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Fair und erfolgreich: Beckenschwimmer mit brillanter Bilanz
Eine Woche lang Sonnenschein
Von Christian Hornung
Die WM begann grandios für die Beckenschwimmer. Und sie endete grandios. Nach dem Olympia-Tief von Peking 2008, das allein Britta Steffen aufhellte, schien bei der WM in Rom für die deutschen Athleten eine komplette Woche lang die Sonne.
Dass Helge Meeuw am Schlusstag in der Lagenstaffel auf Augenhöhe mit Weltrekordler Aaron Peirsol lag, Jungspund Hendrik Feldwehr plötzlich sogar führte, Benjamin Starke gegen Superstar Michael Phelps nur wenig einbüßte und Paul Biedermann mit einem furiosen Schluss-Spurt die Silbermedaille hinter den USA sicherte, sagte viel über die Gesamtleistung der deutschen Mannschaft aus. Die Mischung von Bundestrainer Dirk Lange aus erfahrenen Haudegen und jungen hungrigen Talenten war perfekt, und als Team glänzte der DSV im Wasser und an Land. Natürlich rissen die beiden Frontleute Britta Steffen und Paul Biedermann ihre Teamkameraden mit. Doch ihr Umgang hatte nichts von der Divenhaftigkeit, mit der beispielsweise Italiens neuer Top-Star Federica Pellegrini ihre Staffelkameradinnen behandelte: kühl und fast beleidigt wirkend, mit ihnen schwimmen zu müssen.
Lockerheit und Freude am Wettkampf
Britta Steffen war da ganz anders. In Peking gab sie noch mehr die Einzelkämpferin, was für den Erfolg vielleicht sogar gut war: So ließ sie sich nicht von den vielen Enttäuschten um sie herum anstecken. In Rom strahlte die Berlinerin dagegen totale Lockerheit und Freude am Wettkampf aus. Sie gab zwar teamintern den Ton an, tat das aber aufbauend und positiv. Sie nahm die Kollegen oft in den Arm, sprach ihnen Mut zu, gab auch Biedermann Rückhalt. Der führte seinen Erfolg über 200 Meter Freistil gegen Phelps prompt auch auf Steffen zurück: "Wenn eine zweifache Olympiasiegerin sagt, sie steht hinter mir, gibt das sehr viel Kraft." Doch mindestens genauso beeindruckend war Steffens Verhalten der internationalen Konkurrenz gegenüber: Geradezu liebevoll herzte sie beispielsweise Lisbeth Trickett ein ums andere Mal, nachdem sie sie bezwungen hatte ? vom ersten Tag in der Staffel bis zum letzten Tag beim goldenen Abschluss im Sprint.
Biedermann auch in den Staffeln stark
Auch Paul Biedermann prägte die komplette Woche. Wie er sich zum Auftakt Gold über 400 Meter Freistil und den Fabelweltrekord von Ian Thorpe schnappte, dann den bis dahin als unbesiegbar geltenden Michael Phelps wie einen Anfänger auf den 200 Metern stehen ließ, war - wenn alles mit rechten Dingen zuging - atemberaubend. Charakterstark und sinnbildlich war danach aber auch, dass sich Biedermann nicht auf Doppel-Gold ausruhte, sondern in den Staffeln Vollgas gab und sich total in den Dienst des Teams stellte.
Nicht mehr zu viel erwartet
Doch auch die Tatsache, dass neben Steffen und Biedermann weitere Gesichter das deutsche Team in Rom prägten, machte die WM auch zu einem Mannschaftserfolg. Helge Meeuw war ein leuchtendes Beispiel. Wie er sein Mammutprogramm bewältigte, über 100 Meter Rücken Silber gewann und sich am Ende in der Lagenstaffel noch mal steigerte, war kaum zu glauben. Sein Erfolgsgeheimnis verriet er sportschau.de: "In Peking bin ich noch an meinen eigenen Erwartungen zerbrochen. Hier habe ich mit nichts gerechnet - prompt hat es super geklappt."
Perspektive in der Weltspitze
Das durfte auch Daniela Samulski von sich behaupten, auch wenn sie knapp an Gold vorbeischrammte. Doch sie war im Rückensprint auf den Punkt fit, schwamm im Halbfinale Weltrekord, steigerte sich im Endlauf noch mal, doch bei dieser Rekord-Inflations-WM reichte selbst das "nur" zu Silber. Neben Steffen, Biedermann, Meeuw und Samulski zeigten alle Staffelschwimmer, aber auch die nachrückende Jugend um Yannick Lebherz, Daniela Schreiber oder Steffen Feldwehr, dass der DSV wieder eine Perspektive in der Weltspitze hat. Diese Erkenntnis ist zusammen mit dem gewinnenden Auftreten der gesamten deutschen Mannschaft vielleicht ein noch größerer Erfolg als die neun Medaillen der Beckenschwimmer in Rom.
Stand: 03.08.2009, 17:28
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