Erster Etappensieg für Bora-hansgrohe

Tour de France: Sagan macht sein Team glücklich

Michael Ostermann (Longwy)

Peter Sagan gewinnt erwartungsgemäß die 3. Etappe der Tour de France. Für ihn ist es bereits der achte Tour-Etappensieg seiner Karriere - für sein Team eine Premiere.

Der Weltmeister rülpste herzhaft trotz all der Kameras, die auf ihn gerichtet waren und Bilder und Töne live in alle Welt sendeten. Anschließend schleuderte er die leer getrunkene Plastikflasche des Wassersponsors der Tour de France in hohem Bogen in die Luft. So feierte Peter Sagan am Montag (04.07.2017) den achten Tour-Etappensieg seiner Karriere.

Zwischen Punk und Clown

Man wird manchmal nicht recht schlau aus diesem Mann mit der wilden Mähne und dem wüsten Dreitagebart. Sagan changiert zwischen Punk und Clown, aber er kann dann auch wieder einen Satz einstreuen, der ihn als durchaus nachdenklichen Radprofi erscheinen lässt. Auch nach der 3. Etappe im Ziel in Longwy bot er die ganze Bandbreite seines Charakters, als er hinter dem Podium mit einer um den Hals baumelnden Skibrille auftauchte.

So dachte man zumindest. "Motocross", rief Sagan entrüstet, wenn er darauf angesprochen wurde, "warum reden alle vom Skifahren?" Eine Erklärung blieb er jedoch schuldig. Den Weg zum Etappensieg beschrieb er immerhin sehr viel ausführlicher: "Es war ein Finale mit vielen schwierigen Momenten."

Aus der Pedale gerutscht

Nach einer sehr welligen Etappe durch die Ardennen endete der Tag an einem 1,6 Kilometer langen Steilstück mit bis zu elf Steigungsprozenten. Marcus Burghardt hatte Sagans Team Bora-hansgrohe mit hohem Tempo dort abgeliefert. Und weil auch die Teams der Favoriten vorne mitmischten, um ihre Kapitäne vor Zeitverlusten zu bewahren, ging es in hohem Tempo und mit einigen Attacken hinauf ins Ziel.

Sagan war dabei die gesamte Zeit gut positioniert und ließ sich nicht einmal groß irritieren davon, dass er zwischendurch aus der Pedale rutschte. "Ich hatte Glück, dass ich die Pedale direkt wieder gefunden habe", sagte er. Danach bedankte er sich artig bei allen seinen Teamkollegen, speziell bei seinem Bruder Juraj. Der hatte viel Tempoarbeit im Feld gemacht, um die neunköpfige Ausreißergruppe des Tages an der kurzen Leine zu halten.

Das erste Mal für Denk

Und weil Sagan auch in Sachen Marketing ein Profi ist, vergaß er nicht, den Namen des Teams in jede Kamera zu sprechen. So macht man die Sponsoren glücklich. Große Freude löste sein Sieg bei seinem Teamchef Ralph Denk aus, der nun endlich das erste Mal einen Tour-Etappensieg seiner Equipe bejubeln durfte: "Das ist ein großer Moment für mich."

2009 bei der Rad-WM in Mendrisio hatte Denk erstmals sein Profiteam auf Continental-Niveau präsentiert und angekündigt, die Mannschaft langfristig an die Weltspitze führen zu wollen. Das ist ihm gelungen. 2014 durfte seine Equipe erstmals mit einer Wildcard an der Tour teilnehmen. Seitdem ist Denk mit seinem Team jedes Jahr dabei gewesen. Diesmal brauchte es dafür nicht einmal mehr eine Einladung des Veranstalters, weil man seit Saisonbeginn zum elitären Kreis der World-Tour-Teams gehört.

Nicht die letzte Feier

Der deutsche Meister Burghardt, der mit seiner Arbeit großen Anteil an dem Erfolg hatte, vermutete, man werde am Abend sicher noch "ein Glas Rotkäppchen-Sekt" trinken. Es soll auch nicht die letzte Feier gewesen sein, die man bei Bora-hansgrohe steigen lässt. Das Ziel des Teams bleibt ein guter Platz in der Gesamtwertung mit dem Polen Rafal Majka, der in den Bergen von Emanuel Buchmann unterstützt wird. Beide kamen an der Seite der Favoriten mit zwei Sekunden Rückstand auf Sagan ins Ziel.

Der Weltmeister wiederum soll das Regenbogentrikot möglichst bald schon gegen das Grüne Trikot des Sprintbesten tauschen, das derzeit noch auf den Schultern von Marcel Kittel ruht. Sollte Sagan das "Maillot Vert" tatsächlich nach Paris tragen, hätte er den Rekord von Erik Zabel eingestellt. Ob ihm das etwas bedeuten würde, wurde er in Longwy zum Abschluss noch gefragt. "Nein, das ist nicht wichtig", erklärte er, "was würde sich für die Welt ändern, wenn ich es gewinne? Gar nichts. Es gibt wichtigere Dinge im Leben." In wenigen Monaten wird Sagan Vater.