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Leichtathletik
Südafrikanischer Verband gibt Geschlechtstest vor der WM zu
"Die Lust auf Gold war größer"
Schon vor der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin hat Südafrikas Leichtathletik-Verband einen Geschlechtstest bei der 800-Meter-Weltmeisterin Caster Semenya durchgeführt. Nun fordert Sportminister Gert Oosthuizen den Verbandspräsidenten Leonard Chuene zum Rücktritt auf - denn der hatte den Test vor dem Wettbewerb zuvor geleugnet. "Er hat nicht nur uns als Ministerium angelogen, sondern das ganze Land. Das ist nicht akzeptabel", sagte Oosthuizen. Die Athletin selbst wird in der Affäre immer mehr zum Opfer.
Bislang hatten Sportfunktionäre und Politiker in Südafrika im Fall Semenya meist gemeinsam den Weltverband IAAF attackiert. Die neuen Entwicklungen vom Wochenende verdeutlichten aber, wie sehr die ASA selbst die Persönlichkeitsrechte seiner Läuferin missachtete.
Chuene räumte am Samstag (19.09.09) auf einer Pressekonferenz in Pretoria ein, dass seine eigenen Mediziner ihm in Berlin geraten hätten, die 18-Jährige nicht starten zu lassen. Semenyas Trainer Wilfried Daniels wirft dem Verband vor, ihr den Geschlechtstest als normale Dopingkontrolle verkauft zu haben. "Die Lust auf Gold war größer als die Sorge um ihr Wohlergehen", kommentierte die südafrikanische Zeitung "Sunday Times".
Chuene entschuldigte sich dafür, den ersten Geschlechtstest bislang stets geleugnet zu haben. Damit und mit der Nominierung Semanyas für die WM habe er "ihre Privatsphäre schützen wollen". Eine Entlassung Chuenes ist dennoch fraglich. Die könnte nur sein eigener Verband beschließen, nicht aber das Sportministerium.
Geschlechtstest bereits am 7. August
Die Abläufe vor der WM schilderte Chuene wie folgt: Bereits am 7. August habe die ASA Semenya auf Bitten der IAAF hin zu einem Geschlechtstest geschickt. Ein Ergebnis läge noch nicht vor. Chuene erklärte, dass ihm der südafrikanische Teamarzt Harold Adams in Berlin trotzdem empfohlen habe, sie von der WM zurückzuziehen. Adams hätte Angst vor dem gehabt, was nach dem 800-Meter-Finale tatsächlich aufkam: öffentliche Zweifel an der Weiblichkeit Semenyas.
Nach Angaben von Chuene hätten ihm sogar zwei IAAF-Mediziner geraten, eine Verletzung der 18-Jährigen vorzutäuschen, um sie nicht ins internationale Scheinwerferlicht geraten zu lassen. Chuene erklärte jedoch, "keine Basis" für einen WM-Rückzug Semenyas gesehen zu haben. "Ich konnte doch nicht aufgrund von Gerüchten handeln", sagte er. Er wollte ihr nicht die Chance nehmen, "der Welt ihr Talent zu zeigen". Hätte man Semenya nicht erlaubt, zu laufen, "hätten wir doch alle Außenstehenden darin bestätigt, dass dieses Mädchen nicht normal ist", sagte der ASA-Präsident.
"Wenn sie Selbstmord begeht, sind wir alle mitschuldig"
Semenya selbst wird in diesem Fall immer mehr zum Opfer. Der Vorsitzende des Sportausschusses der südafrikanischen Nationalversammlung, Butana Komphela, sagte "Spiegel Online": "Sie fühlt sich, als sei sie vergewaltigt worden. Sie hat Angst vor sich selbst und lässt niemanden mehr an sich heran. Wenn sie Selbstmord begeht, sind wir alle mitschuldig."
Trotz seiner Eingeständnisse griff Chuene am Samstag erneut die IAAF an. Einen zweiten Test während der WM öffentlich zu machen, sei eine Diskriminierung Semenyas gewesen, sagte er. Der Weltverband hatte in Berlin noch vor Semenyas Sieg einen Geschlechtstest bei ihr angeordnet. Hintergründe waren ihre männliche Erscheinung und ihre rapide Leistungsentwicklung in diesem Jahr. Die IAAF will die Ergebnisse des Tests nicht vor November öffentlich machen, doch verschiedene Medien berichteten bereits, dass Semenya ein Zwitter sei. Das sorgte in Südafrika für heftige Kritik.
dpa | Stand: 20.09.2009, 15:07
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