Weltmeister Sagan muss die Tour verlassen

John Degenkolb (Mitte) sitzt am Boden

Tour de France

Weltmeister Sagan muss die Tour verlassen

Von Michael Ostermann (Vittel)

Peter Sagan verursacht im Finale der 4. Etappe der Tour de France einen schweren Sturz und wird von der Jury disqualifiziert. Für Mark Cavendish ist die Rundfahrt ebenfalls beendet.

Nach all der Aufregung in den zwei Stunden davor war die Mitteilung, die Philippe Marien am Dienstag (04.07.2017) kurz nach 19 Uhr machte, erstaunlich nüchtern vorgetragen. "Peter Sagan wird von der Tour de France 2017 disqualifiziert, weil er einen anderen Fahrer im Finale der 4. Etappe ernsthaft gefährdet hat", teilte der Präsident der Rennjury im Pressezentrum in Vittel mit.

Cavendish irritiert

Jener Fahrer, der durch den Weltmeister gefährdet worden war, befand sich zur selben Zeit, als Marien Sagans Auschluss verkündete, nur 50 Meter Luftlinie entfernt im Röntgen-Truck der Tour. Kurze Zeit später verließ Mark Cavendish den mobilen Untersuchungsraum, den rechten Arm in einer Schlinge. Es gehe ihm ganz gut. Er werde jetzt für weitere Untersuchungen ins Krankenhaus gebracht. Dort wurde dann ein Bruch des Schulterblatts festgestellt. Das Tour-Aus für Cavendish.

Cavendish war im Finale der Etappe 125 Meter vor dem Ziel von Sagan in die Barrieren gedrängt worden. Zu diesem Zeitpunkt bestand die Spitze bereits nur noch aus acht Mann, weil schon kurz zuvor ein Sturz den Großteil der Fahrer gestoppt hatte. Der Slowake war rechts rausgefahren und hatte Cavendish den Platz genommen. "Das war eine normale Rennsituation", befand der Brite hinterher. "Aber das mit dem Ellenbogen irritiert mich."

Degenkolb ohne Brüche

Als Sagan und Cavendish Schulter an Schulter nebeneinander fuhren, gab der Mann im Regenbogentrikot dem Briten noch einen Schlag mit dem Ellenbogen mit, wodurch dieser endgültig in die Barrieren stürzte. Dieser Ellenbogencheck war es letztlich, der zu Sagans Disqualifikation führte. Cavendish hatte danach minutenlang auf der Straße gelegen und sich nur langsam wieder aufgerichtet. Blut sickerte aus seinem Rennhandschuh. Die Wunde an der Hand musste später genäht werden. Unmittelbar nachdem Cavendish sich mit Hilfe seines Teamkollegen Mark Renshaw ins Ziel geschleppt hatte, entschuldigte sich Sagan bei dem Briten.

Auch John Degenkolb war durch den Crash zu Fall gekommen. "Ich habe nur mitbekommen, wie Cavendish plötzlich vor mir auf der Straße lag und habe versucht, über ihn zu springen." Dabei hatte er jedoch zuviel Vorlage und überschlug sich. Degenkolb musste danach ebenfalls den Röntgen-Truck aufsuchen. "Es ist zum Glück nichts gebrochen", berichtete er nach der Untersuchung. "Aber die nächsten Tage werden hart." Auch er wirkte nicht besonders zuversichtlich.

Entschuldigung von Greipel

Unmittelbar nach der Zielankunft, die der Franzose Arnaud Démare gewann, waren die Emotionen hoch gekocht. Sagan geriet hinter der Ziellinie mit André Greipel aneinander. Der deutsche Sprinter war der erste, der Anklage gegen den Weltmeister erhob. "Da fährt einer im Weltmeister-Trikot herum, der meint, er kann sich alles erlauben", schimpfte Greipel. "Da müssen auch die Kommissäre endlich mal was tun, denn auch ein Weltmeister wie Peter Sagan muss sich an die Regeln halten."

Später am Abend zog Greipel die Anklage via Twitter zurück. Er hätte sich wohl zuerst die Bilder anschauen sollen, erklärte er und entschuldigte sich bei Sagan.

Sagans Team legt Protest ein - erfolglos

Dass die Rennjury den Slowaken, der am Vortag noch der strahlende Sieger gewesen war, tatsächlich aus dem Rennen nahm, war dann aber schon überraschend. Das Regenbogentrikot hat einen großen Stellenwert im Radsport, und sein Träger genießt gewisse Privilegien.

Natürlich gelten die Regeln aber auch für Sagan. Dennoch ist der Ausschluss eine sehr harte Strafe. Zumal auf den TV-Bildern zu sehen ist, dass Cavendish schon vorher das Gleichgewicht verliert. Je nach Perspektive kann auch der Ellenbogencheck anders bewertet werden. Aus der Vogelperspektive sieht es in der Tat so aus, als würde Sagan seinem Konkurrenten einen Schlag mitgeben. Von vorne wirkt es eher als sei die Bewegung mit dem Ellenbogen damit zu erklären, dass Sagan damit versucht, selbst die Balance zu halten. Das Team Bora-hansgrohe legte Protest gegen die Entscheidung ein, der aber von der Jury abgelehnt wurde. "Für uns war das ein Rennunfall", sagte Team-Manager Ralph Denk am Mittwoch im ZDF-Morgenmagazin. Sein Team werde jetzt "sportlich reagieren".

Stand: 05.07.2017, 10:59

Wertung 21. Etappe

Name h
1. Dylan Groenewegen 2:25:39
2. André Greipel + 0
3. Edvald Boasson Hagen + 0
4. Nacer Bouhanni + 0
5. Alexander Kristoff + 0
6. Borut Bozic + 0
7. Davide Cimolai + 0
8. Pierre-Luc Périchon + 0
9. Rüdiger Selig + 0
10. Daniele Bennati + 0

Gesamtwertung

Name h
1. Christopher Froome 86:20:55
2. Rigoberto Urán + 54
3. Romain Bardet + 2:20
4. Mikel Landa Meana + 2:21
5. Fabio Aru + 3:05
6. Daniel Martin + 4:42
7. Simon Yates + 6:14
8. Louis Meintjes + 8:20
9. Alberto Contador + 8:49
10. Warren Barguil + 9:25
Darstellung: