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12.03.2010 | 06.28 Uhr

Biathlon

Interview mit Dimitri Jaroschenko

"Opfer der Situation"

Dimitri Jaroschenko gehört zu den besten Biathleten Russlands. Der heute 33-Jährige holte mit der Staffel 2007 und 2008 die Goldmedaille. Im Dezember 2008 wurde er des EPO-Missbrauchs überführt und für zwei Jahre gesperrt. Im Interview mit sportschau.de spricht er über systematisches Doping in Russland und die vielen russischen Dopingfälle der vergangenen Monate.

sportschau.de: Herr Jaroschenko, Sie wurden positiv auf das Blutdopingmittel EPO getestet, genauso wie die Weltmeisterin Jekaterina Jurjewa und die Olympiasiegerin Albina Achatowa. Die drei Stars des russischen Biathlons – alle zur gleichen Zeit mit dem gleichen Mittel gedopt. Das sieht nach systematischem Doping aus.

Dimitri Jaroschenko: "Ja, die Leute denken, das sei systematisches Doping. Sie denken vielleicht, das sei eine direkte Folge des russischen Sports generell. Aber wir sehen uns eher als Opfer dieser Situation. Ich versichere Ihnen, da ist ein tragischer Fehler passiert."

Wie kam es denn zu dem positiven EPO-Befund aus Ihrer Sicht?

Jaroschenko: "Mein Körper war im November 2008 sehr erschöpft, da gab mir unser Teamarzt ein Mittel, das er "cardio protector" nannte. Er sagte, dieses Mittel stehe nicht auf der Dopingliste und sei auch kein Doping. Er hat mir das Mittel gespritzt. Ich war überhaupt nicht besorgt. Es war ein Schock für mich, als ich erfahren habe, dass ich positiv war."

Cardio protector klingt nach einem Herzmittel. Solche enthalten aber normalerweise kein EPO.

Jaroschenko: "Das wusste ich nicht."

Haben Sie auch andere Mittel oder Injektionen bekommen?

Jaroschenko: "Nein, nur Vitamine in Tablettenform.“

Wie erklären Sie sich, dass sich Ihre Kolleginnen Achatowa und Jurjewa zur gleichen Zeit etwa 200 Kilometer entfernt von Ihnen befanden und trotzdem offenbar mit dem gleichen Mittel erwischt wurden? Genauso wie anscheinend eine Hand voll anderer russischer Weltklasse-Biathleten und –Langläufer.

Jaroschenko: "Ich weiß, dass die Teamärzte sich untereinander kennen und austauschen. Und offensichtlich bekommen die Ärzte die Mittel von der selben Quelle, zur selben Zeit. Wir sind ja nun mal ein Team, ein russisches Team. Und unser Ziel ist es, für Russland international bestmöglich abzuschneiden.“

Das heißt, es gibt einen Schwarzmarkt-Lieferanten, der das russische Team mit diesem Dopingmittel beliefert?

Jaroschenko: "Ich denke, der Anbieter hat von sich aus unsere Team-Ärzte kontaktiert. Und wahrscheinlich haben die Ärzte das Mittel einfach nicht richtig getestet. Ich weiß nicht, warum. Ich denke nicht, dass sie uns etwas Schlechtes wollten.“

Und woher kam das Produkt?

Jaroschenko: "Das weiß ich nicht, niemand hat gesagt, woher es kam. Der Teamarzt wurde entlassen. Das war's.“

Es soll eine Untersuchungskommission des russischen Biathlon-Verbandes geben. Seit fast einem Jahr. Ein Ergebnis ist bisher nicht öffentlich. Die russische Anti-Doping-Agentur fühlt sich nicht zuständig, das Sportministerium auch nicht. Warum wird nichts gegen die Hintermänner des Dopings getan, obwohl der russische Präsident Medwedjew und Ministerpräsident Putin eine klare Linie im Kampf gegen Doping ausgegeben haben?

Jaroschenko: "Ich denke, dass sie den Lieferanten schon gefunden haben. Es ist ja unmöglich, ihn nicht zu finden. Aber vielleicht machen sie das nicht öffentlich. Es ist ja kein Geheimnis – wir haben die Olympischen Winterspiele in Sotschi in vier Jahren. Also will man Russland vor solchen Dopingskandalen bewahren. Die ruinieren unsere Reputation in der internationalen Wahrnehmung.“

Das Gespräch führte Florian Bauer

Stand: 08.02.2010, 08:00

 

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