Bora-hansgrohe - Doppelspitze mit Sagan und Majka

Peter Sagan

Deutsches World-Tour-Team mit großen Zielen

Bora-hansgrohe - Doppelspitze mit Sagan und Majka

Von Michael Ostermann

Das Team Bora-hansgrohe hat sich binnen eines Jahres in die Weltspitze des Radsports katapultiert. Das hat nicht nur mit Weltmeister Peter Sagan zu tun. Auch bei der Tour soll es keine One-Man-Show geben.

Im Juni 2016 hatte das Team Bora-Argon18 nach Düsseldorf geladen. In einem Saal des Rathauses wurden jene neun Fahrer präsentiert, die die Equipe bei der Tour de France vertreten sollten. Auf ihren Trikots prangte ein Logo des Grand Départs 2017 in der Landeshauptstadt von NRW.

Alles anders

Diese Werbung für Düsseldorf sollte dem Team ein bisschen mehr Aufmerksamkeit bescheren. Denn sportlich zählte die Mannschaft damals zu den Außenseitern. Bei der Tour de France durfte man nur aufgrund einer Wildcard des Veranstalters starten. Das damals schon kursierende Gerücht, Weltmeister Peter Sagan würde im kommenden Jahr zum Team stoßen, wurde belächelt und von Teammanager Ralph Denk auch brav dementiert.

Zwölf Monate später ist alles anders bei Bora-hansgrohe, wie die Mannschaft wegen eines neuen Co-Sponsors inzwischen heißt. PR-Aktionen wie jene im Düsseldorfer Rathaus sind nicht mehr nötig. Denn auf dem Regenbogentrikot des Weltmeisters Sagan, des Superstars des Radsports, prangt tatsächlich der Schriftzug des deutschen Teams. Die Equipe gehört zu den 18 World-Tour-Teams, die bei der Tour de France automatisches Startrecht genießen und hat in dieser Saison bereits 14 Siege eingefahren. Vier mehr als im gesamten vergangenen Jahr.

Auf einmal groß - der Aufstieg des deutschen Teams Bora

Sportschau | 29.06.2017 | 02:14 Min.

Keine One-Man-Show

Das ist auch, aber nicht nur Sagans Verdienst, der bislang sechs Erfolge in die Bilanz eingebracht hat. Bora-hansgrohe ist keine One-Man-Show mit einem Haufen Nebendarstellern. Das ist vielleicht die größte Leistung der Mannschaft, die binnen einen Jahres vom zweitklassigen Rennstall zum derzeit achtbesten Team der Welt geworden ist. Den bislang größten Sieg fuhr nicht Sagan, sondern der Österreicher Lukas Pöstlberger ein. Im Mai gewann er die erste Etappe des Giro d'Italia und schlüpfte für einen Tag ins Rosa Trikot.

Auch bei der Tour ist das Team vielseitig aufgestellt. Sagan, der in den Sprints mit den Topleuten mithalten kann, bei mittelschweren Finals ganz vorne landet und sich auch in den Bergen die Punkte in den Zwischensprints sichert, will zum sechsten Mal in Folge das Grüne Trikot des Punktbesten nach Paris tragen und damit den Rekord von Erik Zabel einstellen. Es gibt niemanden der daran zweifelt, dass dem Slowaken dies gelingen wird. "So lange Sagan dabei ist, ist das Grüne Trikot vergeben", sagt etwa der deutsche Sprinter André Greipel vom Team Lotto-Soudal.

Buchmann als Helfer für Majka

Sagan ist jedoch nicht die einzige Option für Bora-hansgrohe. In der Gesamtwertung peilt das Team einen Platz unter den Top 10 an. Dafür sorgen soll der Pole Rafal Majka, der bereits zwei Mal das gepunktete Bergtrikot der Tour de France gewinnen konnte. Seine Generalprobe bei der Slowenien-Rundfahrt beendete er mit dem Gesamtsieg. Mit Blick auf die beiden Ziele wurden auch die neun Fahrer für die Tour ausgewählt. "Wir mussten eine Balance finden aus Helfern für Peter und Rafal. Ich denke, wir haben einen guten Mix aus Allroundern, schnellen Fahrern und Kletterern gefunden" ,sagt Sportdirektor Enrico Poitschke. 

Alberto Contador (vorne) und Emanuel Buchmann

Am Berg bei den Favoriten: Emanuel Buchmann bei der Dauphiné hinter Alberto Contador

Unterstützt werden die beiden Kapitäne des Teams unter anderem vom tempoharten Marcus Burghardt, der sich am Sonntag (25.06.17) in Chemnitz den deutschen Meistertitel holte. Burghardt soll vor allem auf den flachen Teilstücken Majka aus dem Wind halten und muss in der Sprintvorbereitung für Sagan arbeiten. In den Bergen steht Majka dann Emanuel Buchmann zur Seite. Der 24-Jährige gilt als das größte deutsche Rundfahrtalent seit langem. Im vergangenen Jahr beendete er seine zweite Tour de France auf Rang 21.

Unter den Allerbesten

Seitdem hat er noch einmal einen großen Schritt Richtung Weltspitze gemacht. Beim wichtigsten Vorbereitungsrennen auf die Tour, der Dauphiné-Rundfahrt, belegte Buchmann den siebten Gesamtrang und gewann das Trikot des besten Nachwuchsfahrers. Noch beeindruckender aber war, dass er in den Bergen mit den Tourfavoriten Christopher Froome, Richie Porte, Alberto Contador und Fabio Aru mithalten konnte. "Ich bin nun bei den Allerbesten angekommen", stellte Buchmann danach trocken fest.

Bei der Tour soll Buchmann jedoch zunächst einmal seine Helferdienste leisten. Bei Bora-hansgrohe ist man darauf bedacht, dem talentierten jungen Mann aus Ravensburg nicht zu früh zu großen Druck aufzuhalsen. Für Aufmerksamkeit sollen erst einmal andere Sorgen. Aber in drei Wochen kann viel passieren.

Stand: 26.06.2017, 08:35

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