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14.03.2010 | 19.12 Uhr

Badminton

Deutsche Badminton-Meisterschaften in Bielefeld

In Asien bekannter als in Deutschland

Von Jürgen Bröker

Wenn am Donnerstag (04.02.10) bei den 58. Deutschen Badminton-Meisterschaften in Bielefeld die ersten Bälle über das Netz fliegen, sind die Rollen klar verteilt. Juliane Schenk und Marc Zwiebler sind die Gejagten. Beide kommen, um ihre Erfolge aus dem Vorjahr zu verteidigen. Doch beiden geht es vor allem um internationale Erfolge und um größere Anerkennung für ihre Sportart.

Juliane Schenk; Rechte: dpa Favoritin bei den Damen: Juliane Schenk

Alles andere als der Titel für die derzeit besten deutschen Einzelspieler wäre eine Überraschung. Vielleicht sogar eine Sensation. Vor allem bei den Frauen dürfte diese Sensation jedoch ausbleiben. Seit dem Rücktritt der einstigen Topspielerin Huaiwen Xu spielt Juliane Schenk in Deutschland in einer anderen Liga. Das zeigen auch die Ergebnisse aus dem Vorjahr. Ohne Satzverlust marschierte Schenk zu ihrem ersten Einzeltitel. Alle fünf Spiele bei den Deutschen Meisterschaften hatte sie in weniger als 30 Minuten für sich entschieden.

Alle gegen Schenk

Dennoch glaubt sie nicht, dass die Meisterschaft in diesem Jahr ein Selbstläufer wird. "Das wäre auch gefährlich. Alle wollen mich schlagen", sagt sie. Schenk wird vom ersten Aufschlag an konzentriert zu Werke gehen. Auch wenn internationale Turniere für sie Priorität haben, bedeutet ihr der nationale Titel viel. "Dort spielt man vor den eigenen Fans. Ich möchte ihnen etwas bieten", sagt sie.

Für die Verantwortlichen im Deutschen Badminton Verband (DBV) ist sie die Topfavoriten. Auch weil Schenk in den vergangenen Jahren international ihre Klasse bewiesen hat. "Juliane ist derzeit die einzige deutsche Spielerin, die in der Lage ist, bei Weltmeisterschaften um Medaillen mitzuspielen", sagt Martin Kranitz, Sportdirekter des DBV. Langsam aber stetig hat sie sich bis in die Top 10 der Welt vorgearbeitet. 2008 holte Schenk bei der Europameisterschaft Bronze. Bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr schied die 27-Jährige erst im Viertelfinale aus und rutschte damit nur knapp an einer Medaille vorbei.

Internationale Ausrichtung

Marc Zwiebler; Badminton; Rechte: dpa Lupe groß

Favorit bei den Herren: Marc Zwiebler.

Schenk und Zwiebler sind die Zugpferde im deutschen Badminton. Gerade erst sind sie zu den Badmintonspielern das Jahres 2009 gewählt worden. Sie führen das Topteam an, das 2012 durchaus um Medaillen bei den Olympischen Spielen kämpfen soll. Beiden ist das durchaus zuzutrauen. So stand Zwiebler im vergangenen Jahr als erster deutscher Spieler überhaupt in einem Finale eines Super Series-Turniers. Hinter den Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften sind das die Turniere mit dem höchsten Stellenwert. Es seien nur winzige Nuancen, die den beiden noch fehlten, um international einmal ganz vorne zu landen, sagt der Kranitz.

Vielleicht gelingt das schon in diesem Jahr. Nach der DM ist vor der Europameisterschaft. Die wird im April ausgetragen. Wenige Monate später beginnt die Weltmeisterschaft. Das sind die Turniere, auf die sich Zwiebler und Schenk vor allem konzentrieren. Der DBV unterstützt sie dabei. Gemeinsam mit den anderen Topteam-Spielern schickt er sie zur Vorbereitung auf diese Saisonhöhepunkte gemeinsam auf die Reise zu den großen Turnieren. "Das hat den Vorteil, dass sie dort gemeinsam auf hohem Niveau weiter trainieren können", sagt Kranitz. Vor knapp zwei Wochen sind sie aus Asien zurück gekehrt. Vor allem im Vergleich mit den Topspielern dort sollen sich die deutschen Spieler weiter entwickeln.

Hohe Popularität in Asien

Auf nationaler Ebene fehlt dazu die Breite. Obwohl hierzulande immerhin mehr als 220.000 Spieler in Badmintonvereinen organisiert sind, schaffen es nur wenige, sich auch bis in die internationale Spitze hoch zu arbeiten. Die Leistungsdichte ist nicht besonders groß. Das sieht in Asien anders aus. "Der Sport hat dort einen anderen Stellenwert. Er bietet die Möglichkeit zum sozialen Aufstieg und ist so populär wie bei uns Fußball", sagt Kranitz.

Das bekommen auch die deutschen Spieler zu spüren, wenn sie zu Turnieren unterwegs sind. "Manchmal können wir die belagerten Hotels der Spieler nur unter Polizeischutz verlassen", sagt Zwiebler. Er selbst ist in Asien populärer als in Deutschland. Wenn er dort mit dem Taxi unterwegs zur Halle ist, wird er regelmäßig erkannt und um ein Autogramm gebeten. In Deutschland passiert das allenfalls in seiner Heimatstadt Bonn.

Volle Konzentration

Daran dürfte auch ein neuerlicher Titelgewinn bei den Deutschen Meisterschaften nichts ändern. Wie Schenk hat auch Zwiebler die DM 2009 ohne Satzverlust gewonnen. Aber auch wenn er als der große Favorit gilt, nimmt er die Meisterschaften in Bielefeld keineswegs auf die leichte Schulter. "Das wäre ein Fehler", sagt er. Und die werden in der schnellsten Rückschlagsportart direkt bestraft. Hinzu kommt, dass sich die deutschen Spieler untereinander sehr gut kennen. "Wir trainieren ja oft miteinander und spielen in der Bundesliga gegeneinander", sagt der Linkshänder. Überraschende Aktionen fallen da schwer. "Je besser man sich kennt, desto enger werden die Spiele", sagt Zwiebler. Da ist Schenk in einer komfortableren Situation. Weil sie das schnellere und härtere Spiel ihrer internationalen Konkurrenz auch im Training braucht, um voran zu kommen, trainiert sie häufig mit Männern.

Stand: 04.02.2010, 08:00

 

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