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Tischtennis
Tischtennis-EM in St. Petersburg
Debüt für den Trainer Roßkopf
Debüt für Jörg Roßkopf: Deutschlands Rekordnationalspieler sitzt bei den Tischtennis-Europameisterschaften in St. Petersburg erstmals als Co-Trainer der Nationalmannschaft hinter der Platte.
Von der Platte auf die Bank: Jörg Roßkopf
Bei dem Gedanken daran, künftig fast tatenlos von der Bank zuschauen zu müssen, kommt keine Wehmut auf: "Ich werde in St. Petersburg auf keinen Fall einen Schläger in die Hand nehmen. Ich habe eine neue und spannende Aufgabe und will mich da reinfuchsen", sagt Roßkopf. Die internationalen Sternstunden, die "Rossi" als Spieler mit Olympia-, WM- und EM-Medaillen feierte, will er nun auch als Übungsleiter erleben.
Dabei hat der Trainer Roßkopf eine klare Philosophie und will von Anfang an Gas geben. "Ich will neue Sachen in das Training einfließen lassen. Das Hauptaugenmerk liegt darauf, viel mehr als bisher an den Schwächen zu arbeiten."
"Ich will langfristig denken"
Aufgrund der vielen Termine im Jahr 2008 ist die EM für Roßkopf allerdings nicht die Messlatte, die er als Trainer anlegen wird: "Ich will langfristig denken."
Aufgrund seiner Erfahrung war der in der DTTL noch für den TTC Jülich aktive Roßkopf bereits zu Spielerzeiten im Nationalteam zumindest ein "halber" Trainer. "Ich habe damals schon ein Taktikbuch gehabt. Ich war der Kopf des Teams, wenn die Taktik besprochen wurde. Nun stehe ich eben nur auf der anderen Seite."
Vormachtstellung behaupten
Timo Boll verteidigt drei Titel.
Der Respekt seiner Schützlinge ist ihm ohnehin sicher. "Er ist noch voll im Tischtennis drin. Außerdem kann er noch immer jeden von uns schlagen", sagt Dreifach-Europameister Timo Boll. Auch Christian Süß und Dimitrij Ovtcharov, zusammen nur vier Jahre älter als Roßkopf, schauen zu ihrem ehemaligen Mitspieler auf. Das Projekt "Co-Trainer Roßkopf" ist zunächst auf ein Jahr angelegt.
Bei der am Samstag (04.10.08) beginnenden EM, die neun Tage dauert, müssen die Olympia-Helden des DTTB ihre Vormachtstellung in Europa behaupten. In der einstigen Zaren-Metropole wollen die Teamzweiten von Peking die Titel in Einzel, Doppel und Mannschaft erfolgreich verteidigen. "Nach Olympia bin ich in ein Motivationsloch gefallen, aber jetzt bin ich wieder heiß auf Wettkämpfe. Wir wollen natürlich wieder um alle Titel spielen", sagte Boll. Bundestrainer Richard Prause mahnt: "Wir sind die Gejagten und müssen uns dem stellen."
Frischklebeverbot
Bundestrainer Richard Prause
In Frankreich, Dänemark und Ungarn warten schon in der Gruppenphase unangenehme Gegner, die Hauptkontrahenten sind laut Prause jedoch andere: "Kroaten und Österreicher sind sehr, sehr gefährlich."
Neben der Medaillenjagd wird auch mit Spannung erwartet, wie die Spieler mit dem seit dem 1. September gültigen Frischklebeverbot zurechtkommen. Beinahe 30 Jahre lang trugen die Athleten mehrere Schichten Frischkleber auf die Beläge auf. Diese Kleber enthalten Lösungsmittel, wodurch der Belag auf dem Holz "schwimmt" und dem Ball mehr Tempo und Spin verleiht. Da die Lösungsmittel jedoch Schläfrigkeit und Benommenheit verursachen können, hat der Weltverband ITTF diese Praxis nach jahrelangem Zögern verboten. Das Spiel ist dadurch um etwa 20 Prozent langsamer geworden, zwischen Olympia und EM standen so vorrangig Materialtests auf dem Programm. "Wir experimentieren noch ein bisschen herum", gibt Doppel-Spezialist Süß zu.
Schall fällt aus
Die deutschen Frauen haben neben der Materialumstellung noch andere Sorgen. Nach dem Debakel von Peking, wo das an Nummer sechs gesetzte Team in der Vorrunde scheiterte, soll in St. Petersburg die Rehabilitierung gelingen. "Wir wollen zeigen, was wir wirklich können", sagte Bundestrainer Jörg Bitzigeio. Einen ersten Rückschlag erlitt Bitzigeio bereits vor dem Abflug nach Russland. Die frühere Doppel-Europameisterin Elke Schall (Busenbach) klagt über eine schmerzhafte Entzündung im rechten Fuß und fällt für das Championat aus.
sid | Stand: 03.10.2008, 14:57
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