden war, konnte die Stimmung in der belgischen Mannschaft auch nicht retten. "Ich bete, dass wir morgen mit ihm wieder das Gelbe Trikot verteidigen können", sagte Stybar - kurz darauf hatten sich die Hoffnungen zerschlagen.

In Le Havre war Martin am Donnerstag 800 Meter vor dem Ziel weit vorne im Feld fahrend ins Straucheln gekommen - ein ebenso schlichter wie verhängnisvoller Fahrfehler. Der dreimalige Zeitfahrweltmeister knallte mit der linken Körperhälfte auf den Asphalt, blieb dort minutenlang sitzen, ehe er langsam ins Ziel rollte.

"Wenn man fällt, fällt man eben sehr hart"

"Ich hatte wohl einfach Pech. Ich denke, dass ich das Hinterrad meines Vorderrads berührt habe. Und wenn man fällt, fällt man eben sehr hart", sagte Martin. Erinnerungen an die Tour 2012 wurden wach. Damals hatte sich Martin bei einem Sturz am zweiten Tag das Kahnbein der linken Hand gebrochen - danach quälte er sich aber noch mehr als eine Woche durch das Rennen, ehe er ausstieg.

Das am Dienstag erkämpfte Gelbe Trikot durfte Martin in Le Havre behalten. Da er innerhalb der letzten drei Kilometer stürzte, wurde er gemeinsam mit der ersten großen Gruppe hinter Stybar und zwei Sekunden Rückstand gewertet. Besonders bitter für Martin: Das Gelbe Trikot hätte er wohl noch bis Dienstag in die Pyrenäen tragen können. Der mitfavorisierte John Degenkolb (Gera/Giant-Alpecin) kam in Le Havre auf Platz vier, der zweifache Etappensieger Andre Greipel hatte mit dem Ausgang des Rennens nichts zu tun.

sid/red | Stand: 09.07.2015, 21:42

Tour de France | Gesamt

Name P
1. Christopher Froome 84:46:14
2. Nairo Quintana +1:12
3. Alejandro Valverde Belmonte +5:25
4. Vincenzo Nibali +8:36
5. Alberto Contador +9:48
6. Robert Gesink +10:47
7. Bauke Mollema +15:14
8. Mathias Frank +15:39
9. Romain Bardet +16:00
10. Pierre Rolland +17:30
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