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Dirk Lange und Lutz Buschkow ziehen WM-Bilanz
"Zurück im Kreis der erlauchten Nationen"
Von Christian Hornung
DSV-Sportdirektor Lutz Buschkow und Bundestrainer Dirk Lange hatten vor der Schwimm-WM im Interview mit sportschau.de ihre Ziele klar benannt: Elf Medaillen disziplin-übergreifend sowie Persönlichkeiten, die offensiv und mutig in die Wettkämpfe gehen und Härte beweisen. Jetzt ziehen sie Bilanz.
Herr Buschkow, hat der DSV seine Ziele erreicht?
Lutz Buschkow: "Ja. Mit dreimal Gold im Freiwasser stehen wir glänzend da, die Beckenschwimmer haben sich ebenfalls sehr, sehr positiv geschlagen. Wir haben die Menschen im Stadion und die Bevölkerung in der Heimat vor den Fernsehern mitgerissen. Die Wasserball-Herren als Sechste waren so gut wie seit 18 Jahren nicht, obwohl da sogar noch mehr drin war. Bei den Wasserball-Frauen und den Synchronschwimmerinnen ist die Entwicklung gut. Nur die Springer sind erstmals ohne Medaille geblieben."
Welche Konsequenz ziehen Sie daraus? Rücken Sie wieder näher an die Springer heran?
Buschkow: "Wir werden alles in Ruhe analysieren. Aber eine Konsequenz wird sein, einen Bundestrainer einzustellen. Für Olympia 2012 streben wir drei Medaillen im Springen an."
Herr Lange, sind Sie auch zufrieden mit der Woche in Rom?
Lange: "Absolut. Nicht nur dank Britta Steffen und Paul Biedermann. Jeder Zweite unserer Schwimmer hat den Vorlauf überstanden. Und von denen, die im Halbfinale waren, haben 75 Prozent den Endlauf erreicht. Das ist stark und der Trend ist positiv. Wir sind wieder im Konzert der Großen mit den USA oder Australien, nachdem wir vergangenes Jahr bei Olympia - ich sag's mal wie im Fußball - fast in die Zweite Liga abgestiegen wären und uns nur dank Britta in die Relegation gerettet haben. Wir werden jetzt wieder in der Weltspitze akzeptiert und haben viele Komplimente aus anderen Nationen bekommen."
Sie haben auch die Entwicklung von Persönlichkeiten forciert. Mit Erfolg?
Lange: "Finde ich durchaus. Ich will Schwimmer, die sich nicht abwartend verhalten und Angst haben, sondern aggressiv und bestimmend sind. Ich will Wettkampfhärte und Rennstabilität, meine Athleten sollen dem Lauf ihren Stempel aufdrücken. Das haben viele umgesetzt."
Deibler Vorbild beim Teamgeist
Der neue Teamgeist war in Rom ein großes Thema. Mit welchen Aktionen haben Sie den gefördert?
Lange: "Ich gebe mal ein Beispiel für den Teamspirit, wie ich ihn mir vorstelle. Steffen Deibler ist eigentlich nur wegen der Staffel mit in Rom. Dann war er verletzt, aber rechtzeitig zum Finale über 4 x 200 Meter Freistil wieder fit. Er hätte antreten können, hat aber gesagt: Lass die Jungs zusammen, die im Vorlauf den Europarekord aufgestellt haben - ich verzichte."
Buschkow: "Wichtig ist auch, dass unsere Speerspitzen Steffen und Biedermann keine Diven sind, sondern das Miteinander leben. Und dass unsere Schwimmer eine Betreuung untereinander organisiert haben, wo einer, der gerade Pause hat, den anderen bis zum Startblock hilft, tut sein übriges."
Zweites großes Thema: die Anzüge. Können Sie es noch hören?
Lange: "Wir wurden ja von manchen sogar kritisiert, weil wir angeblich das beste Material hatten. Aber ich sage ganz klar: Es galt freie Anzugwahl für alle, alle hatten die gleichen Voraussetzungen. Wir haben diese Entwicklung nicht losgetreten, wir haben sie nur optimal umgesetzt. Jeder andere hätte das auch tun können. Unser Erfolg waren nicht die Anzüge. Wir sind einfach schnell geschwommen."
Buschkow: "Wir haben für die freie Anzugwahl unserer Athleten sogar noch auf viel Geld von einem Hauptsponsor verzichtet. Das ist uns nicht leichtgefallen - aber es sicher bei vielen den Kopf frei gemacht, dass sie nun gleiche Voraussetzungen haben wie ihre Konkurrenten."
"Einfach schnell geschwommen"
Wird es in Zukunft also nie wieder nur einen Ausrüster geben?
Buschkow: "Mir schwebt eine Pool-Lösung mit drei, vier Firmen vor, aus denen die Athleten dann wählen können."
Sollten die Weltrekorde 2010 gelöscht werden, wenn es keine Kunststoffanzüge mehr gibt?
Lange: "Für mich sind diese vielen Weltrekorde irrelevant, weil sie einer Technologie entspringen, die es dann nicht mehr gibt. Die Zeiten werden dann sicher langsamer, dabei wollen die Leute doch Rekorde sehen. Die FINA ist gefordert."
Buschkow: "Ich finde die Rekorde nicht ganz so wichtig. Unsere Fans wollen Schwimmer auf dem Treppchen sehen, Siegertypen. Sportler, mit denen sie sich identifizieren können. Und da machen Steffen und Biedermann hervorragende Arbeit."
Wie wappnen Sie sich für die Zeit nach dem Kunststoff-Anzug?
Buschkow: "Eine vor mir ins Leben gerufene Technologie-Kommission wird diesen Prozess aktiv begleiten. Da wird sehr kreativ gearbeitet."
Wann befördern Sie Dirk Lange zum Chef-Bundestrainer?
Buschkow: "Da will ich mich jetzt nicht zeitlich festlegen. Seine Arbeit als Bundestrainer für Perspektive ist sehr erfolgreich."
Herr Lange, fordern Sie Ihre Beförderung?
Lange: "Der Erfolg zählt. Und ich versuche immer, mich weiterzuentwickeln ..."
Buschkow: " ...er wäre kein richtiger Trainer, wenn er das nicht fordern würde."
Herr Lange, Sie hatten auch das Nachrücken junger Athleten an die Spitze gefordert, Sie wollten neue "Führungsspieler". Gab es die?
Lange: "Ja! Da nenne ich zuerst Hendrik Feldwehr, der letztes Jahr noch auf regionalen Meistreschaften geschwommen ist und jetzt in den WM-Endlauf schwimmt und einen Europarekord aufstellt. Auch Daniela Schreiber hat einen hervorragenden Job gemacht und uns in der Freistil-Staffel fast noch zu Gold geführt. Auch Yannick Lebherz und Marco Koch kommen nach."
Bei Biedermann liegt Phelps verkehrt
Erklären Sie doch bitte mal, wie sich Paul Biedermann in so kurzer Zeit so sehr verbessern konnte.
Lange: "Wenn Michael Phelps über Paul sagt, dass ihm das komisch vorkommt, liegt er völlig verkehrt. Paul ist schon nach Olympia Weltrekord auf der Kurzbahn geschwommen, er hat sich kontinuierlich gesteigert und immer auf diesen Wettkampf in Rom hingearbeitet. Er hat einfach enormes Potenzial, steigert sich seit einem Jahr konstant. Und übrigens war er im gleichen Alter wie Phelps besser als der."
Wie glaubwürdig ist eine WM ohne Bluttests auf Doping?
Lange: "Das ist ein Glaubwürdigkeits-Problem der FINA. Wir in Deutschland sind führend in der Doping-Bekämpfung, sie ist integraler Bestandteil unserer Planung. Wir verhalten uns absolut richtig und machen alles, was gefordert wird."
Was lernen Sie mit Blick auf Olympia 2012 aus dieser WM ?
Buschkow: "Das Ziel für Olympia ist schon mit dem DOSB vereinbart: Bei den Beckenschwimmern dreimal Gold, viermal Silber und fünfmal Bronze. Die Wasserballer wollen wir in die Medaillenränge führen. Wir werden noch auf ein paar Hühneraugen drücken, zum Beispiel das Stützpunkt-System weiter forcieren, regionale Lehrgänge abhalten, weiter ganz eng zusammenarbeiten."
Lange: "Es ist ganz wichtig, jetzt trotz unseres starken Abschneidens in Rom alles zu überprüfen. Im Erfolg macht man die größten Fehler, weil man zu leicht übersieht, was noch besser laufen könnte. Wir wollen mit den großen Nationen auf Augenhöhe sein. Deutschland hat eine große Schwimm-Historie mit Athleten wie Michael Groß oder Kristin Otto. Jetzt gab es eine Delle, wir haben reagiert und sind zurück im Kreis der erlauchten Nationen. Das Ziel ist, die Vorgabe des DOSB in London zu erfüllen, mit Athleten, wie ich sie beschrieben habe."
Stand: 03.08.2009, 12:00
Donnerstag, 18.03.2010
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| Rg | Land | G | S | B |
|---|---|---|---|---|
| 1 | USA | 11 | 11 | 7 |
| 2 | China | 11 | 7 | 11 |
| 3 | Russland | 8 | 8 | 4 |
| 4 | Deutschland | 7 | 4 | 1 |
| 5 | Australien | 4 | 5 | 10 |

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