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Eisschnelllauf
Wegen Knieproblemen
Anni Friesinger beendet ihre Karriere
Anni Friesinger-Postma hat ihre Karriere beendet. Die dreimalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin und 16-malige Weltmeisterin gab diese Entscheidung am Mittwoch (14.07.10) in einem von ihrem Manager Klaus Kärcher verfassten Statement bekannt.
Anni Friesinger-Postma
"Wer mich kennt, weiß, dass ich alles dafür gegeben habe, um bei der WM in Inzell noch einmal am Start stehen zu können", wird Friesinger-Postma zitiert: "Ich muss jetzt aber anerkennen, dass es mein Kniegelenk nicht zulässt, weiter Hochleistungssport zu betreiben. Natürlich ist dieser Schritt nicht einfach, aber ich freue mich jetzt auch auf die Aufgaben, die vor mir liegen, und werde diese mit vollem Elan angehen".
Nach der schweren Operation am rechten Knie im März 2010 hatte sich die 33-Jährige umgehend in Rehabilitation begeben, um sich ihren Traum von einer WM-Teilnahme 2011 in Inzell doch noch zu erfüllen. In den vergangenen Tagen und Wochen war dann aber klar geworden, dass eine verantwortungsvolle Behandlung keine weiteren Höchstbelastungen des Kniegelenks mehr zulässt. Chef-Bundestrainer Markus Eicher war nicht überrascht von der Entscheidung: "Ich kenne Anni von Geburt an, war mit ihren Eltern befreundet. Ich wusste von ihren gesundheitlichen Schwierigkeiten auch nach den wiederholten Operationen." Es sei schade, "dass sie zurücktritt, aber ich glaube, es ist eine vernünftige Entscheidung, und ich akzeptiere es. Denn es gibt ein Leben nach dem Sport."
"Schwer zu schließende Lücke"
Gerd Heinze, Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG), lobte seine langjährige Ausnahmesportlerin in den höchsten Tönen: "Sie ist für den Eisschnelllauf national wie international eine hervorragende Botschafterin gewesen und hinterlässt eine schwer zu schließende Lücke." DESG-Sportdirektor Günter Schumacher sprach von einer "charmanten Ausnahmeathletin mit einem einmalig hohen Erfolgsanspruch, die ungern Kompromisse einging, sich trotz immer wechselnder Bedingungen nicht verbiegen ließ und immer ihrem Charakter treu blieb".
Dr. Volker Smasal, der langjährige Vertrauensarzt der Athletin, unterstützte die Entscheidung der Athletin ebenfalls: "Es war klar, dass auf Anni Friesinger-Postma eine sehr lange Rehabilitationszeit zukommen würde. Wir sind nach der Operation die Nachbehandlung und Rehabilitation immer so angegangen, dass Anni sich ihren Traum von einer Teilnahme bei der Heim-WM in Inzell möglicherweise erfüllen kann." Man habe immer gewusst, dass dieser Weg äußerst schwierig würde und nur bei optimalem Verlauf und besten Umfeldbedingungen bewältigt werden könnte. "Ich habe als Arzt aber auch die Verantwortung, dass meine Patientin Anni Friesinger-Postma nach dem Leistungssport noch ein funktionstüchtiges Gelenk und in den kommenden Jahren Spaß am Leben hat", sagte Smasal.
Spektakulärer Rutscher in Vancouver
Orthopäde Smasal und sein Partner Ralph Linke hatten im März in Friesinger-Postmas rechtem Knie einen schweren Knorpelschaden an zwei Stellen festgestellt. Smasal sprach damals von einer "ernsthaften Verletzung". Das Kernspintomogram habe zuvor nur eine der beiden beschädigten Stellen angezeigt. "Das war nicht angenehm zu sehen, aber wir haben ohnehin nicht mit einer Bagatelle gerechnet", sagte Smasal seinerzeit.
Die Team-Olympiasiegerin, deren spektakulärer Rutscher im Halbfinale von Vancouver unvergessen bleibt, war von Smasal bereits im Sommer 2008 am Knie operiert worden. Seitdem klagte sie immer wieder über Probleme mit dem Gelenk. In der abgelaufenen Saison stand Anni Friesinger-Postma nur beim Olympiasieg mit der Mannschaft auf dem Siegertreppchen. In den olympischen Einzelrennen hatte sie eine Medaille klar verpasst. Im Weltcup blieb sie erstmals seit 1998/99 ohne eine Podest-Platzierung.
Verletzung zunächst offenbar unterschätzt
Zwei Wochen nach ihrem Triumph in Vancouver war sie beim Weltcup-Finale in Heerenveen noch über 1500 m (Platz neun) und auch kurzfristig im Teamrennen für Daniela Anschütz-Thoms eingesprungen. Die dann anstehende Operation hatte sie locker beschrieben: "Da werden die Stellen geglättet, die Reibung verursachen. Dieser Eingriff hätte eigentlich schon im Dezember erfolgen müssen - aber da hatte ich keine Zeit."
Im letzten Einzelrennen ihrer Karriere waren ihre Schwierigkeiten mit dem Knie dann erneut offen zu Tage getreten. "Ich kam nicht in die tiefe Rennposition. Das war in der kompletten Saison mein Problem", sagte Friesinger-Postma. Nach intensiven Gesprächen mit ihrem Arzt, ihrer Familie und ihrem engstem Vertrautenkreis hat sich eine der erfolgreichsten und populärsten deutschen Eisschnellläuferinnen der Geschichte dann aber schließlich zum Rücktritt entschieden. "Ich freue mich im Interesse ihrer Gesundheit und Familie über ihre Entscheidung, die leistungssportliche Karriere zu beenden", sagte Smasal: "Ich wünsche Anni für ihre private und berufliche Zukunft nur das Beste."
sid | Stand: 14.07.2010, 11:14
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