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Radsport
Deutsches Radball-Duo vor der WM
Kicken mit Rad
Von Jürgen Bröker
Radball zählt zu den erfolgreichsten deutschen Sportarten. 34 Weltmeistertitel holten deutsche Radballer seit 1927. In diesem Jahr werden Matthias König und sein Partner Uwe Berner bei der WM in Portugal (06.11. bis 08.11.) für Deutschland auf Medaillenjagd gehen.
Berner und König (v.l.)
Ihr Trainer weiß, wie es geht. Sandro Lomuscio hat selbst drei Weltmeisterschaften im Radball gespielt. Zwei davon hat er gewonnen. Gemeinsam mit seinem Bruder Michael. Das ist typisch für diesen Sport. In der nationalen und internationalen Spitze sind immer wieder Brüderpaare erfolgreich. "Man muss sich gut kennen, um auf dem kleinen Feld gemeinsam zurecht zu kommen", sagt Lomuscio. 14 mal 11 Meter, mehr Platz gibt es für die insgesamt vier Radballer auf dem Feld nicht.
Und selbst wenn seine Schützlinge Matthias König und Uwe Berner keine Brüder sind, kennen auch sie sich in- und auswendig. Berner und König spielen seit mehr als sechs Jahren gemeinsam. Sie kennen sich aber schon länger. Als Berner vor gut 20 Jahren mit dem Sport anfing, war König schon da. Beide spielen für den RV Gärtringen, einen traditionsreichen Verein in der Nähe von Böblingen. Ohnehin kommen die besten deutschen Radballer meist aus dem Süden. Dort ist der Sport relativ weit verbreitet. Norddeutschland gilt dagegen eher als Entwicklungsland.
Spezielle Räder
Radball zählt zu den absoluten Randsportarten. Turniere gehen an der Öffentlichkeit vorbei. Es gibt keine Gesichter. Nur vage Vorstellungen davon, wie schwer es ist, Ball und Rad gleichzeitig zu beherrschen. Allein das Rad. Die Sattelstütze ist waagerecht angebracht, da die Radballer ohnehin die meiste Zeit stehen. Dadurch verändert sich der Schwerpunkt. Dann die Übersetzung. Vorne ist ein kleines Ritzel und hinten auch. Es gibt weder Bremse noch Leerlauf. Tritt man rückwärts, bewegt sich das Rad auch in diese Richtung. Wer zum ersten Mal auf einem solchen Rad sitzt, ist mehr damit beschäftigt, nicht umzufallen, als sich fortzubewegen.
Gut 2.000 Euro kosten gute Räder, die mit besonderen Lenkern, Gabeln und extrem hart aufgepumpten Reifen ausgestattet sind. Außerdem sind die Ritzel verstärkt und die Kette stammt von einem Moped. "Eine normale Kette würde die Belastungen gar nicht aushalten", sagt Berner. Schwund gibt es trotzdem. Regelmäßig müssen die Spieler verbogene Felgen richten und gerissene Speichen austauschen. Jeder kann alles.
Kleine Radballfamilie
Die Radballfamilie ist überschaubar. Deshalb kennen sich die an der WM teilnehmenden Nationen gut. Sie begegnen sich regelmäßig auf den internationalen Turnieren. Dort haben König und Berner auch schon alle Gegner dieser WM geschlagen. "Aber die Leistungsdichte ist brutal eng", sagt König. Außerdem sei eine WW eine ganz andere Geschichte. Während bei den Weltcups munter drauf los gespielt wird, warten die Teams bei einer Weltmeisterschaft ab. Niemand will den ersten Fehler machen, in Rückstand geraten. "Da wird auf die hundertprozentige Chance zum Abschluss gewartet", sagt König.
Er selbst ist Feldspieler und für Spielaufbau, Torschuss und Abwehr zuständig. Sein Partner Berner ist Torwart und Feldspieler. Berner muss sich den Bällen entgegen stellen, die aus kürzester Entfernung mit bis zu 80 Stundenkilometern auf sein Tor zugeschossen kommen. „Ich mache viel über mein Stellungsspiel. Ich bin kein Fänger", sagt er selbst. Berner verkürzt die Winkel geschickt und setzt darauf, dass die Gegner keine Lücke ins Tor finden.
Hinfahren und Spaß haben
Für König und Berner ist es die erste Weltmeisterschaft. Sie haben sich über ein langes und intensives Qualifikationsverfahren mit Bundesligaspielen, Deutschen Meisterschaften und internationalen Turnieren als bestes deutsches Duo bewiesen. Auch wenn der Druck vor dem Hintergrund der glorrreichen deutschen Radball-Vergangenheit groß ist, für Berner und König ist allein die Teilnahme schon ein Erfolg. Jetzt gilt es erst einmal, hinzufahren, Spaß zu haben und ein gutes Turnier zu spielen. "Aber natürlich wollen wir auch Erfolg", sagt er. Eine Medaille ist das Ziel.
Die traut ihnen ihr Heimtrainer Lomuscio durchaus zu. "Das sind beides gute Radballer. Wenn sie das machen, was sie können, ist einiges drin", sagt er. Ursprünglich hatte er nicht vor, nach Portugal zu fahren. Aber seine Spieler haben ihm die Reise geschenkt. Jetzt fährt er doch hin. "Aber nicht um Tipps zu geben. Das brauchen sie nicht", sagt er. Lomuscio will es einfach genießen, schönen Sport zu sehen.
Stand: 05.11.2009, 07:50
Samstag, 13.03.2010
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