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12.03.2010 | 15.36 Uhr

Eisschnelllauf

Urteil des CAS

Pechstein bleibt gesperrt

Claudia Pechstein bleibt gesperrt. Das geht aus dem Urteil des Internationalen Sportgerichtshofes CAS hervor, das am Mittwoch (25.11.09) auf der Internetseite des CAS veröffentlicht wurde.

Claudia Pechstein; Rechte: dpa Lupe groß

Bleibt gesperrt: Claudia Pechstein

Die drei Richter begründeten ihr Urteil damit, Pechstein weise "abnormale Retikulozyten-Werte verglichen mit der allgemeinen Bevölkerung in Europa und anderen Spitzenläufern und auch im Vergleich mit ihren eigenen Werten auf", heißt es in dem Urteil. Bei Doping-Tests während der Mehrkampf-WM in Hamar seien bei der 37 Jahre alten Berlinerin Retikulozyten-Werte von 3,49, 3,54 und 3,38 Prozent gemessen worden. Der Grenzwert liegt bei 2,4. Am 8. Januar 2009 seien es nur 1,74 Prozent gewesen, am 18. Februar 1,37 Prozent. "Diese Abnormalität konnte nicht vernünftig durch die verschiedenen Rechtfertigungen der Athletin oder einen medizinischen Hintergrund ausgeräumt werden." Der von der Athletin ausgewählte Hämatologe habe sie eingehend untersucht und geschlossen, dass es keine feststellbaren Anzeichen für eine Blutkrankheit oder Anomalie gebe. Zwölf Zeugen und Experten wurden insgesamt vor dem CAS gehört. Gleichzeitig bestätigte der CAS, die Mess-Methoden der vom Weltverband ISU benutzten Geräte seien verlässlich.

Pechstein geschockt

Das Urteil gilt als richtungweisend für den Anti-Dopingkampf. Mit Pechstein wurde erstmals eine Athletin nur aufgrund von Indizien wegen Doping bestraft. Der Eislauf-Weltverband ISU hatte die Berlinerin am 3. Juli wegen auffälliger Blutwerte für zwei Jahre gesperrt, dagegen war sie vor dem obersten Sportgericht in Berufung gegangen. Vergeblich. "Das zu akzeptieren, ist für mich unglaublich hart. Nach dem wochenlangen, unwürdigen Hin und Her war das Urteil aber abzusehen. Ich bin nicht mehr über das Ergebnis geschockt, sehr wohl aber darüber, wie es zustande gekommen ist. Erst die ISU, jetzt der CAS. Ich habe lernen müssen, dass es ausgerechnet vor Sportgerichten offenbar keinen Platz für das im Sport so oft beschworene Fair Play gibt", erklärte Pechstein.

Pechstein beteuert noch einmal nicht gedopt zu haben. "Wie man mich ohne Beweis, aufgrund eines einzigen Indizes, das zudem in der Wissenschaft noch sehr umstritten ist, sperren kann, wird mir für immer unbegreiflich bleiben", fügte sie hinzu. Wenig überrascht zeigte sich dagegen der Nürnberger Pharmakologe Fritz Sörgel: "Ich denke, dass von Anfang an klar war, dass es in diese Richtung laufen musste. Ich habe gleich gesagt, dass es sehr schwierig werden wird, hier Gegenargumente zu finden. Es ist immer eine gewisse Unsicherheit mit drin, aber die ist im Fall Pechstein sehr klein."

Bach fordert Aufklärung von Pechstein

DOSB-Präsident Thomas Bach rückte nach dem Urteil von seiner Unschuldsvermutung ab. "Doping mit dieser wissenschaftlichen Expertise kann von einer Sportlerin nicht ohne Hilfe von Fachleuten bewerkstelligt worden sein. Deshalb fordern wir Claudia Pechstein in ihrem wohlverstandenen Interesse zur umfassenden Aufklärung auf. Die Hintermänner müssen gemäß der gesetzlichen Anti-Doping-Bestimmungen des Arzneimittelgesetzes bestraft werden", erklärte Bach. Bach hält das Urteil "wegweisend für den internationalen Kampf gegen Doping". Es formuliere die Kriterien für den so wichtigen indirekten Dopingbeweis. "Damit ist der Weg frei für weitere Verfahren. Deshalb fordern wir Verbände, denen entsprechende Testwerte vorliegen, auf, nunmehr umgehend Sanktionen zu verhängen", sagte Bach.

Unterschiedliche Reaktionen

Pechsteins Anwalt Simon Bergmann kündigte derweil an, schnellstmöglich ein Verfahren vor dem Schweizerischen Bundesgericht in Lausanne anzustrengen. Er sprach von einem "schwarzen Tag für die Sportrechtssprechung." In Teilen der Sportwelt sieht man das jedoch ganz anders. Dort glaubt man, dass die Entscheidung gegen Pechstein dem Anti-Dopingkampf einen Schub geben wird. "Die Entscheidung dürfte die Qualität der Doping-Bekämpfung spürbar verändern. Sie wird in Zukunft nicht mehr isoliert nur auf die Kontrollen abgestellt. Nun wird die Summe der Fakten ein Gleichgewicht erhalten", meint der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), Clemens Prokop.

Skeptischer äußerte sich der Doping-Analystiker und Leiter des Instituts für Biochemie an der Sporthochschule Köln, Wilfried Schänzer: "Ich bin sicher, dass der indirekte Nachweis von Doping-Missbrauch aufgewertet wird und die Entscheidung eine positive Stimmung bei den Verbänden erzeugt", sagte der Leiter des Instituts für Biochemie an der Deutschen Sporthochschule Köln am Mittwoch. "Nicht wohl ist mir aber, dass das Urteil nur auf ein Parameter, den erhöhten Anzahl von Retikulozyten im Körper, beruht."

dpa/sid | Stand: 25.11.2009, 14:02

Kommentare 1 bis 5 von 238

  • Jochen schrieb am 12.03.2010 06.49 Uhr: Ja, es gibt viele Interessante Sachen da draußen :-), aber Link plsten ist hier nicht erlaubt. Verstehe ich auch. Für mich zählen ja nicht nur diese besagten Werte, sondern die Vergangenheit. Hin und wieder besinnen sich ja Sportjournalisten und recherchieren und da kommen denn ganz lustige Sachen zu Tage. Wie z.B. das die Blutwerte sich seit den 90ern deutlich verändert haben. Die ISU weiß das auch....nur leider bleibt das Ihr Geheimnis. Da es aber auch Schutzsperren gibt, zum Schutz des Sportlers natürlich, kann man ja erkennen woher der Wind weht.

  • Bernd schrieb am 11.03.2010 22.47 Uhr: Hm, hab glaube ich was gutes gefunden: (Link entfernt) Das sagt glaube ich alles, denn das sind mehrere Experten, die nur mit solchen Dingen zu tun haben und unabhängig von CP recherchiert haben ...

  • Ich schrieb am 11.03.2010 15.28 Uhr: Wer sagt denn, dass ihre Werte nicht auch schon in den 90ern so hoch bzw. schwankend waren? Die besagten 95 Proben stammen aus den Jahren 2000-2009.

  • Jochen schrieb am 11.03.2010 10.52 Uhr: Das könnte in der Tat passieren, ihre saubere Karriere ist so oder so im Eimer, ein Makel wird immer bleiben. Nur glaube ich nicht mehr an Ihre Unschuld. Die Grenzwerte waren in den 90ern so hoch und wurden dann ja Stück für Stück gesenkt. Merkwürdigerweise folgten die Blutwerte der Athleten. Und Frau Pechsteins Werte sind völlig aus dem Ruder und durch natürliche Ursachen nicht zu erklären. Mit Medikamenten aber schon. Die Bezeichnung finde ich auch ein bischen irreführend. Sie ist des Dopings ja auch nie überführt worden, also kann man sie auch nicht wegen Dopings sperren. Aber aufgrund von einem klaren Beweis der Blutmanipulation schon, Schutzsperren gibt es ja auch. Ebenfalls verlogen. Ein Nachtest aller Tests aus Turin wäre sicherlich auch interessant. Damals war ja CERA noch nicht nachweisbar, aber die Traute haben die WADA nicht. So gesehen haben Sie da auch Recht, der WADA Haufen ist unfähig oder korrupt oder beides. Hoffentlich bleibt sie kein Bauernopfer.

  • Bernd Lange schrieb am 10.03.2010 12.40 Uhr: Das Problem für Claudia Pechstein ist, daß sich einige übereifrige 'Antidoping-Experten' mit ihrem Schuldvorwurf gegen Frau Pechstein dermaßen aus dem Fenster gelehnt haben, daß sie jetzt aus Angst vor der eigenen Courage auf keinen Fall zugeben wollen, sich geirrt zu haben. Was kann das für ein Doping sein, wenn führende Experten inzwischen einräumen, das Frau Pechstein mit den festgestellten Werten keinerlei Vorteile hatte, im Gegenteil die Normalwerte unterschritten hat. Ich bleibe dabei, selbst wenn sich jetzt herausstellen sollte, daß Frau Pechstein unschuldig ist und nicht gedopt hat, es wird an ihr hängen bleiben, da ein Großteil der Menschen festgestellte Unschuld gar nicht mehr wahrnimmt und das ist mehr als traurig. Jeder der unschuldig verdächtigt wurde, behält ein Trauma zurück. Die Herren von WADA, NADA und anderen Antidopingjäger werden sich die Hände in Unschuld waschen und behaupten, sie träfe keine Schuld.

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