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16.03.2010 | 21.35 Uhr

Allgemein

Deutsche Sporthilfe unterstützt Athleten

Leistung muss sich lohnen

Von Jürgen Bröker

Sie lebt gerade ihren Traum. Dabei ist Sarah Hecken gerade einmal 16 Jahre alt. Mit besten Wünschen für die Olympischen Spiele in Vancouver hat ihre Heimatstadt Mannheim die Eiskunstläuferin bereits offiziell verabschiedet. Am 16. Februar geht es mit dem Flieger rüber nach Kanada. "Ein Start bei den Olympischen Spielen, das ist unglaublich. Ich freue mich riesig", sagt die Schülerin.

Eiskunstläuferin Sarah Hecken; Rechte: dpa Lupe groß

Eiskunstläuferin Sarah Hecken

Ohne die Deutsche Sporthilfe würde der Flieger vielleicht ohne sie abheben. Zuschüsse zum Einzeltraining, eine Gewichtsweste im Sommer, Schlittschuhe und Kufen sowie die Unterstützung bei Reisen zu internationalen Wettkämpfen haben der jungen deutschen Meisterin eine optimale Vorbereitung auf die olympische Saison erlaubt. "Ohne die Sporthilfe hätte ich einen Teil davon wohl nicht machen können", sagt sie. Per Sonderantrag hatte Hecken einen Platz im Nachwuchsförderprogramm der Sporthilfe bekommen.

60-Stunden pro Woche

Wie wichtig die Unterstützung der Sporthilfe ist, hat eine unlängst veröffentlichte Studie zur Verdienstsituation von deutschen Spitzensportlern gezeigt. Demnach liegt der Bruttodurchschnittsverdienst der Athleten (ohne Profisportler) bei knapp über 1.900 Euro. Nach Abzug aller sportbezogenen, versicherungstechnischen und steuerlichen Verbindlichkeiten verfügen die Athleten aber nur über 626 Euro im Monat. Ein Großteil der Sportler muss davon auch noch seine Miete bezahlen. Und das bei einem 60-Stunden-Job. Kein Wunder, dass mehr als 50 Prozent der Athleten schon einmal an ein vorzeitiges Karriereende gedacht haben.

Keine Zeit für Nebenjobs

Ohne die Sporthilfe sähe das Bild sicher noch düsterer aus. Im Durchschnitt stammen etwa 25 Prozent der Sportlereinnahmen aus dieser Förderung. Für viele Athleten ist die Sporthilfe daher ein unverzichtbarer Partner. Etwa für Benjamin Kleibrink. Der Fechtolympiasieger von 2008 wird seit gut neun Jahren gefördert. "Die Sporthilfe war die erste Hilfe, die ich bekommen habe", sagt er. Der 24-Jährige weiß vor allem die Kontinuität zu schätzen. Die Sporthilfe leistet keine Einmalzahlungen sondern verteilt ihre Unterstützung jeweils auf zwölf Monate. Auch die Sonderprämien - für einen Olympiasieg gibt es beispielsweise 15.000 Euro zusätzlich - werden auf die zwölf Monate des Folgejahres verteilt. "Die Sporthilfe begleitet uns durch die Karriere. Man kann sich darauf verlassen", sagt Kleibrink. Das ist gleich in mehrfacher Hinsicht gut für die Sportler. "Hätte ich die Unterstützung nicht, müsste ich jobben gehen", sagt Kleibrink. Aber wie sollte das gehen? Schon jetzt hat der Wirtschaftsrechts-Student kaum Zeit für andere Dinge außer Training und Studium. "In Klausurphasen mache ich neben Uni, Leistungssport und Lernen nichts", sagt er.

Das geht auch Linda Stahl so. Für die junge Speerwerferin ist die kontinuierliche Förderung "überlebenswichtig". Sie könne sich so auf ihren Sport konzentrieren und müsse nicht noch gucken, wie sie über die Runden komme. "Da fällt ein belastender Gedanke einfach weg", sagt sie. Neben der Grundförderung erhält die Medizinstudentin Unterstützung bei der Beschaffung von Büchern oder der Übernahme von Fahrtkosten.

Kontinuierliche Förderung

Speerwerferin Linda Stahl; Rechte: dpa Lupe groß

Speerwerferin Linda Stahl

Gleichzeitig können die Sportler auf das Netzwerk zurückgreifen. Die Sporthilfe bietet Vorträge und Beratungen an, führt Fortbildungen und Medientraining durch. Stahl ist aber besonders wichtig, dass die Unterstützung auch da ist, wenn andere Einnahmen wegfallen. Viele Sportler finanzieren sich zum Großteil über Prämien bei Wettkämpfen. "Wenn ich verletzt bin, kann ich dort aber nicht starten", sagt Stahl. Das Geld der Sporthilfe fließt weiter.

Allerdings nicht bedingungslos. Voraussetzung, um an die Zuschüsse zu kommen, ist die Kaderzugehörigkeit. Leistung wird belohnt. Perspektive und Talent gefördert. Die einzelnen Verbände schlagen die Sportler vor, ein Gutachterausschuss trifft die endgültige Auswahl. Profisportler werden grundsätzlich nicht gefördert. Läuft es bei einem Sportler besonders gut, bekommt er viele Vermarktungsverträge, zahlt er fünf Prozent dieser Einnahmen in den Solidarfonds. Bei Dopingvergehen fliegt er aus der Förderung raus und muss die geleisteten Zahlungen der vergangenen beiden Jahre zurück zahlen.

Starker Partner im Rücken

Steffi Nerius hat sich nie auf irgendwelche Zahlungen verlassen. Wie die meisten Leistungssportler hat sie von Beginn an auf die duale Karriere aus Sport und Berufsausbildung beziehungsweise Studium gesetzt. "Gerade in den Anfangsjahren war die Sporthilfe hier für mich sehr wichtig", sagt die Speerwurfweltmeisterin. Sie war von Rostock nach Leverkusen gezogen, hatte ein Studium begonnen und das Training intensiviert. Ob ihre Karriere ohne die Sporthilfe anders verlaufen wäre, vermag Nerius nicht zu sagen. Sie hat ihr jedenfalls den Kopf frei gehalten und den Rücken gestärkt. "Natürlich spüren wir Athleten auch Rückhalt, wenn wir gefördert werden", sagt sie. Es sei ein gutes Gefühl, zu spüren, dass da jemand an einen glaube.

Stand: 02.02.2010, 08:00

 

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