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Die Makkabiade 2009 in Tel Aviv
"Bewegend und lehrreich"
Von Ronny Blaschke
Jason Lezak wirkt wie aus einem Fels geschlagen, er überragt jeden im Raum, hat Hände wie Schaufeln, doch kann schüchtern wirken wie ein kleiner Junge. Er wird bald 34, ist einer der erfolgreichsten Schwimmer der USA. Sieben olympische Medaillen hat er gewonnen, vier in Gold. Er hätte nicht gedacht, dass ihm seine Karriere noch Premieren beschert - da hat er sich getäuscht. "Es ist eine Ehre, davon habe ich geträumt", sagt er. Lezak ist Jude, der Sport hat ihn zur Makkabiade nach Israel geführt. Zum ersten Mal in seinem Leben.
Goldmedaillengewinner Jason Lezak in Peking
Jason Lezak ist die Symbolfigur der 18. Makkabiade, der Weltspiele des jüdischen Sports, die alle vier Jahre in Israel stattfinden. Zehn Tage laufen, springen, kämpfen 7.000 Juden aus 65 Ländern, darunter 180 aus Deutschland. Um Medaillen allein geht es ihnen nicht, wie Lezak beweist: "Ich wollte erleben, was ich als Kind über meine Religion gelesen und gehört hatte." Er besuchte Jerusalem, die Gedenkstätte Yad Vashem, sprach mit Politikern und Fans.
Während der Eröffnungsfeier trug er vor 30.000 Zuschauern die Fackel, dafür sagte er seine Teilnahme an den Weltmeisterschaften in Rom ab. Seit der Teilnahme des amerikanischen Schwimmidols Mark Spitz 1985 ist kaum jemand so herzlich empfangen worden wie Lezak. "Diese Erfahrung war bewegend und lehrreich."
"Werden Sie Teil der Gemeinschaft"
Premier Benjamin Netanjahu richtete während der Eröffnung im Nationalstadion in Tel Aviv einen Appell an die Gäste: "Sie sind aus allen Teilen der Welt gekommen. Zusammen repräsentieren Sie ein Land, den Staat Israel. Kommen Sie nach Israel, werden Sie ein Teil unserer Gemeinschaft." Die Makkabiade, die am Donnerstag (23.07.09) in Tel Aviv zu Ende geht, ist auch ein politisches Forum. Im Jahr 1932, genau 1.800 Jahre nach dem Aufstand des Freiheitskämpfers Judas Makkabäus gegen die Römer, fanden in Palästina die ersten Spiele statt. Die Gründer wollten ihren Anspruch auf Palästina zum Ausdruck bringen. Drei Jahre später, nach der zweiten Makkabiade, blieben viele Sportler in Israel, aus Angst vor den Nationalsozialisten.
Ittamar Hermann wägt jedes Wort ab, wenn es um Politik geht. Er ist der mächtigste Mann im Kfar Maccabiah, dem Hauptquartier der Spiele in Ramat Gan. Ständig klopft jemand an seine Tür, ständig klingelt sein Handy. Der Organisationschef bezeichnet die Makkabiade als Feier für entfernte Verwandte: "Wir machen sie mit den Wurzeln unseres Glaubens vertraut." Hermann, 55, schwärmt von der australischen Delegation, die nicht nur ihre Hymne, sondern auch die israelische gesungen hat. Er verweist auf die Unterkünfte, die nach Sportarten, nicht nach Nationalitäten getrennt sind. Er berichtet von Rabbinern, die Athleten religiöse Werte vermitteln wollen. Der Sport ist für Hermann ein Symbol - er weiß, dass dieses Symbol missbraucht werden kann.
Sport im Krieg
Der Nahostkonflikt macht um den Sport keinen Bogen. 2001 fand die Makkabiade während der zweiten Intifada statt, einem Aufstand der Palästinenser gegen ihre Besatzer. Wenige Wochen vor den Spielen kamen vor einer Disko in Tel Aviv 21 Menschen bei einem Anschlag ums Leben. Informationen sickerten durch, wonach die radikale Organisation Hamas eine Bombe während der Abschlusszeremonie zünden wollte. Die Makkabiade wurde durchgeführt, statt 5.000 reisten 2.000 Athleten an. "Sie haben ihre Solidarität bekundet", sagt Hermann. "Das hat unser Land gestärkt."
Ittamar Hermann spricht nicht gern über den Schatten des Sportfestes. Die Kriegspolitik Israels ist umstritten, das ist ihm bewusst. Die Sicherheitsvorkehrungen sind auch in diesem Sommer hoch, Nachwuchssportler werden auf von bewaffneten Kräften begleitet. Kein Wunder: Die Tennisspielerin Shahar Peer aus Jerusalem musste sich in Neuseeland Proteste von Palästinensern anhören, Wochen später verweigerten ihr die Arabischen Emirate die Einreise für ein Turnier in Dubai. In Ankara wurden die Basketballer des Vereins Bnei Hasharon mit Schuhen und Flaschen beworfen. "Tod Israel!", skandierten die Zuschauer.
"Ein wichtiges Netzwerk"
Gideon Osterer hat auf der Bühne des Anis-Auditoriums von Jaffa Platz genommen, einem Stadtteil Tel Avivs, neben ihm sitzen zehn langjährige Repräsentanten der Makkabi-Bewegung. Jeder von ihnen hat im Zweiten Weltkrieg Angehörige, Freunde oder Bekannteverloren, jeder von ihnen hat im Sport einen wichtigen Antrieb gefunden. Gideon Osterer, 66, geboren in Rumänien, hatte Glück. Sein Groß"vater war der einzige Arzt weit und breit gewesen, die Nazis schützten ihn. 1965 zog er nach Köln.
"Makkabi ist ein wichtiges soziales Netzwerk", sagt Osterer. 1977 war er als Basketballer bei der Makkabiade aktiv, er wurde Trainer, Jugendleiter, seit 2001 ist er Chef des Verbandes Makkabi Deutschland, dem 37 Vereine mit 3.000 Mitgliedern angehören, die Religionen spielen kaum eine Rolle, Juden spielen mit Christen und Muslimen zusammen. Die Vereine sind wichtige Partner, um die Integration von Einwanderern zu erleichtern. Ob er den Tag erleben wird, da die Makkabiade ein unbeschwertes Sportfest sein wird? Osterer hebt seine Schultern. Den Einmarsch während der Eröffnung wird er nie vergessen, nur eines habe ihn gestört: "Die Reden der Politiker waren vielleicht ein wenig zu lang."
Stand: 23.07.2009, 10:02
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