Fabio Aru gegen Chris Froome

Die Tour wird zum Kampf um jede Sekunde

Michael Ostermann (Foix)

Auf der kurzen, spektakulären 13. Etappe der Tour de France in den Pyrenäen rückt das Gesamtklassement noch enger zusammen. Das Team Sky erweitert seine taktischen Optionen beim Kampf um die Sekunden.

Noch während er auf der Rolle saß, um die Muskulatur zu lockern, ließ sich Romain Bardet die Ergebnisse der Etappe am Freitag (14.07.2017) auf einem Smartphone zeigen. Der Franzose, Dritter der Gesamtwertung mit 25 Sekunden Rückstand, studierte das Klassement aufmerksam. "Die Abstände sind immer noch sehr eng", stellte Bardet hinterher fest. Nach einer Etappe, die der Franzose als "sehr, sehr taktisch" empfunden hatte.

Neue Karte Landa

Fabio Aru (r.) und Chris Froome | Bildquelle: imago/Panoramic International

Tatsächlich hatte sich die nur 101 Kilometer lange 13. Etappe der Tour de France von St. Girons nach Foix über drei Anstiege der ersten Kategorie zu jenem Spektakel entwickelt, das vorher viele erwartet hatten. Von Beginn an wurde attackiert. Und vor allem das Team Sky um Christopher Froome, der am Vortag das Gelbe Trikot hatte abgeben müssen, spielte seine Karten geschickt. "Es war ein wunderbares Gefühl, mal ein paar Dinge auszuprobieren und nicht defensiv fahren zu müssen", berichtete Froome.

Der Brite hatte allen Grund, gut gelaunt zu sein. Für ihn hat sich die Situation weiter verbessert. Zwar liegt er in der Gesamtwertung immer noch sechs Sekunden hinter dem Italiener Fabio Aru. Aber dadurch, dass sein Teamkollege Mikael Landa mit der Spitzengruppe um den Tagessieger Warren Barguil und 1'36 Minuten Vorsprung auf die Gruppe mit Aru und Froome ins Ziel gekommen war, hat Sky nun eine weitere taktische Möglichkeit. "Mikel ist für uns eine großartige Karte, die wir spielen können", meinte Froome.

Froome bleibt der Leader

Landas Rückstand in der Gesamtwertung beträgt nun nur noch 1'05 Minuten. Attackiert er in den kommenden Tagen, müssen all jene, die auf einen Podiumplatz in Paris schielen, mitgehen. Das gilt insbesondere für Spitzenreiter Aru. Schon in Foix wurde er gefragt, ob er nicht hinterher fahren müssen hinter Landa. "Ich wusste das er es probieren würde", sagte der Italiener. "Ich kann aber nicht jedem hinterher fahren. Ab jetzt werde ich auf ihn aufpassen. Er wird künftig weniger Raum kriegen."

Vermutungen, Landa werde vielleicht sogar in die Kapitänsrolle bei Sky rutschen, wiesen sie bei der britischen Equipe allerdings gleich zurück. "Froome bleibt unser Leader", betonte Servais Knaven, einer der beiden sportlichen Leiter des Teams. Zumal Froomes vermeintliche Schwäche, die nach seinem Zeitverlust am Vortag in Peragudes für Verwunderung gesorgt hatte, so groß nicht zu sein scheint.

Arus Probleme

Froome beherrscht auch die Kunst des Bluffs. An der Mur de Péguère hielt er sich lange am Ende der stark zusammengeschrumpften Gruppe um das Gelbe Trikot auf, lancierte dann aber urplötzlich eine unerwartete Attacke. Diese war zwar nicht von Erfolg gekrönt, signalisierte den Konkurrenten aber, sich nicht zu sicher zu fühlen. "Ich habe damit gerechnet, dass er angreifen würde", sagte Aru. "Ich habe versucht in jedem Moment an seiner Seite zu sein."

Welche Probleme auf den Italiener bei den verbleibenden acht Etappen noch zukommen, war jedoch schon an diesem zweiten und letzten Tag in den Pyrenäen deutlich zu sehen. Der Italiener ist beim Versuch, die Tour zu gewinnen, komplett auf sich alleine gestellt. Ein Team, das das Rennen kontrollieren kann, steht ihm nicht zur Verfügung. Am Freitag war er schon am ersten Anstieg des Tages komplett ohne Helfer an seiner Seite. Der Däne Jakob Fuglsang musste den Folgen eines Sturzes auf der 11. Etappe endgültig Tribut zollen und gab das Rennen ganz auf.

Nächste Station Zentralmassiv

Sky und die anderen Konkurrenten werden in den kommenden Tagen keine Gelegenheit auslassen, um Aru aus der Reserve zu locken. Möglicherweise schon im Zentralmassiv, durch das die Rundfahrt am Wochenende weitergeht, und nicht erst in den Alpen, wo noch zwei extrem schwere Hochgebirgsetappen warten. Denn längst hat sich der Kampf um das Gelbe Trikot in einen Fight um Sekunden entwickelt.

Auf der fast 30 Kilometer langen Abfahrt von der Mur de Péguère hinunter nach Foix hatte es jeder der Mitfavoriten mal mit einer Attacke versucht. Lediglich dem Iren Daniel Martin gelang es jedoch gemeinsam mit dem Briten Simon Yates, ein paar Sekunden herauszufahren. Auch sie schielen noch Richtung Podium in Paris. "Es war ein verdammt harter Tag auf dem Rad", gab Martin in Foix zu Protokoll. Weitere werden folgen.