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10.03.2010 | 12.58 Uhr

Allgemein

Im Frauen-Rugby beginnt die Bundesliga-Saison

Ab ins Gedränge

Von Jürgen Bröker

Die Zeit des Wartens ist für den Titelverteidiger noch nicht vorbei. Denn der deutsche Meister steigt erst am zweiten Spieltag in die neue Saison ein. Dabei wollen die Spielerinnen des SC Neuenheim schon jetzt los legen. Die Pause seit dem Gewinn der Meisterschaft Anfang Mai dauert schließlich lange genug.

Frauen-Rugby, Sabine Kling; Rechte: Sabine Kling Lupe groß

Voller Einsatz: Sabine Kling mit Ball auf dem Weg nach vorn.

Es war der zwölfte Titelgewinn für den Klub aus Heidelberg. An 22 weiteren Endspielen seit 1988 hat der Verein teilgenommen. So erfolgreich war keine andere Frauenmannschaft in Deutschland. Beim SC Neuenheim hat der Erfolg einen Namen: Sabine Kling. Auch wenn sie selbst das sicher nicht so gerne hört. Ohne sie hat der SC keine Meisterschaft geholt. Aber die 36-Jährige spielt ihren Anteil herunter. "Rugby ist ein Mannschaftssport. Da kann der einzelne nicht so viel bewirken", sagt sie.

Kling stammt aus einer Rugby-Familie. Vater, Bruder, Onkel - alle jagten und jagen dem Rugby-Ei hinterher. "Ich habe bei den Jungs mitgespielt, bis ich 10 Jahre alt war", sagt sie. Dann ging sie zum Handball. Aber das Rugby-Fieber hat sie nicht los gelassen. Mit 15 Jahren kam sie zurück, da hatte sich beim SC Neuenheim gerade ein Frauenteam gegründet. Seit 21 Jahren ist sie nun aktiv. "Aber mit zwei Babypausen", sagt sie. Doch auch nach den Geburten ihrer Kinder hat es sie schnell wieder auf den Platz gezogen. Sie mag den Kontakt mit den Gegnern und vor allem das Gerangel um den Ball.

Rugby-Pionierin

Endspiel deutsche Meisterschaft, Frauen-Rugby; Rechte: Christian Rosenbaum Szene aus dem packenden Endspiel der vergangenen Saison zwischen dem SC Neuenheim (blaue Trikots) und dem Heidelberger RK.

Für ihren Teammanager Marcus Trick ist Kling die "Birgit Fischer" des deutschen Frauenrugbys. "Sie gehört in unserem Klub zu den Pionierinnen, hat alle Meisterschaften gewonnen und immer wieder geniale Momente auf dem Feld", sagt Trick. Wie im Endspiel der vergangenen Saison gegen den Heidelberger RK, als sie sich das Ei in der letzten Minute schnappte, durch die gegnerischen Reihen rannte und den entscheidenden Versuch legte. Die jüngeren Spielerinnen wie Julia Rettig mögen die Bescheidenheit ihrer Mitspielerin. Sie stelle sich nicht in den Vordergrund, sagt die 21-Jährige. Gleichzeitig gebe sie der Mannschaft eine enorme Sicherheit. Wenn niemand eine Lösung weiß, gibt Kling die Richtung vor.

Ihr Wissen gibt sie auch als Trainerin einer Kindermannschaft in ihrem Verein weiter. In der Nationalmannschaft hat Kling ihre Fähigkeiten allerdings nie eingebracht. Es habe sie nichts dorthin gezogen, sagt sie. Trotzdem hat sie die Entwicklung im Frauen-Rugby natürlich miterlebt. "Früher lief der Ball mehr durch die Hände. Heute ist der Sport auch bei uns Frauen härter geworden", sagt sie.

Teuer und aufwändig

Endspiel deutsche Meisterschaft, Frauen-Rugby; Rechte: Christian Rosenbaum Lupe groß

Dichtes Gedränge: Im Endspiel um die deutsche Meisterschaft behielt der SC Neuenheim (blaue Trikots) in der vergangenen Saison die Oberhand.

Wie die meisten anderen Spielerinnen wünscht sich auch Kling in der Bundesliga etwas mehr Konkurrenz. Nur fünf Frauenteams streiten in dieser Saison um die deutsche Meisterschaft: Neben dem SC Neuenheim der Heidelberger RK, St. Pauli, SC Germania List und der Stuttgarter RC. Auch Teammanager Trick würde gern die eine oder andere Mannschaft aus der 2. Bundesliga im Rugby-Oberhaus begrüßen. Doch er weiß, dass die Zahl der Kandidaten überschaubar sind.

Das liegt daran, dass Frauen-Rugby hierzulande Amateursport ist. "Die Mädels betreiben einen großen Aufwand", sagt Trick. Nicht nur, dass sie bis zu sechs Mal in der Woche trainieren. Neben den Einheiten auf dem Platz gehört auch das Training mit Gewichten im Fitnessstudio dazu. Außerdem sind die Kader mit bis zu 40 Spielerinnen extrem groß. "Pro Saison benötigt man mindestens 25 bis 30 Aktive", sagt Trick. Es verschlingt einiges Geld, diese großen Teams zu den Auswärtsspielen zu fahren.

Pass für die Tochter

Einen neuen Schub erhofft sich die deutsche Rugby-Gemeinde von einer möglichen Aufnahme in den Pool der Olympischen Sportarten. Statt der gängigen Variante mit 15 Spielern soll allerdings das 7er-Rugby unter den fünf Ringen gespielt werden. "Das ist einfach besser zu organisieren", glaubt Trick. Aber auch wenn es nur der kleinere Bruder des großen Rugbys ist - die Aufmerksamkeit für den Sport würde wachsen. "Das Frauen-Rugby wird sich weiterentwickeln", sagt Trick.

Beim SC Neuenheim wird dazu auch Sabine Kling weiter beitragen. Wie lange sie weiter machen wird, weiß sie aber noch nicht. "So lange es mir Spaß macht und ich noch mithalten kann", sagt sie. Diese Saison wird sie auf jeden Fall noch zu Ende spielen. Denn zu Beginn des Jahres erwartet sie eine besondere Partnerin an ihrer Seite. Tochter Silvia wird 15 Jahre alt und darf bei den Damen mitspielen. Sie ist bereits für den Kader vorgesehen. Und ihre Mutter freut sich schon auf den ersten Pass, den sie ihrer Tochter geben kann.

Stand: 04.09.2009, 07:58

 

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