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18.03.2010 | 15.38 Uhr

Langlauf

Vor dem Langlauf-Auftakt

Jochen Behle im Interview - Teil 1

Von Bernd Eberwein

Langlauf-Bundestrainer Jochen Behle im Gespräch mit sport.ARD.de über die vergangene Saison und die Situation bei den deutschen Langlauf-Herren.

Frage: "Herr Behle, Thomas Pfüller, der Generalsekretär des Deutschen Skiverbands, hat rückblickend angesichts eines fehlenden Gesamtweltcupsiegs von einem "schwächeren Winter" bei den deutschen Langläufern gesprochen. Haben die früheren Jahre den Skiverband verwöhnt?"

Jochen Behle: "Man darf natürlich nicht davon ausgehen, dass das sich jetzt so einbürgert. Dass die Konkurrenz nicht schläft und im letzten Jahr mit Lukas Bauer ein absolut verdienter Sieger dastand, der einfach der Beste war - da gibt's gar kein Deuteln dran, damit müssen wir einfach leben. Wir kämpfen wieder drum, dass es nicht so ist.

Die Ursache?

Behle: "Wir haben natürlich eine kleine Mannschaft, mit der wir jedes Jahr wieder leben müssen. Wir sind nun mal keine Langlaufnation wie die Skandinavier, sondern wir müssen mit weniger Leuten immer wieder versuchen, an diese Erfolge heranzukommen."

Evi Sachenbacher-Stehle in Liberec; Rechte: dpa Lupe groß

Saisonziel Liberec

Wo wollen Sie in der neuen Saison angreifen?

Behle: "Für uns wird in diesem Jahr die Zielsetzung im Schwerpunkt natürlich die Weltmeisterschaft sein. Zwangsläufig dadurch, dass wir noch eine Vorolympiade (16.-18. Januar 2009 Weltcup auf den Olympischen Strecken in Vancouver, Anm. d. Red.) haben, die Tour de Ski da ist und dann gibt's den Gesamtweltcup - da wirst du nicht alles machen können. Von daher ist bei uns der Fokus hauptsächlich auf die Weltmeisterschaften ausgerichtet, dass wir da sowohl im Damen wie auch im Herrenbereich erfolgreich sind."

Um Thomas Pfüllers Worte wieder aufzugreifen: Bei den Herren hatte man den Eindruck, dass im vergangenen Jahr etwas die Konstanz gefehlt hat.

Behle: "Ich beurteile das letzte Jahr schon ein bisschen anders, ein Sommerfeldt hat für mich eine sehr konstante Saison abgeliefert, sonst wäre er nicht Zweiter im Gesamtweltcup. Er hat sich eindeutig wieder nach vorne entwickelt, davor hatte er zwei schlechtere Jahre. Im Moment ist er auf einem guten Leistungsstand."

Tobias Angerer hatte aber einen Durchhänger im vergangenen Jahr ...

Behle: ... und ist jetzt auch wieder auf einem guten Leistungsstand. Im letzten Jahr hatte Tobias sicherlich eine schwierige Saison, wo es von Anfang an etwas unglücklich lief, wo wir sicherlich im Training den einen oder anderen Fehler gemacht haben, weil wir mal was ausgelotet haben nach oben hin. Das ist nicht gut gegangen, sagen wir's einfach mal so. Aber das ist ein WM-freies Jahr gewesen, wo man ein paar Dinge einfach mal probieren muss. Dann sind wir wieder zurückgerudert, zu stabilen Größen zurückgekommen, und das zeigen auch momentan seine Trainingsergebnisse, die hervorragend sind.

Sommerfeldt und Angerer also wieder heiße Kandidaten für Podestplätze?

Behle: Und auch der Axel (Teichmann, Anm. d. Red.), auch keine Frage. Ich glaube, dass wir da mindestens mal die Drei haben, und ich zähle auch noch den Franz Göring dazu: Da haben wir ein Truppe, wo jeder definitiv in der Lage ist, Podestplätze zu laufen.

Die deutschen Topläufer scheinen also bestens vorbereitet. Kommen denn auch Talente nach, die in die großen Fußstapfen treten können?

Behle: "Ja, im Herrenbereich bin ich sehr zuversichtlich, wobei ich da nicht sage für nächstes Jahr. Da gibt's dann noch diese zwei, drei Jahre Entwicklungszeit, die wir brauchen. Wir haben mit Philipp Marschall den Juniorenweltmeister vom letzten Jahr gehabt, der einen sehr guten Eindruck macht. Wir haben noch einen Junioren mit Tim Tscharnke, der auch bei der Leistungskontrolle sehr positiv mit hervorragenden Ergebnissen aufgefallen ist. Von daher muss ich sagen: Da habe ich für die nächsten drei, vier Jahre Leute im Hintergrund, wo ich glaube, dass die den einen oder anderen aus der Spitzengruppe ersetzen werden."

Stand: 21.11.2008, 18:10

 

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