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16.03.2010 | 03.16 Uhr

Eisschnelllauf

Eisschnelllauf-Weltcup in Salt Lake City

Pechstein glaubt an ihr Recht

Für Claudia Pechstein ist der Traum von den Olympischen Winterspielen in Vancouver geplatzt. Beim Weltcup in Salt Lake City erlebte sie eine ihrer größten Niederlagen und verpasste die Olympianorm über 3000 Meter. Weit mehr belastet die Eisschnellläuferin jedoch der Dopingvorwurf, Pechstein sieht sich weiter ungerecht behandelt. "Ich habe Recht, und das werde ich mir erkämpfen. Das war mit Sicherheit nicht mein Karriereende."

Clauia Pechstein; Rechte: ap Claudia Pechstein will nicht aufgeben

Claudia Pechstein erlebte in einem kleinen Raum in den Katakomben des Olympic Ovals von Salt Lake City bei der Dopingkontrolle das Ende ihres Traums von Olympia. Eine nach der anderen zogen die Konkurrentinnen an der fünfmaligen Eissschnelllauf-Olympiasiegerin vorbei. Kurze Zeit später kündigte sie unter Tränen der Wut und Enttäuschung die Fortsetzung ihres Kampfes an.

"Ich kann nur sagen: Vielen, vielen Dank an die ISU (Eislauf-Weltverband, der die Zweijahressperre wegen auffälliger Blutwerte ausgesprochen hat, d.Red.), dass sie mich so im Regen stehen lassen hat", sgate Pechstein trotzig. "Wenn die sich alle meine Werte richtig angeschaut hätten, wäre ich bestimmt schon lange wieder im Weltcup dabei. Die ISU hat mir diese Chance genommen - vielen, vielen Dank. Sie will mich zermürben, aber ich kämpfe weiter."

"Es tut weh, der Arsch der Nation zu sein"

In Salt Lake erlebte Pechstein die bittersten Stunden in ihrer mehr als 20 Jahre währenden Karriere. Achte hätte sie werden müssen beim Weltcup-Rennen über 3000 Meter, um mit der erfüllten Olympianorm die Hoffnungen auf ihre sechsten Winterspiele am Leben zu halten. "Ich bin 13. geworden, und diese Zahl sagt viel aus." Am Ende fehlten Pechstein fast zweieinhalb Sekunden auf den achten Platz. 4:04,59 Minuten war sie gelaufen, so langsam wie noch nie auf einer der beiden Hochgeschwindigkeitsbahnen in Salt Lake City und Calgary. Nichts erinnerte mehr an die alte Pechstein, die mit gleichmäßig schnellen Runden ihr Gegnerinnen zur Verzweiflung brachte.

Doch neben der kurzfristigen Anreise nach der Entscheidung des Schweizer Bundesgerichtes, bei dem sie erfolgreich ihr Startrecht eingeklagt hatte, bremste sie vor allem "der Vorwurf, den ich seit zehn Monaten mit mir herumschleppe". In jeder Sekunde des Rennens habe sie an ihren Dopingfall denken müssen. "Das ist es, was so weh tut: nichts gemacht zu haben, aber der Arsch der Nation zu sein", sagte Pechstein.

Sie versuchte sich selbst zu trösten: "Wenn ich mir die gesamten Umstände noch einmal vor Augen führe, kann ich verdammt stolz darauf sein, es überhaupt versucht zu haben." Rückhalt erhielt sie per SMS von ihrem ehemaligen Trainer Joachim Franke. "Du hast etwas ganz Großartiges geleistet. Ich glaube, es gibt keine Athletin in der Welt, die unter diesen Umständen auch nur annähernd in die Nähe einer 4:04 gekommen wäre", übermittelte Franke.

Experten glauben an den Bestand der Sperre

Nur wenige Minuten nach dem Ende ihres Laufes nahm sie ein ISU-Ordner mit zur Dopingprobe. Pechstein bekam nichts mehr vom Rennen mit, das die Tschechin Martina Sablikova vor Stephanie Beckert aus Erfurt gewann. Diese Aktion der ISU stieß auch beim deutschen Teamchef Helge Jasch auf Unverständnis: "Dass eine Athletin während des laufenden Wettbewerbs zur Kontrolle muss, habe ich auch noch nicht erlebt. Man hat es ihr hier von Anfang an so schwer wie nur möglich gemacht."

Dass Pechstein noch mal aufs Eis zurückkehren wird, glauben auch die ihr wohlgesinnten Kolleginnen nicht. "Das ist schon traurig, dass eine so große Karriere auf diese Art zu Ende geht - und davon kann man jetzt wohl ausgehen", sagte die Erfurterin Daniela Anschütz-Thoms, die gemeinsam mit Pechstein 2006 in Turin olympisches Team-Gold geholt hatte: "Sollte sie wirklich unschuldig sein, und davon gehe ich eher aus als vom Gegenteil, dann ist das eine ganz, ganz bittere Geschichte."

Weltrekorde in Salt Lake rücken in den Hintergrund

Das Schweizer Bundesgericht steht durch Pechsteins verpasste Norm nicht mehr unter dem Zeitdruck, möglichst noch vor den Winterspielen im Februar ein Urteil fällen zu müssen. Es wären Pechsteins sechste Winterspiele gewesen. Ohnehin gehen Experten davon aus, dass die vom CAS bestätigte Sperre Bestand haben wird. Sie läuft am 9. Februar 2011 aus. Pechstein ist dann fast 39 Jahre alt.

Bei all der Aufregung um die Affäre Pechstein rückten die Weltrekorde der Berlinerin Jenny Wolf, die ihre eigene 500-m-Bestmarke um zwei Hundertstel auf 37,00 Sekunden drückte, und des US-Amerikaners Shani Davis (1:41,04 über 1500 m) in den Hintergrund. Wolf konnte damit gut leben. Die extrem ehrgeizige Berlinerin machte keinen Hehl daraus, auf mehr gehofft zu haben: "Eine 37,00 ist eigentlich das Schlimmste, was mir passieren konnte. Eine 36er-Zeit hätte doch ein bisschen anders ausgesehen."

sid/dpa/nch | Stand: 12.12.2009, 13:43

 

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