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Weitere Fraktur bei Nachuntersuchung in Berlin festgestellt
Voigt: Erneute OP am Kopf - WM-Start abgesagt
Jens Voigt muss erneut operiert werden. Bei dem 37-Jährigen, der bei der Tour de France schwer gestürzt war, ist bei Nachuntersuchungen in Berlin ein weiterer Knochenbruch diagnostiziert worden. Dennoch wurde der Profi vom Team Saxo Bank vom Bund Deutscher Radfahrer für die Weltmeisterschaften Ende September nominiert. Voigt selbst möchte zu diesem Zeitpunkt zwar wieder im Sattel sitzen, erteilte dem BDR hinsichtlich eines WM-Starts jedoch eine Absage.
Er darf sich kaum bewegen, muss am Freitag (31. Juli) noch mal operiert werden und die Ärzte sorgen sich um sein Auge: Jens Voigt laboriert noch immer an den Folgen seines Horrorsturzes bei der Tour de France. Bei Nachuntersuchungen in Berlin wurden jetzt auch noch eine weitere Fraktur festgestellt. "Es ist ein Bruch in der Kieferhöhle", sagt Voigt, "auf der Computer-Tomographie erkennt man ganz deutlich, dass auf der einen Seite die Höhle sauber gebildet ist, auf der anderen aber ein Knochen im 90-Grad-Winkel absteht und in die Kieferhöhle sticht. Das kann gefährlich werden." Am Donnerstag wird der Radprofis vom dänischen Team Saxo Bank ins Unfallklinikum Marzahn gehen, einen Tag später folgt die Operation.
Der 37-Jährige war am 21. Juli auf der 16. Tour-Etappe von Martigny nach Bourg-Saint-Maurice in der Abfahrt vom Kleinen Sankt Bernhard bei Tempo 80 schwer gestürzt und unter anderem mit dem Kopf auf den Asphalt aufgeschlagen. Sein Helm hat ihm wohl das Leben gerettet. Voigt war sofort mit dem Hubschrauber in ein Krankenhaus nach Grenoble gebracht worden, wo die Ärzte allerdings "nur" einen Jochbeinbruch sowie eine Gehirnerschütterung und Schürfwunden festgestellt hatten. Voigt macht den französischen Medizinern nach der neuen Diagnose in Deutschland aber keine Vorwürfe: In Berlin gebe es viel bessere Geräte, wodurch die Verletzungen erst sichtbar geworden seien, erklärt der Mecklenburger.
Voigt: "Ich muss fahren, um mir Selbstvertrauen zu hohlen"
Auch nach seiner Rückkehr in sein Haus im Berliner Grunewald muss es Voigt ruhig angehen lassen. "Ich habe ein Blutgerinsel im Gehirn, das sich nur langsam auflöst. Ich muss deshalb meinen Pulsschlag niedrig halten", sagt der Saxo-Bank-Profi. Den Kopf dürfe er kaum bewegen. Die tiefen Wunden an den Händen, die er sich bei dem Unfall zugezogen hatte, waren noch in Frankreich genäht worden. Eine Operation ist nicht notwendig. "Die Ärzte sind der Meinung, die Wunden verheilen ohne Eingriff, obwohl mir an der rechten Hand ein ganzes Stück Muskel fehlt", sagt Voigt. Große Sorge bereitet den Medizinern dagegen das rechte Auge des fünffachen Familienvaters. Er könne zwar sehen, aber das Auge sei stark verfärbt. Es soll im Krankenhaus noch einmal intensiver untersucht werden.
An den heftigen Sturz kann sich Voigt noch immer nicht erinnern. "Meine letzten Gedanken waren angenehm. Ich freute mich, dass wir zu dritt in der Spitzengruppe sind. Ich dachte noch, da können wir im Etappenfinale etwas versuchen. Dann fehlt mir der Film", sagt Voigt. Er wachte erst wieder auf, als er über sich die Decke des Krankenwagens sah. Da ihm alles weh tat, realisierte er schnell, in welcher Situation er sich befand. Eigentlich wollte Voigt in diesen Tagen die Dänemark-Rundfahrt bestreiten, nun wird er erst wieder in ein paar Wochen auf dem Rad sitzen. Dass er im nächsten Jahr noch einmal die Tour de France bestreiten möchte, hat er bereits am Tag nach seinem Sturz verkündet. Schließe könne er so nicht abtreten. Nun wird Voigt hinsichtlich seines Comebacks konkreter: "Im September will ich wieder Rennen fahren. Allein schon, um mir das Selbstvertrauen zurückzuholen." Der 37-Jährige stellte allerdings klar: "Es wird auf keinen Fall die WM sein."
Voigt: "Die WM fahre ich nicht. Da kommen andere in Frage"
Damit erteilte Voigt dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR), der ihn ungeachtet von seinem Sturz in das derzeit noch 18-köpfige Aufgebot für die Straßen-Weltmeisterschaften vom 22. bis 27. September in Mendrisio (Schweiz) berufen hat, eine klare Absage. Voigt begründete seinen WM-Verzicht damit, dass er sich bis dahin nicht mehr in Form fahren könne: "Da gibt es viele, die eher in Frage kommen als ich." So gehören zum Beispiel unter anderem Zeitfahr-Weltmeister Bert Grabsch und Tour-de-France-Etappensieger Heinrich Haussler sowie Nachwuchsstar Tony Martin dem vorläufigen WM-Kader an. Die stärkste Fraktion stellt dabei der einzige deutsche ProTour-Radrennstall Milram mit sechs Fahrern, gefolgt vom Team Columbia (fünf Profis).
Besonders überraschend ist die Nominierung des gebürtigen Australiers Haussler, denn der Profi vom Cervélo Test Team hatte unlängst einen WM-Start für Deutschland ausgeschlossen und die Absicht geäußert für sein Geburtsland an den Start zu gehen. "Die Nominierung ist rein nach sportlichen Aspekten erfolgt - andere Gesichtspunkte wurden nicht berücksichtigt", erklärt dazu BDR-Sprecherin Christina Kapp. Ob der 25-jährige Haussler, der im Alter von 14 Jahren von "Down Under" nach Deutschland gezogen war und beide Staatsbürgerschaften besitzt, tatsächlich für Deutschland ins Rennen geht, ist offen. Im August ist ein Gespräch zwischen Haussler und BDR-Präsident Rudolf Scharping geplant. Bei der WM können im Straßenrennen neun BDR-Fahrer starten, im Einzelzeitfahren sind neben dem gesetzten Titelverteidiger Grabsch zwei Athleten startberechtigt. Mitte September soll die endgültige Auswahl erfolgen. Jens Voigt wird dann nicht mehr dabei sein.
Der vorläufige WM-Kader des BDR:
Marcus Burghardt (Columbia), Gerald Ciolek (Milram), Markus Fothen (Milram), Johannes Fröhlinger (Milram), Linus Gerdemann (Milram), Simon Geschke (Skil-Shimano), Bert Grabsch (Columbia), André Greipel (Columbia), Heinrich Haussler (Cervélo), Christian Knees (Milram), Sebastian Lang (Silence-Lotto), Paul Martens (Rabobank), Tony Martin (Columbia), Grischa Niermann (Rabobank), Martin Reimer (Cervélo), Marcel Sieberg (Columbia), Jens Voigt (Saxo Bank), Fabian Wegmann (Milram).
red / dpa / sid | Stand: 30.07.2009, 12:40
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