Positiver Test im März 2016

Bora muss Dopingfall aus dem Vorjahr erklären

Michael Ostermann (Bergerac)

Das deutsche Team Bora-hansgrohe hatte im vergangenen Jahr noch unter anderem Namen einen Dopingfall. Erst jetzt kommt der positive Test des Ex-Fahrers Ralf Matzka an die Öffentlichkeit. Die Frage ist, warum so spät.

Der ehemalige Radprofi Ralf Matzka, der in der vergangenen Saison noch für das Team Bora-Argon 18 fuhr, ist bei einer Trainingskontrolle am 3. März 2016 positiv auf die verbotene Substanz Tamoxifen getestet worden. Der Fall war bislang nicht öffentlich bekannt. Eine Sperre wurde bislang nicht ausgesprochen. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.

Verunreinigtes Wasser als Ursache?

Erst auf Nachfrage nahm das Team nun Stellung zu dem Fall. Das Mittel sei nur in geringen Mengen im Urin Matzkas nachgewiesen worden. "Als wahrscheinlichste Ursache wurde die Verunreinigung eines konkreten Nahrungsmittels identifiziert", hieß es in einer Mitteilung der Ralph Denk pro cycling GmbH, "dies folgt aus mehreren Gutachten nahmhafter Experten." Laut Teammanager Denk habe es sich dabei um ein Trinkwasser gehandelt.

Hajo Seppelt: "Es geht um fehlende Transparenz" | Sportschau | 11.07.2017 | 04:30 Min. | Verfügbar bis 11.07.2018 | Das Erste

Aus Schutz des Athleten sei man deshalb nicht an die Öffentlichkeit gegangen. Zudem sei ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Frankfurt mangels Tatverdachts im September 2016 eingestellt worden. Matzka gehörte von 2013 bis 2016 zum Team von Ralph Denk, das in dieser Saison unter dem Namen Bora-hansgrohe in der World Tour fährt. Denk erklärte in der ARD, dass man Matzka angehört habe. "Der Fahrer hat uns glaubhaft versichert, dass er nichts Verbotenes eingenommen hat", sagte Denk.

Matzkas Rechtsanwalt sieht WADA in der Pflicht

Der Klassikerspezialist, der unter anderem zwei Mal bei Paris-Roubaix am Start stand, aber nie eine große Rundfahrt bestritt, fuhr sein letztes Rennen als Profi am 3. April bei der Flandern-Rundfahrt. Matzka hat seine Karriere inzwischen beendet. "Es geht ihm nicht gut", sagte Denk. Tamoxifen ist ein Mittel, das zur Therapie von Brustkrebs eingesetzt wird. Es dient auch der Verschleierung anderer Dopingsubstanzen und hat einen anabolen Effekt.

Team Bora wird von Dopingfall eingeholt | Sportschau | 11.07.2017 | 05:58 Min. | Verfügbar bis 11.07.2018 | Das Erste

Matzkas Rechsanwalt Rainer Cherkeh verweist unterdessen auf ein Gutachten, nach dem Mittel wie Tamoxifen immer häufiger die Umwelt kontaminieren. Das könnte in Matzkas Fall die Aufnahme der Substanz über Trinkwasser erklären. "Die WADA und die Sportverbände stehen daher in der Pflicht, Athleten bei dieser Erkenntnislage vor zweifelhaften oder gar falschen Dopinganschuldigungen effektiv zu schützen", erklärte Cherkeh.

BDR und NADA verweisen auf UCI

Weder der Radsport-Weltverband UCI noch der Bund Deutscher Radfahrer hatten den Fall bislang öffentlich gemacht. Der BDR erklärte, man sei im April 2016 von der UCI informiert worden und habe anschließend die Nationale Anti-Doping-Agentur NADA eingeschaltet, die das Verfahrensmanagement bei Dopingfällen für den BDR übernimmt. Die NADA hat das Verfahren an die UCI zurückgeben, da es sich um ein internationales Verfahren handelt. "Die Zuständigkeit der Veröffentlichung nach Verfahrensabschluss liegt bei der UCI", teilte die NADA mit.

"Uns liegen zum noch laufenden Verfahren in der Sache Ralf Matzka bis heute keine Detailinformationen vor. Der Sportler ist bisher nicht vorläufig suspendiert worden und die Verantwortung für den Fall liegt bei der UCI. Der BDR hat gar keine Berechtigung, hier vor Abschluss des Verfahrens eine Veröffentlichung vorzunehmen“, erklärte BDR-Generalsekretär Martin Wolf.

Die UCI erklärte auf Nachfrage, dass auf den Nachweis einer Substanz wie Tamoxifen nicht zwingend eine vorläufige Suspendierung folgen müsse. Das Verfahren gegen Matzka sei noch nicht abgeschlossen, weshalb man zum konkreten Fall keine weiteren Angaben machen werde.