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09.02.2010 | 17.18 Uhr

Schwimmen

Weltmeisterschaft im Apnoetauchen

Wie ein Fisch im Wasser

Apnoe-Taucher gehen ohne Sauerstoffgerät in die Tiefe. Bei der Weltmeisterschaft auf den Bahamas (25.11. bis 05.12.) geht auch eine deutsche Taucherin an den Start. Im Interview spricht Heidi Heidenreich über das Training, die Faszination des Sports und seine Gefahren.

Heidi Heidenreich; Apnoetauchen; Weltmeisterschaft; Rechte: imago Lupe groß

Apnoetaucher in seinem Element.

sportschau.de: Frau Heidenreich, Sie tauchen ohne Sauerstoff. Wie lange können Sie unter Wasser bleiben?

Heidi Heidenreich: In der Disziplin Statik bin ich momentan bei 4:30 Minuten. Aber das ist nicht meine Stärke. Es gibt Frauen, die bis zu acht Minuten unter Wasser bleiben können. Das liegt mir nicht so. Man muss sich zu sehr quälen. Für mich ist Tieftauchen ohne Flossen die reinste und schönste Disziplin im Apnoetauchen.

Wie weit schaffen Sie es herunter?

Heidenreich: Im Training habe ich bisher 35 Meter geschafft, dieses Ziel habe ich mir auch für die WM vorgenommen. Mit Flossen habe ich schon knapp 50 Meter erreicht. Allerdings habe ich das in diesem Jahr relativ wenig trainieren können.

Wo liegen Sie damit im internationalen Vergleich?

Heidenreich: Inzwischen sind einige Taucher ohne Flossen bei 60 Metern, mit Flossen sogar schon bei gut 100 Metern. Aber die Taucher haben natürlich ganz andere Möglichkeiten im Training. Leider kann ich das Apnoetauchen nur als Hobby betreiben und habe daher wenig Zeit für das Training. Die anderen WM-Starter haben sich seit Wochen in Ägypten vorbereitet.

Und wie trainieren Sie?

Heidenreich: Normalerweise tauche ich in Hemmoor, einem 65 Meter tiefen See bei Stade. Dort bieten sich gute Trainingsmöglichkeiten. Im Moment ist es aber einfach zu kalt, um dort zu trainieren. Deshalb trainiere ich in der Halle, dort beschränkt sich mein Training auf das Zeittauchen. Wenn möglich fahre ich zur Alsterschwimmhalle in Hamburg, um dort im fünf Meter tiefen Becken bei totalem Ausatmen eine Tiefe von 30 bis 40 Metern zu simulieren.

Sitzen Sie manchmal auch am Schreibtisch und halten für längere Zeit die Luft an, um zu trainieren?

Heidenreich (lacht): Nein. Aber es gibt einige Taucher, die das machen. Auch beim Training im Fitnessstudio halten diese die Luft an. Ich nicht, ich bevorzuge es, ausschließlich im Wasser zu trainieren.

Wie bereiten Sie sich vor, wenn es zum Wettkampf geht?

Heidenreich: Ich habe einen genauen Zeitplan. Einen Tag vor dem Wettkampf sind die Taucher aufgefordert Ihre geplanten Tauchtiefen anzugeben. Dann wird die Rangfolge der Tauchvorgänge festgelegt. Ich rechne ganz genau aus, wann ich mich aufwärme, dehne und Yoga mache, wann ich den Anzug anziehe und ins Wasser gehe. Dann mache ich meist zwei bis drei acht Meter tiefe Tauchgänge, um zu kontrollieren, ob der Anzug richtig sitzt und ob mein Druckausgleich funktioniert. Das „Go" der Kampfrichter ist dann wie eine Befreiung. Endlich kann ich abtauchen.

Nehmen Sie die Schönheit der Unterwasserwelt bei solchen Meisterschaften eigentlich wahr?

Heidenreich: Beim Wettkampf nicht so sehr. Ich versuche mich auf den Druckausgleich zu konzentrieren. Manchmal schließe ich dabei die Augen. Außerdem muss ich auf die richtige Technik achten und Überanstrengungen vermeiden. Nach etwa 10 Metern Wassertiefe erfolgt ein natürlicher Abtrieb und es zieht den Taucher nach unten. Dagegen muss man beim Auftauchen anschwimmen. Erst auf den letzten Metern hat man wieder einen natürlichen Auftrieb.

Wie ist das Auftauchen?

Heidenreich: Die letzten Meter zur Oberfläche sind die schönsten, besonders wenn die Sonne durch die Wasseroberfläche bricht. Da kann ich dann entspannen. Von unten sieht man die Boote und die Wettkampfplattform, die Flossen anderer Taucher und die Sicherungstaucher, die einen auf dem Weg zur Oberfläche begleiten. Das ist eine tolle Kulisse. Der erste Atemzug über Wasser ist dann wie eine Befreiung und ein schönes Gefühl, vor allem wenn man seine geplante Tiefe erreicht hat. Aber man ist auch geschafft. Der Körper übersäuert in dieser Zeit extrem.

Heidi Heidenreich; Apnoetauchen; Weltmeisterschaft; Rechte: imago Lupe groß

Auftauchen aus der Tiefe.

Wie gefährlich ist das, was Sie da machen?

Heidenreich: Es ist schon ein gefährlicher Sport. Vor allem besteht die Gefahr, dass man sich überschätzt und zu tief runter geht oder sich zu lange unten aufhält.

Ist Ihnen das schon mal passiert?

Heidenreich: Nein, bisher nicht. Ich denke auch, dass ich sehr konsequent und vorsichtig bin. Wir treffen generell immer ausreichende Sicherungsvorkehrungen. Außerdem ist Apnoetauchen auch eine Art „Kopfsache". Ich habe bereits viel für mein alltägliches Leben aus dieser Sportart gezogen. Man lernt sich und seine Grenzen ganz genau kennen.

Was passiert in solchen Tiefen mit Ihrem Körper?

Heidenreich: Die Lunge wird in der Tiefe sehr stark komprimiert, faustgroß. Am Anfang ist dieser Zustand sehr beklemmend. Aber durch regelmäßiges Training wird die Lunge flexibel und man gewöhnt sich an das Gefühl.

Genießen Sie auch das Gefühl unter Wasser?

Heidi Heidenreich: Auf jeden Fall. Ich fühle mich frei und schwerelos. Ich liebe es, mir die Unterwasserwelt anzusehen, natürlich entspannter nach dem Wettkampf. Als Apnoetaucher kann man das viel länger genießen.

Aber mit einer Sauerstoffflasche könnte man das doch noch länger genießen?

Heidenreich: Das stimmt. Aber man ist eben nicht so frei. Die Anzüge beim Flaschentauchen sind nicht so elastisch wie die in unserer Sportart. Und außerdem hat man mit einer Flasche auf dem Rücken ein ganz anderes Gefühl. Es ist einfach nur schön im Wasser zu sein, sich federleicht zu fühlen. Manchmal fühle ich mich im Wasser wohler als an Land.

Das Gespräch führte Jürgen Bröker.

Stand: 23.11.2009, 08:00

 

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