Froome auch ohne Gelb in der besten Position

Chris Froome

Weil das Team Sky stärker ist als Astana

Froome auch ohne Gelb in der besten Position

Von Michael Ostermann (Peragudes)

Am Ende der 12. Etappe muss Christopher Froome überraschend das Gelbe Trikot an Fabio Aru abgeben. Der Brite hat aber weiterhin die beste Ausgangsposition für den Toursieg.

Der Mann im Gelben Trikot verschwand im Bus seines Teams Sky und tauchte eine knappe Viertelstunde später in Zivil wieder auf. Gekleidet mit dem weißen Trikot seiner Mannschaft. Das war eine neue Erfahrung für den dreimaligen Toursieger Christopher Froome und die wartende Reportertraube. Bislang war es immer so, dass er, einmal in Gelb gekleidet, das Trikot des Gesamtführenden bis nach Paris einfach anbehalten hatte.

Schlangenlinien vor dem Ziel

Nun aber durfte der Italiener Fabio Aru am Donnerstag (13.07.2017) in Peyragudes auf das Podium stiefeln und sich das begehrteste Hemd des Radsports überstreifen lassen. Froome musste unterdessen erstmals seit Jahren eine Niederlage bei der Tour erklären. "Das Finale war sehr schwierig und ich hatte einfach nicht die Beine heute", sagte der Brite. "Da gibt es keine Entschuldigungen."

Zuvor hatte er sich das Finale der 12. Etappe noch einmal angeschaut. Aus dem Teambus drangen die aufgeregten Stimmen der französischen TV-Reporter, die den Etappensieger Romain Bardet feierten. Froome konnte sehen, wie er auf der letzten bis zu 20 Prozent steilen Rampe hinauf ins Ziel Schlangenlinien gefahren war und die Konkurrenten hatte ziehen lassen müssen. 22 Sekunden büßte der Brite auf den letzten dreihundert Metern auf Bardet ein. 

Aru rechnet auf der Linie

Aru war zwei Sekunden nach dem Franzosen auf dem dritten Rang eingefahren und schilderte später, wie er sich schon auf der Ziellinie umgesehen hatte und ein, zwei schnelle Berechnungen anstellte. Da ahnte er schon, dass es inklusive der Zeitbonifikation für Platz drei reichen müsste für das Gelbe Trikot. "Als dann die Bestätigung kam, war das ein fantastisches Gefühl", erklärte der Italiener später strahlend.

Wie lange er dieses Gefühl wird genießen können, hängt auch davon ab, wie schwer Sky dieser erste von zwei Tagen in den Pyrenäen getroffen hat. Den ganzen Tag hatte Froome seine Mannschaft vor das Feld gespannt und dort den Rhythmus vor allem an den beiden schweren Anstiegen zum Port de Balés und dem Peyresourde so hoch gehalten, dass die Konkurrenz kaum nachkam. 

Alle Arbeit vergeblich

Der Kolumbianer Nairo Quintana und Alberto Contador waren unter den Opfern des hohen Tempos. Ihr Rückstand auf die Männer an der Spitze hat sich weiter vergrößert. So weit, so gut für Sky. Doch am Ende war all diese Arbeit ohne Ertrag. Statt der erwarteten Schlussattacke musste Froome die anderen ziehen lassen. Die Frage ist, was daraus nun folgt für die britische Mannschaft. "Sie sind sehr stolz und sie werden versuchen, die Führung schnell zurückzubekommen", vermutete Etappensieger Bardet. 

Allerdings neigt die britische Equipe nicht zur Panik. Denn obwohl Froome das Gelbe Trikot nun vorerst los ist, ist der 32-Jährige nach wie vor in einer sehr komfortablen Position. Sein Rückstand auf Aru beträgt nur sechs Sekunden. Selbst wenn Froome es bis zum vorletzten Tag der Tour nicht ins Maillot Jaune zurückkehren sollte, würde er sich wohl spätestens dann mit seinen Qualitäten im Zeitfahren wieder an die Spitze der Gesamtwertung setzen. 

Verantwortung bei Astana

Ein gute Minute Vorsprung sollten die Konkurrenten bis zu dem 22,5 Kilometer langen Zeitfahren auf der 20. Etappe in Marseille schon haben, um eine Chance auf den Gesamtsieg zu haben. Das gilt auch für Bardet, der mit seinem Etappensieg seine Ambitionen darauf, der erste französische Toursieger seit 1985 zu werden, eindrucksvoll unterstrich.

Die Verantwortung dafür, das Rennen zusammenzuhalten, liegt nun aber erst einmal bei Astana. Arus Mannschaft ist in den vergangenen Tagen jedoch arg gebeutelt worden. Der Italiener Dario Cataldo, einer der wichtigsten Helfer, ist nach einem Sturz auf der 11. Etappe nicht mehr dabei. 

Fuglsang verletzt

Der Däne Jakob Fuglsang, Sieger des Critérium du Dauphiné im Juni, war auf der gleichen Etappe ebenfalls zu Boden gegangnen und hatte sich kleinere Brüche am Kahnbein und am Radiusköpfchen in der Nähe des linken Ellenbogens zugezogen.

In Peyragudes kam er mit fast einer halben Stunde Verspätung an. Auch er wird Aru zunächst nicht unterstützen können. So bleiben Froome und Sky nach wie vor in der besten Ausgangsposition, obwohl der Kapitän sich zumindest farblich erstmal wieder einreihen muss. 

Stand: 13.07.2017, 18:43

Wertung 21. Etappe

Name h
1. Dylan Groenewegen 2:25:39
2. André Greipel + 0
3. Edvald Boasson Hagen + 0
4. Nacer Bouhanni + 0
5. Alexander Kristoff + 0
6. Borut Bozic + 0
7. Davide Cimolai + 0
8. Pierre-Luc Périchon + 0
9. Rüdiger Selig + 0
10. Daniele Bennati + 0
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