Fußball - DFB-Pokal

Hoffenheim vor dem Viertelfinale im DFB-Pokal

Auf der Suche nach der Euphorie

Bei 1899 Hoffenheim läuft es seit einigen Wochen nicht mehr richtig rund. Die Überflieger der Vorsaison befinden sich im Sinkflug. Ein Grund ist das Verletzungspech. Im DFB-Pokal-Viertelfinale bei Werder Bremen wollen die Hoffenheimer dennoch bestehen.

Jan Schindelmeiser schaut aus seinem Büro stets mit einem Auge auf den Fußballplatz. Das nagelneue Trainingszentrum der TSG 1899 Hoffenheim bietet ja vielerlei Annehmlichkeiten. Und so fällt es auch dem Manager leicht, sich über Anzahl der Teilnehmer bei den Trainingseinheiten auf dem Laufenden zu halten. In den letzten Wochen waren dort allerdings in schöner Regelmäßigkeit weniger Profis für ihn zu sehen als es Jan Schindelmeiser lieb war. Einige Verletzungen, Sperren und Abstellungen für den Afrika Cup hatten den Kader der Hoffenheimer erheblich ausgedünnt, was sich nicht nur auf die Ergebnisse der Mannschaft negativ ausgewirkt hat.

Aus den einstigen Himmelsstürmern, die aus dem Nichts die Bundesliga aufmischten und sich anschickten, ein neues Spitzenteam zu sein, ist kaum noch etwas übrig geblieben. Die Leichtigkeit im Offensivspiel und die sehenswerten Kombinationen der Vorsaison erscheinen derzeit wie Erfolgsgeschichten aus der grauen Vorzeit. Mittlerweile scheint der Alltag der Euphorie nach dem Aufstieg den Rang abgelaufen zu haben. "Hier ist aber keiner ratlos. Wir wissen schon, woran es liegt, dass wir in den letzten Wochen nicht so erfolgreich waren", sagt Jan Schindelmeiser gegenüber sportschau.de. "Hier neigt keiner dazu, in Depressionen zu verfallen. Die Situation ist dennoch unbefriedigend."

Formtief aufgrund von Verletzungen

Der Manager erklärt das Formtief der Mannschaft vor allem mit den Personalproblemen. "Wenn in unserer Mannschaft drei oder vier Spieler ausfallen, können wir das mittlerweile kompensieren. Aber wenn ein kompletter Mannschaftsteil ausfällt, dann wird es für uns schwer", sagt der 46-Jährige. Vor allem die Angriffsreihe sei in den letzten Wochen stark betroffen gewesen. Einzig der von einem Kreuzbandriss genesene Vedad Ibisevic war einsatzbereit, aber noch weit von seiner Bestorm entfernt. Mit Chinedu Obasi und Demba Ba fehlten zudem dessen Sturmpartner. Zu allem Überfluss verletzte sich auch noch Ersatzmann Maicousel schwer und fällt länger aus. Und auch im Mittelfeld mussten Sead Salihovic und Carlos Eduardo sofort nach ihren kaum auskurierten Verletzungen "wieder spielen, weil wir sie dringend gebraucht haben", sagt Schindelmeiser. All diese Umstände hätten dazu geführt, dass die Mannschaft das Niveau der Vorsaison nicht halten konnte.

Negativserie schafft Verunsicherung

Manager Jan Schindelmeiser (l.) und Trainer Ralf Rangnick ; Rechte: imago

Manager Jan Schindelmeiser (l.) und Trainer Ralf Rangnick.

"Wir haben uns diese Situation sicher nicht ausgesucht", sagt Ralf Rangnick. "Aber so etwas muss wohl leider jede Mannschaft mal durchleben. Über Werder Bremen hat jeder in der Vorrunde gesagt: Wer soll die noch schlagen? Und dann verlieren sie ohne Grund ein Spiel nach dem anderen", sagt der Trainer. Neben den sportlichen Problemen hat Rangnick weiterhin die Erkrankung seines Vaters zu verkraften, die ihm zusätzliche Konzentration abverlangt. Und auch die jüngsten Gerüchte um ein aktuelles Angebot des VfL Wolfsburg sorgen für Gesprächsstoff im Klub. In der derzeitigen Situation sicher keine optimale Gemengelage.

Ohnehin scheint die Harmonie der Vorjahre ein wenig gelitten zu haben. Auf dem Spielfeld erscheint die Mannschaft derzeit wie eine Ansammlung von Einzelkämpfern, die vor allem mit sich selbst zu tun haben. "Solche Negativserien schaffen Verunsicherung", sagt Schindelmeiser. "Aber wir vertrauen unserer Mannschaft. Nicht zuletzt deshalb haben wir keinen Spieler in der Winterpause verpflichtet."

In der Bundesliga die Kurve kriegen

Ein erster Aufwärtstrend ist mit dem jüngsten Bundesligaerfolg gegen Hannover 96 nach sieben erfolglosen Partien geschafft. Im heutigen Viertelfinale im DFB-Pokal bei Werder Bremen soll sich das fortsetzen, denn es ist vielleicht die letzte Möglichkeit für 1899, auf diesem Weg das internationale Geschäft zu erreichen. Auch wenn sich die personelle Lage wieder einmal verschlechtert hat. Mit Andreas Beck hat sich ein weiterer Spieler gegen die Niedersachsen so schwer verletzt, dass er ausfallen wird. Außerdem ist der Einsatz von Josip Simunic und Marvin Compper in höchster Gefahr, sogar Torwart Timo Hildebrand ist fraglich.

In Hoffenheim scheinen sie sich in diesen Tagen an die Hiobsbotschaften gewöhnen zu müssen. Jan Schindelmeiser will sich dennoch nicht nur auf den Pokalwettbewerb verlassen. "Wir wollen auch noch in der Bundesliga noch die Kurve kriegen", sagt er. Irgendwann wird schließlich auch die Hoffenheimer Trainingsgruppe wieder größer sein.

Stand: 09.02.2010, 08:30

Stand: 15.03.2010 01:12:19